FAQs zum verlegten Testspiel gegen San Antonio
Der SV 98 beantwortet die wichtigsten Fragen zum verschobenen Testspiel der Lilien beim Kooperationspartner San Antonio FC.
sv98.de: Akim, du bist jahrelanges Mitglied des A-Block. Nimm uns einmal mit in die Vergangenheit: Wie bist du damals zum A-Block gekommen?
Akim Rioseco: Im ersten Bundesliga-Jahr der Lilien war ich als Achtjähriger erstmals im Stadion – gegen den VfL Bochum war das. Danach war ich direkt angefixt. Über die Jahre hat sich das dann immer weiter intensiviert und entwickelt. Anfang der 1990er Jahre bin ich von der Gegengerade rüber in den F-Block auf die Haupttribüne gewechselt. Als dann die ersten Fanszenen aufkamen, die Dauergesänge einführten, sind wir 1994 mit einer Gruppe bestehend aus fünf bis sechs Leuten rüber in den A-Block marschiert. Der war damals noch menschenleer und verwaist. Die Oberliga hat es eben nicht hergegeben, dass sich viele Zuschauer die Spiele der Lilien anschauten. Damals war zudem freie Platzwahl. Niemanden hat es gestört, dass wir uns dort angesiedelt haben. Und nun sitzen und stehen wir dort seit fast 25 Jahren.
sv98.de: Und auch der A-Block wurde über die Jahre immer voller…
Akim Rioseco: Genau. Uns hatte in den 90er Jahren die Situation im F-Block nicht so gut gefallen. Zudem war man im A-Block näher an der gegnerischen Fanszene und konnte dieser den einen oder anderen Spruch drücken (lacht). Dann hat sich irgendwann eine Sitzkultur gebildet. Nach und nach kamen immer mehr Fans dazu. Der A-Block war plötzlich eine angesagte Nummer. Es fanden sich dort Leute zusammen, die ähnliche Sichtweisen hatten. Im Hinblick auf den Support heißt das: kein dauerhafter Support, sondern situativ – also eher der englische Stil. Auch mit dem sportlichen Erfolg des Vereins kamen natürlich immer mehr Zuschauer. Aber es ist schön zu sehen, dass es sowohl in der ersten Liga als auch in den unteren Ligen funktioniert hat.
sv98.de: Du verbindest mit dem A-Block fast 25 Jahre, hast also viel erlebt. Während des Spiels gegen den Hamburger SV wurde der Block feierlich verabschiedet. Du bist vor dem Spiel zum letzten Mal die Treppen zum Block hochgelaufen, hast das Spiel noch einmal aus dieser Perspektive verfolgt. Beschreib uns doch mal deine Gefühlslage in diesen Momenten.
Akim Rioseco: Die Verabschiedung war sehr schön. Es ist toll, dass es in Absprache mit dem Verein so kurzfristig geklappt hatte. Aber ich muss ehrlich sagen: So ganz habe ich noch nicht Abschied genommen. Wir haben schließlich noch etliche Heimspiele bis zum Sommer. Die Tribüne steht noch. Und ich will nicht ausschließen, dass ich am letzten Spieltag wieder auf der A-Block-Seite das Spiel verfolgen werden. Aus dem einfachen Grund, das letzte Spiel vor dem Abriss der Haupttribüne noch einmal auf dieser Seite mitzuerleben.
sv98.de: Im Sommer wird die alte Haupttribüne abgerissen. Spätestens dann wird doch Wehmut aufkommen, oder?
Akim Rioseco: Ich glaube, diese Wehmut kommt im Laufe der Rückrunde auf. Dann wird dir bewusst, dass du die ganze Zeit ein Teil der Haupttribüne warst. Und nun bist du derjenige, der sie sich von der Gegengerade aus anschaut. Aber bislang habe ich das Gefühl der Wehmut noch nicht gespürt. Schließlich ist die Tribüne noch da und wurde eben noch nicht abgerissen. Wenn das dann allerdings passieren wird, hast du jetzt zumindest schon einmal eine Vorstellung aufgrund der neuen Gegengerade wie die neue Haupttribüne in etwa ausschauen könnte. Trotzdem wird mir etwas fehlen. Wir brauchen ein neues Stadion, keine Frage. Aber vielen Fans, die schon seit Ewigkeiten hier ans Böllenfalltor kommen, hätte auch das alte genügt.
sv98.de: Dennoch ist die stetige Entwicklung des Vereins vor allem im Hinblick auf das Stadion und die neue Gegengerade enorm wichtig. Wie verfolgst Du den Stadionumbau?
Akim Rioseco: Ich finde die Lösung der Gegengerade gut. Anders als in vielen anderen Vereinen hat der SV 98 ein offenes Ohr für die Fans und deren Belange. Der Unterrang auf der neuen Gegengerade ist ein kompletter Stehplatzbereich, im oberen Bereich wird gesessen. Das ist ein Tribut an Menschen, die seit Jahrzehnten auf der alten Tribüne standen. Bei den Lilien ist es trotz der neuen Gegengerade immer noch so, dass man auf Höhe der Mittellinie stehen kann. Und das für kleines Geld. Natürlich hätte man auch alles mit Sitzplätzen zupfastern können, was vermutlich höhere Einnahmen bedeutet hätten. Aber das ist Darmstadt. Das Mitnehmen von Fanbelangen klappt bei den Lilien seit jeher sehr gut.
sv98.de: Du hast es bereits angesprochen. Der Verein hat die Fans in die Planungen der neuen Gegengerade mit eingebunden. Wie bewertest Du diesen Schritt?
Akim Rioseco: Ganz ehrlich: Ich finde es toll. Wir als stehende Gruppe wechseln auf die neue Tribüne. Dort ist im Oberrang bekanntlich der Sitzplatzbereich. In unserem neuen Bereich hat der Verein andere Sitze montiert – Sitze, die hochklappbar sind. Dafür hat der SV 98 sicherlich mehr Geld in die Hand genommen. Aber es unterstreicht die Nähe und die Intensität des Austausches sowie das Anerkennen und Ernstnehmen von Fanbelangen. Das ist sensationell. Viele von denen, die auf die Gegengerade ziehen, sind schon ganz lange dabei. Das ist auch eine Form der Wertschätzung, sie durch Vertreter der Gruppe miteinzubeziehen. So etwas findest du in nur ganz wenigen Vereinen im Profifußball – diese Kultur der Wertschätzung und des Zuhörens.
sv98.de: Nun wird die neue Gegengerade erst am Sonntag eingeweiht. Einen Blick auf die fertige Tribüne konntest du dennoch bereits werfen. Wie gefällt sie Dir denn?
Akim Rioseco: Ich war bereits kurz im Stehplatzbereich. Die Tribüne ist schon sehr steil. Und ich weiß von Leuten, die bereits Probegesessen haben: Der Blick ist richtig geil. Das Heranrücken ans Spielfeld bringt ein völlig neues Fußballerlebnis mit sich.
sv98.de: Mit dem Umzug auf die Gegengerade rückt der A-Block näher an die Südtribüne ran. Was macht das mit der Atmosphäre im Stadion?
Akim Rioseco: Zunächst einmal muss ich sagen, dass ich es bisher immer sehr belebend fand. Auf der einen Seite hattest du die Südtribüne, auf der anderen den A-Block sowie die Gegengerade. Dadurch wurden vor allem auch die leisen Ecken des Stadions immer wieder mit einbezogen. Wenn nun der ganze Support in eine Ecke gepackt wird, weiß ich nicht, inwieweit der Rest des Stadions mitgenommen werden kann. Das könnte vielleicht ein Problem werden.
sv98.de: Warum?
Akim Rioseco: Es treffen zwei Supportideen aufeinander. Auf der einen Seite gibt es die Dauergesänge der Südtribüne, die definitiv sehr wichtig sind. Auf der anderen gibt es den situativen Support des A-Blocks, in welchem auch die Generation eine andere ist. Ich bin bislang noch ein Zweifler, ob es für den Support positiv sein wird. Aber das wird sich schon einpendeln. Ich freue mich auf jeden Fall auf eine spannende und interessante Zeit. Wichtig wird sein, dass wir alle dazu beitragen, dass der Verein in der Liga nicht unten reinrutscht.
sv98.de: Dann lass uns zum Abschluss noch einmal sportlich werden. Wie geht das Spiel am Sonntag aus?
Akim Rioseco: Ich hoffe, dass die Mannschaft den Push der neuen Tribüne mitnehmen wird. Osnabrück muss man echt ernst nehmen. Aber wir spielen zuhause, sind bis auf eine Partie am Böllenfalltor ungeschlagen. Von daher gewinnen wir das Spiel knapp mit 2:1 – gerne dreckig, aber mit viel Spannung.