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21.12.2017 / Allgemein

„Der beste und schönste Job in der Welt“

Hinter Jamie Maclaren liegt eine besondere Reise. Mit 15 Jahren wechselte der Australier nach England, um mit 19 in sein Heimatland zurückzukehren. Mit 24 startet der Angreifer nun einen neuen Anlauf in Europa. Im Hessischen Landesmuseum sprach die Nummer 9 der Lilien über seinen Weg ins Profigeschäft, das besondere Leben „Down Under“ und harte Arbeit.

Lilienkurier (LK): Jamie, Museumszeit für dich. Wie gefällt dir das Landesmuseum, im Speziellen auch der australische Teil?
Jamie Maclaren (Jamie): In Australien ist alles sehr modern, da gibt es solche historischen Gebäude kaum. Das gefällt mir hier in Darmstadt sehr gut, auch das Museum ist ein wunderschönes Bauwerk. Und hier auf Kängurus und Koalas zu treffen, weit weg von zu Hause, das ist natürlich auch schön (grinst).
LK: Stichwort Australien: In Deutschland assoziieren wir deine Heimat insbesondere mit Strand, Meer und exotischen Tieren. Was verbindest du sofort mit „Down Under“?
Jamie: Viele Leute sind dort sehr entspannt, die Menschen aufgeschlossen und freundlich und Australien ist unglaublich multikulturell. Da reicht schon ein Blick auf meine Familie. Mein Vater ist Schotte und meine Mutter stammt aus Malta. Die Leute kommen von überall her nach Australien, das ist das Wundervolle an diesem Land. Dort ist jeder willkommen, nicht umsonst gibt es so viele Touristen. Australien ist unheimlich weltoffen.
LK: Drehen wir es um. Was hast du über Deutschland gedacht, bevor du nach Darmstadt gekommen bist?
Jamie: Aus fußballerischer Sicht musste ich nicht lange überlegen (lacht). Die Leute sind so fußballverrückt, ich habe regelmäßig Bundesliga geguckt und bin jetzt im Land des Weltmeisters aktiv. Wer würde nicht gern hier spielen?
LK: Und abseits des Platzes?
Jamie: Dass die Leute von Montag bis Freitag hart arbeiten, glücklicherweise größtenteils sehr gutes Englisch sprechen und auf der falschen Seite Auto fahren (lacht).
LK: Viele deutsche Schüler machen sich nach dem Abitur auf den Weg nach Australien, um das Land zu erkunden und sich durch kleinere Jobs ihre Reise zu finanzieren. Das ganze wird „Work and Travel“ genannt. Eine Bezeichnung, die auch deinen Karriereweg gut beschreiben würde …?
Jamie: Absolut. Für mich und viele andere ist Fußballer der beste und schönste Job in der Welt, aber eben auch sehr harte Arbeit weit weg von der Familie. Von außen betrachtet leben wir ein glamouröses Leben, aber es ist nie leicht, Familie und Freunde hinter sich zu lassen. Trotzdem ist es natürlich der Job, den ich immer ausüben wollte und für den ich dankbar bin.
LK: Familie, Freundin und die Heimat hinter sich zu lassen fällt in jedem Alter schwer. Du bist diesen Schritt schon mit 15 Jahren gegangen …
Jamie: Das war sehr schwierig. Ich bin damals nach England zu den Blackburn Rovers gewechselt, auf einen anderen Kontinent, musste die Schule verlassen und auch mein Familie. Aber ich habe in den Jahren so viele Erfahrungen gemacht, bin schnell selbstständig gewesen und vom Kind zum Mann geworden.
LK: Du hast von Weltoffenheit gesprochen, vereinst selbst verschiedene Nationen. Hilft das auch bei solchen Erfahrungen weiter?
Jamie: Zumindest hat es geholfen, dass meine Familie den Fußball im Blut hat. Mein Vater hat mir da seine Mentalität vererbt, er war selbst Profi in Schottland und Australien. Und auch meine Mutter hat ein Faible für Fußball. In Australien ist es nicht einfach, sich als Kind in den Fußball zu verlieben. Dort haben andere Sportarten Priorität und die anderen fragen dich, warum stehst du auf Soccer? (lacht) Wer es schaffen will, von Beginn an beim Fußball zu bleiben, der muss eine gewisse Willensstärke mitbringen.
LK: Deine Willensstärke und Fähigkeiten haben dich früh nach England gebracht. Wie wurden die Blackburn Rovers auf einen jungen Australier aufmerksam?
Jamie: Wir haben ein Turnier mit der australischen Juniorennationalmannschaft in Frankreich absolviert. Ich habe ganz gut gespielt und wurde von Blackburn zum Probetraining eingeladen. Mit meinem schottischen Pass war es auch kein Problem, länger in Europa zu bleiben. Nach zwei Wochen haben sie mich dann unter Vertrag genommen. Ich habe also meine Familie angerufen und gesagt, „Hört zu, ich bleibe hier“.
LK: Du bist nicht mehr heimgeflogen?
Jamie: Nein, ich bin dort geblieben. Meine Klamotten und Sachen wurden mir geschickt. Das war schon eine besondere Erfahrung, nach der mich nicht mehr so viel schocken konnte (grinst). Damals war es auch schwieriger, den Kontakt mit der Heimat zu halten. Heute gibt es Whatsapp und Facetime, das macht natürlich vieles leichter. Und alle sind gespannt darauf, Deutschland kennenzulernen. Ich werde viel Besuch bekommen (lacht).
LK: Mit 19 Jahren hast du damals entschieden, nach Australien zurückzukehren. Warst du nicht geduldig genug für den Profifußball in England?
Jamie: Ich wollte einfach regelmäßig Männerfußball spielen. Blackburn hat damals zwei neue Stürmer geholt und ich merkte, dass ich in der Rangordnung recht weit hinten angesiedelt wurde. Und auch als ich zurück nach Australien gegangen bin, habe ich mich bewusst dafür entschieden, nicht in die Nähe meiner Familie in Melbourne zu wechseln sondern nach Perth, wo ich mich absolut auf den Fußball fokussieren konnte.
LK: Als du die Entscheidung getroffen hast, nach Australien zurückzukehren – hast du damals schon gewusst, dass du irgendwann wieder in Europa spielen möchtest?
Jamie: Diesen Gedanken hatte ich immer. Als ich in Australien gelandet bin, habe ich mir das Ziel gesetzt, nach zwei Jahren einen neuen Versuch in Europa zu starten. Das hat dann zwar nicht nach zwei Jahren funktioniert, auch, weil Brisbane alle Angebote abgelehnt hat, aber als mein Vertrag dort ausgelaufen ist, wurde ich mit dem Angebot aus Darmstadt für meine harte Arbeit belohnt.
LK: Mit dem Wechsel hat sich nicht nur der Verein geändert. Du spielst auf einem anderen Kontinent, es wird eine andere Sprache gesprochen, auch das Leben außerhalb des Platzes hat sich verändert. Warst du dir darüber absolut bewusst?
Jamie: Fußball ist immer auch eine Herausforderung. Mit der Unterschrift in Darmstadt habe ich auch einen neuen Lebensabschnitt unterschrieben. Einen neuen Lebensmittelpunkt, eine neue Kultur und natürlich auch eine andere Art des Fußballs. Aber es war eine einfache Entscheidung, weil ich in meinem Kopf schon so früh die Entscheidung getroffen hatte, eines Tages wieder in Europa zu spielen.
LK: Es gibt viele Spieler, die Australien verlassen und nach zwei Jahren zurückkehren …
Jamie: Es ist schwierig. Viele Spieler haben Probleme mit der Umstellung auf den europäischen Fußball und auch auf die Lebensweise. Am australischen „Easy Life“ ist nichts falsch, aber ich habe die Vision, hier etwas zu bewegen in einer wirklich guten Mannschaft. Ich habe für drei Jahre unterschrieben und in dieser Zeit habe ich viel vor. Ich verschwende überhauptkeinen Gedanken daran, irgendwann wieder nach Australien zurückzukehren.
LK: Bemerkst du schon eine fußballerische Entwicklung an dir?
Jamie: Ja, aber das muss auch so sein. Mit Mitspielern von dieser Qualität ist es ungemein wichtig, dass ich den nächsten Schritt mache. Mit der Zeit wird man automatisch selbstbewusster, lernt auch die Mitspieler und Laufwege besser kennen, das wird wöchentlich besser. Und ich hoffe, dass mein Debüt in Kaiserslautern das erste von vielen Spielen für Darmstadt gewesen ist.
LK: Dein Debüt ist ein gutes Stichwort. Wusstest du, dass du in einem für den australischen Fußball historischen Stadion aufläufst?
Jamie: Das wusste ich. Ich kannte das Stadion, bevor ich den Verein kannte. Natürlich habe ich 2006 das Achtelfinale gesehen, als Australien durch einen unberechtigten Elfmeter dort gegen Italien verloren hat. Dort mein Debüt für Darmstadt zu feiern, das war schon großartig.
LK: 2006 war das Australische Team gespickt mit Spielern aus der Premier League. Wie siehst du den Fußball in Australien 11 Jahre später?
Jamie: Wir qualifizieren uns regelmäßig für die Weltmeisterschaft und es ist extrem wichtig, dass wir auch die Qualifikation für 2018 erfolgreich beenden. Der australische Fußball wächst mit jedem Jahr und diesen Prozess wollen wir weiter vorantreiben. Es braucht weiterhin Zeit, aber es ist schön zu sehen, dass immer mehr Australier den Sprung nach Europa schaffen.
LK: Du hast vor der Saison am Confed-Cup teilgenommen. Eine besondere Erfahrung?
Jamie: Natürlich. Ich durfte gegen Chile spielen, das war eine tolle Sache. Leider habe ich keinen Einsatz gegen Deutschland bekommen, aber es ist immer die größte Ehre, sein gesamtes Land zu repräsentieren. Ein Gefühl, das nicht viele Menschen erleben.

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