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12.12.2017 / Allgemein

„Der Anruf hat das Herz sofort wieder anspringen lassen“

„Die Trainerkabine ist um einiges größer geworden“, beantworte Dirk Schuster nicht ohne Schmunzeln die Nachfrage nach Veränderungen, die er bei seiner Rückkehr in den Funktionstrakt des Merck-Stadions am Böllenfalltor wahrgenommen hatte. Natürlich war die offizielle Vorstellung des 49-Jährigen als neuem Cheftrainer der Lilien auch ein Wiedersehen. Ein Großteil der anwesenden Medienvertreter hatte bereits unzählige Male den Worten Schusters in diesem Presseraum gelauscht, der Übungsleiter selbst ebenso häufig genau von dieser Position aus Rede und Antwort gestanden. Und doch stand das Wiedersehen am Beginn eines neuen Weges. „Wir werden bei null anfangen“ erklärte Präsident Rüdiger Fritsch, und Schuster selbst sprach von „einem gemeinsamen Neustart.“

Eingeleitet wurde dieser Neustart am Samstagabend. "Der Anruf des Präsidenten hat das Herz sofort wieder anspringen lassen und einen Gedankenprozess losgelöst", verriet Schuster, der sich durch die anschließenden Gespräche in dem Entschluss bestärkt sah, "die große Herausforderung mit meinem Trainerteam anzunehmen."
Nachfolgend gewährte Fritsch den Anwesenden einen Einblick in den Entscheidungsprozess, der schlussendlich mit der Verpflichtung von Dirk Schuster und seinem Team endete. "Wir haben uns mit verschiedenen möglichen Kandidaten auseinandergesetzt. Wir wollten keine Interimslösung fahren. Wir wollten die größtmögliche Chance auf den Umschwung und verbesserte Resultate. Da hat sich der Name Dirk Schuster herausgearbeitet."
"Gehen an die Aufgabe, als ob wir uns noch nie gesehen hätten"
Nicht verheimlichen wollte der Lilien-Präsident, dass die gemeinsame Vergangenheit in der reinen Personalfrage durchaus eine wichtige Rolle gespielt hatte: "Dirk Schuster kennt die Gegebenheiten. Das bedeutet, wenn überhaupt, eine minimale Eingewöhnungszeit. Und das bedeutet sofort volle Energie auf die Aufgabe, die wir zu bewältigen haben. Wir wissen, was wir bekommen. Er weiß, was er bekommt. Das ist im Profifußball eine seltene Ausgangsbasis."
Beim Blick auf die neue Herausforderung werden die genaue Kenntnis des jeweils anderen und die gemeinsamen Erfolge in der Vergangenheit aber keine Rolle spielen, wie Fritsch und Schuster unisono betonten. "Wir werden bei null anfangen und so arbeiten, als ob wir uns zum ersten Mal zur Zusammenarbeit zusammengefunden haben", erklärte Fritsch, bevor Schuster die Wortwahl des Präsidenten in leichter Abwandlung unterstrich: "Wir gehen an die Aufgabe, als ob wir uns noch nie gesehen hätten."
"Werden viele Gespräche führen. Mit den Spielern, Verantwortlichen und handelnden Personen"
Und tatsächlich trifft Schuster in vielen Bereichen trotz der langen Lilien-Vergangenheit auf Neuland. Insbesondere natürlich im Zusammenhang mit dem Spielerkader, in dem den gebürtigen Chemnitzer viele unbekannte Gesichter erwarten. "Wir werden viele Gespräche führen. Mit den Spielern, Verantwortlichen und handelnden Personen." Zum einen, um Team und Umfeld schnellstmöglich kennenzulernen, zum anderen aber auch, "um die guten Sachen, die Torsten Frings eingeführt hat, zu übernehmen und dann die eigenen Ideen zu verwirklichen und an Stellschrauben zu drehen", wie Schuster klar machte.
Mit Frings hatte Schuster am Vortag bereits telefoniert, und bei Eintritt in das Trainerbüro fand Schuster dort auch eine Botschaft seines Vorgängers an der Flip-Chart, die Frings‘ besonderen Charakter einmal mehr unterstrich: "Zusammengefasst stand dort alles Gute und viel Erfolg. Torsten Frings ist ein toller Mensch, der hier tolle Arbeit geleistet hat. Mit einem guten Auftritt in Fürth können wir auch seine Arbeit fortführen."
Zuvor hatte bereits Rüdiger Fritsch ausführlich erklärt, wie es zu der schweren Entscheidung um die Freistellung von Frings und Björn Müller gekommen war und in diesem Zuge klar gestellt, dass beide Parteien "mit großem Respekt die Trennung vollzogen haben". Verbunden mit einem weiteren Dank an Frings und seinen Co-Trainer Müller.
Durch neue Impulse "eine kleine Blockade lösen, die es gegeben haben könnte"
Das Trainerteam um Dirk Schuster steht nun vor der Aufgabe, der Mannschaft den "Glauben" an erfolgreichen Fußball zurückzugeben. Auf dem Weg dorthin möchte der frühere Auswahlspieler der DDR und BRD nicht "alles umkrempeln" oder die "Trickkiste weit aufmachen." Viel eher geht es Schuster darum, "durch neue Impulse eine kleine Blockade zu lösen, die es gegeben haben könnte. Wir versuchen, Ursachen herauszufinden und Lösungsansätze zu kreieren."
Bis zum Auswärtsspiel in Fürth bleibt dem neuen Trainerteam, in dem Dimo Wache (Torwarttrainer) und Kai Peter Schmitz (Athletiktrainer und Videoanalyst) weiterhin mitwirken, vergleichsweise wenig Zeit. Für Schuster ein Grund mehr, sofort zur Tat zu schreiten: "Wir legen jetzt das Hauptaugenmerk auf das Sportliche und tun alles dafür, dass die Mannschaft erfolgreich Fußball spielt."

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