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25.09.2017 / Allgemein

Denkwürdiger Schlussakkord

Die rote Fünf auf der Anzeigetafel fungierte als letztes Signal. Als die digitale Ziffer aufleuchtete, da verwandelte sich der Sturm der Anfeuerung auf den Rängen in einen Orkan. Auf dem Platz ließ die angezeigte Nachspielzeit aus dem bereits großen Funken Hoffnung ein loderndes Feuer entstehen. Und den unbeugsamen Glauben daran, den Platz an diesem Tag nicht als Verlierer zu verlassen.

"Es schien für viele aussichtlos, aber es hat doch geklappt", fasste Terrence Boyd die verrückten Schlussminuten im Merck-Stadion zusammen und lieferte dann die simple Erklärung für das sensationelle Comeback seines Teams: "Weil der Glaube und der Wille da waren, dass wir es packen werden."
Boyd selbst war es gewesen, der knapp zwei Minuten nach seiner Einwechslung mit dem Anschlusstreffer den spektakulären Schlussakkord einleite. "Mit dem Tor von Terrence wussten wir, dass das Stadion komplett hinter uns steht und Dresden vielleicht ein wenig in Ehrfurcht erstarrt", beschrieb Aytac Sulu seine Gedanken, als der Kopfball des Mittelstürmers die Torlinie überquerte.
"Das war der Charme vom Bölle"
Der endgültige Startschuss für ein Finale furioso. "Das war der Charme vom Bölle", gab Boyd den Schlussminuten später schmunzelnd einen Namen. Auf seinem Platz saß niemand mehr, jede Flanke hätten die Lilienfans am liebsten in das Gästetor geschrien, und als Tobias Kempe in der 92. Minute das Leder tatsächlich in die Maschen wuchtete, wäre wohl auch ein Dezibelmessgerät an die eigene Grenze gestoßen.
Dabei wäre es allen Anwesenden sicherlich egal gewesen, auf welchem Wege das Ausgleichstor fällt. Wie Kempe den Ball aber als Direktabnahme per Vollspann unter die Latte setzte – das war in diesem Fall ein Schlusswort, das nicht schöner hätte geschrieben werden können.
"Da war auch Wut über den Spielverlauf dabei", gab Kempe später zu, angesichts der "Dominanz über 90 Minuten", die bis zu seinem Ausgleich im klaren Wiederspruch zum Ergebnis stand. "Der Ball kam, ich wollte ihn volle Kanne treffen und dann ist er eingeschlagen", ließ Kempe sein Tor noch einmal Revue passieren. Ein Tor, das wirkte, als wäre all die Energie, die in diesen Minuten am Böllenfalltor herrschte, in einem Schuss kanalisiert worden.
"Moral wie sonst kaum eine Mannschaft"
Als Ergebnis von Kempes Hammer stand ein Last-Minute-Punkt und damit das Mindeste, was sich die Lilien an diesem Sonntagnachmittag verdient hatten. Nach einem spielerisch absolut überzeugenden Auftritt und dem erneuten Beweis unerschütterlicher Charakterstärke, wie auch Sulu wusste: "Es war eine Darmstädter Mannschaft, die wieder Moral gezeigt hat, wie sonst kaum eine Mannschaft."
Natürlich mischte sich in die Freude über die eigenen Nehmerqualitäten auch ein wenig der Ärger darüber, dem Gast drei Tore im eigenen Wohnzimmer zugestanden zu haben. "Ich ärgere mich über die Menge an zugelassenen Standards, und darüber, wie wir sie teilweise verteidigt haben", nahm Torsten Frings Bezug auf die ersten beiden Gegentore und schlussfolgerte daraus: "Da müssen wir unser Tor gieriger verteidigen."
Weggehend von den gegnerischen Standards, zog der Cheftrainer der Lilien aber ein durchweg positives Fazit: "Insgesamt haben wir ein sehr gutes Spiel gemacht, über das wir uns freuen." Zumal das Unentschieden gegen Dresden auch den Abschluss einer unglaublich intensiven Englische Woche bildete, aus der die Lilien ungeschlagen hervorgehen. Wie auch aus bislang sieben der bestrittenen acht Saisonspiele: "Wir haben nur einmal verloren und 15 Punkte geholt – das ist top", zeigte sich dann auch Frings sehr zufrieden mit dem fast abgeschlossenem ersten Saisonviertel.

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