FAQs zum verlegten Testspiel gegen San Antonio
Der SV 98 beantwortet die wichtigsten Fragen zum verschobenen Testspiel der Lilien beim Kooperationspartner San Antonio FC.
18 Jahre, 2 Monate und 16 Tage war John Peter Sesay alt, als er zum Saisonauftakt gegen Jahn Regensburg eingewechselt wurde. Und auch in Karlsruhe stand der Offensivspieler 18 Minuten lang auf dem Feld. Wir haben mit ihm über seine ersten beiden Einsätze, die Reaktionen darauf und das Vertrauen von Torsten Lieberknecht gesprochen.
sv98.de: Wie fühlt es sich an, offiziell Zweitligaspieler zu sein?
Sesay: Zunächst einmal fühle ich mich unheimlich wohl in der Mannschaft und es macht mir großen Spaß, überhaupt dabei zu sein. Ich genieße jeden Moment und versuche jeden Tag, Vollgas zu geben. Es ist natürlich schön, jetzt Zweitligaspieler genannt zu werden und ich bin sehr dankbar für diese Chance. Aber gleichzeitig hoffe ich auch, dass es für mich persönlich erst der Anfang meiner Karriere ist.
sv98.de: Schon gegen Kiel am letzten Spieltag der Vorsaison war es fast so weit, leider wurde das Spiel dann abgepfiffen. Wie groß war gegen Regensburg die Freude, als du endlich auf den Platz konntest?
Sesay: Ich war extrem überrascht, weil ich zuvor auch ein paar Probleme mit dem Fuß hatte und in der Woche nicht komplett trainieren konnte. Als dann mein Name gerufen wurde, habe ich Gänsehaut bekommen. Und dann bin ich auf den Platz gelaufen, die Lilienfans waren da und haben Stimmung gemacht, ich war unglaublich heiß. Ich wollte der Mannschaft unbedingt irgendwie helfen, leider haben wir nicht das Ergebnis erzielt, das wir gerne erreicht hätten. Trotzdem war es ein absolut geiles Gefühl.
sv98.de: Vor dem Spiel gegen Regensburg hatte Torsten Lieberknecht euch ganz junge Spieler noch einmal zusammengerufen. Was hat er euch in den paar Minuten gesagt?
Sesay: Genau, er hat Till Streller, Philipp Sonn, Clemens Riedel und mich noch einmal zu sich geholt und uns gesagt, dass wir ruhig bleiben und den Tag einfach genießen sollen. Er meinte, dass jeder Profi irgendwann sein Debüt gefeiert hat und daher unsere Situation einschätzen könnte. Natürlich war ich ein wenig nervös und wollte keinen Fehler machen. Aber Torsten Lieberknecht hat uns gesagt, dass wir Fehler machen dürfen, einfach unser Spiel durchziehen und vor allem Spaß haben sollen. Das hat mich noch einmal richtig gepusht. Es ist schon beeindruckend, wie er mit uns jungen Spielern umgeht.
sv98.de: Es zeigt auf jeden Fall, dass er großes Vertrauen in euch hat. Du bist jetzt in beiden Spielen zum Einsatz gekommen. Spürst du diese besondere Wertschätzung?
Sesay: Es bedeutet mir sehr viel und zeigt einfach, dass der Verein und Torsten Lieberknecht dazu bereit sind, mit jungen Spielern zu arbeiten. Das ist das Wichtigste. Nicht nur für mich, sondern für alle Jugendspieler im NLZ, die von dem Sprung nach oben träumen. Es tut gut zu sehen, dass man dieses Ziel hier in Darmstadt erreichen kann. Ich selbst hätte natürlich nicht erwartet, dass ich direkt zu zwei Einsätzen kommen werde, ich habe einfach gehofft, im Laufe der Saison vielleicht mein Debüt feiern zu können. Jetzt habe ich schon 38 Minuten in der zweiten Liga gespielt, das ist verrückt.
sv98.de: Wie waren die Reaktionen bei deiner Familie und Freunden auf die ersten beiden Einsätze?
Ich habe extrem viele Nachrichten bekommen, mein Instagram-Account ist fast explodiert. (lacht) Das zeigt mir, dass ich auf einem guten Weg bin und noch mehr Gas geben muss, um weitere Schritte zu gehen. Meine Familie ist extrem stolz, genau wie meine Freunde. Aber alle sagen mir auch, dass es erst der Anfang war und ich hart arbeiten muss, damit ich noch mehr Einsätze bekommen kann. Alle haben das Gefühl, dass Darmstadt 98 der perfekte Verein ist, um mich weiterzuentwickeln. Diese Bestätigung zu bekommen, hilft mir sehr.
sv98.de: Die Einsätze sorgen also auch dafür, dass du überall noch eine Schippe drauf legen willst?
Sesay: Auf jeden Fall. Speziell an die Athletiktrainer und Physios stelle ich viele Fragen, weil ich wissen möchte, was ich noch verbessern kann. Ich hole mir auch immer wieder Tipps von den Trainern und Mitspielern, es macht mir großen Spaß, dazuzulernen. Ich möchte mich in allen Bereichen entwickeln, damit ich der Mannschaft bestmöglich helfen kann.
sv98.de: Wie hast du selbst deine beiden Einsätze wahrgenommen? Merkt man direkt, auf was für einem Niveau man plötzlich aktiv ist?
Sesay: Ich habe sofort gespürt, dass jeder Spieler im totalen Wettkampfmodus ist. Die Stimmung war nochmal eine andere als in den Testspielen, die ich schon absolvieren durfte. Ich bin mittlerweile schon eine längere Zeit im Training der Profis dabei, da lernt man das Niveau immer besser kennen, aber die beiden Pflichtspiele waren nochmal eine andere Hausnummer.
sv98.de: Du hast dir trotzdem viele Dinge zugetraut, keinen ängstlichen Eindruck gemacht…
Ich liebe das Eins-gegen-Eins und die tiefen Läufe in den Raum. Das ist einfach mein Spiel und es ist toll, dass mir der Trainer gesagt hat, dass ich dieses Spiel auch bei den Profis genauso beibehalten soll. Mutig sein, das Dribbling suchen, diese Dinge will er von mir sehen. Und ich habe versucht, es umzusetzen, obwohl sicherlich nicht alles geklappt hat.
sv98.de: Clemens Riedel und Philipp Sonn haben uns im Trainingslager im Sommer erzählt, dass du für sie eine Art Vorbild bist, weil du in der vergangenen Saison erst nur kurzzeitig mittrainieren solltest, dir dann aber sogar einen Profivertrag verdient hast. Macht dich so etwas ein wenig stolz und hast du den beiden in der Vorbereitung gesagt, dass sie es auch packen können?
Sesay: Ich versuche immer wieder, den anderen Nachwuchsspielern Tipps zu geben. Beispielsweise traut man sich am Anfang kaum, mit den Physios oder den Mitspielern darüber zu sprechen, dass einem der Körper und die Muskeln wehtun. (lacht) Aber ich weiß inzwischen, dass es wichtig ist, so etwas anzusprechen und es dir niemand als Schwäche auslegt. Genauso traut man sich irgendwann, auf dem Platz ein paar Kommandos zu geben. Natürlich ist man als Jugendspieler eher ruhig, aber es ist trotzdem wichtig, den Mitspielern in bestimmten Situationen zu helfen. Ich habe viel dazugelernt, gerade auch durch die Tipps von Spielern wie Kempe oder Berko. Und diese Tipps gebe ich nun an die Jungs weiter, die erst vor kurzem aus der Jugend dazugekommen sind. Ich möchte meinen Teil dazu beitragen, dass sie sich weiterentwickeln können.
sv98.de: Warst du umgekehrt dann stolz auf Clemens und Philipp, die ja ebenfalls schon zum Einsatz gekommen sind? Clemens sogar schon über 90 Minuten…
Sesay: Es macht riesigen Spaß, diese Momente mit ihnen zu erleben. In Karlsruhe habe ich kurz innegehalten und gedacht: ‚Wahnsinn, das sind doch meine Mitspieler aus der U19!‘ Philipp ist plötzlich der jüngste Zweitliga-Spieler aller Zeiten, Clemens macht ein super Spiel in Karlsruhe, ich hatte Gänsehaut, als ich darüber nachgedacht habe.
sv98.de: Habt ihr euch nach dem KSC-Spiel dann auch gegenseitig kneifen müssen?
Sesay: Ich habe auf dem Platz nach hinten geguckt, da war Clemens Riedel und links von mir war Philipp Sonn. Das war einfach Wahnsinn. Natürlich ist die Gesamtsituation aktuell schwierig, aber für uns drei war dieser Tag schon unglaublich. Natürlich tragen wir auch in der U19 das Lilien-Trikot, aber das Logo der 2. Liga auf dem Ärmel zu sehen, das ist nochmal etwas anderes. Etwas ganz besonderes.