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31.10.2024 / Profis

Der Pokalfight in der Analyse

Der SV Darmstadt 98 steht im Achtelfinale des DFB-Pokals. Auf spektakuläre Art und Weise und nach Verlängerung siegten die Lilien mit 3:2 bei der SG Dynamo Dresden. Zwei Mal hatten die Gastgeber die passende Antwort auf Treffer der Lilien, erst das Tor von Isac Lidberg sicherte den Südhessen das Weiterkommen. In unserer Analyse schauen wir noch einmal genauer auf einige Aspekte dieses leidenschaftlichen Pokalfights zurück.

Szene des Spiels:

Es fällt nicht leicht, nach diesem spektakulären Pokalabend eine einzelne Szene hervorzuheben. Doch der Treffer von Isac Lidberg zum 3:2 in der 98. Spielminute zeigte eindrucksvoll, welche Moral und Mentalität die Lilien im Hexenkessel „Rudolf-Harbig-Stadion“ an den Tag bzw. den Abend legten. Zwei Mal hatten die Südhessen in der regulären Spielzeit geführt, beide Mal hatten die Gastgeber den Rückstand egalisiert. Das 2:2, welches für die anschließende Verlängerung sorgte, fiel dabei in der 101. Minute, und damit mehr als zwei Minuten nach Ende der ohnehin schon üppigen Nachspielzeit von acht Minuten. Doch der SV 98 hatte in Person von Lidberg die richtige Antwort auf diesen Nackenschlag parat, wie auch Torhüter Marcel Schuhen hervorhob: „Nach dem 2:2 ist die Kurve hinter mir komplett explodiert. Und dann ging es darum, wie wir weitergespielt haben. Und das war wirklich gut. Wir machen das dritte Tor und haben dann auch relativ wenig zugelassen.“

Der Treffer selbst stand dabei symbolisch für die Attribute, die den Darmstädtern den Weg in die nächste Runde ebneten. Guille Bueno setzte mit Willensstärke und Überzeugung zu einem Lauf in die gegnerische Hälfte an und blieb trotz des energischen Körpereinsatzes seines Gegenspielers stabil auf den Beinen, um im Anschluss den mitgelaufenen Philipp Förster zu bedienen, der in den Strafraum eindrang und somit den Treffer von Lidberg ermöglichte. „Unser Tor in der Verlängerung war schon ein kleiner Stimmungskiller“, erklärte Schuhen mit Blick auf die schlussendlich entscheidende Aktion, die den enormen Geräuschpegel im Stadionrund zumindest um ein paar Dezibel verringerte.

Das lief gut:

Pokalfight angenommen: „Es ist nicht leicht, in diesem Hexenkessel zu bestehen. Aber wir sind sehr froh darüber, dass es uns gelungen ist“, bilanzierte Andreas Müller nach Spielende in der Mixed-Zone. Denn die Lilien mussten an diesem Abend nicht nur die elf Dresdner Akteure auf dem Platz niederringen, sie traten auch gegen das lautstarke Publikum der Gastgeber an, welches durch das Abbrennen von zahlreichen Pyro-Fackeln auch immer wieder Einfluss auf die Sichtverhältnisse auf dem Spielfeld nahm. Natürlich kann man nicht davon sprechen, dass der SV 98 die hohe Hürde Dynamo Dresden trotz dieser besonderen Einflüsse mit totaler Souveränität nahm, allein der turbulente Spielverlauf spricht eine andere Sprache. Diese Erwartung wäre vermutlich auch vermessen gewesen. Doch die Südhessen nahmen von Beginn an diesen Pokalfight auf schwerem Untergrund an, gewannen die Mehrzahl der Zweikämpfe und ließen sich zu keinem Zeitpunkt den berühmten Schneid abkaufen. Die Mentalität, die in solchen Pokalspielen schon unzählige Male über die vermeintlich höhere Qualität gesiegt hat, war an diesem Abend bei beiden Teams in extrem hohen Maße vorhanden. Ohne diese Einstellung wären die Lilien in dieser Atmosphäre wohl gescheitert.

„Emotional kann man sich nicht mehr wünschen von so einem Mittwochabend in Dresden. Bei diesen Rahmenbedingungen, dem Gegentor in der langen Nachspielzeit. Emotional – so wie es für uns geendet ist – ein geiler Abend.“

Florian Kohfeldt

Die Defensivarbeit: „In Summe haben wir trotz der beiden Gegentore besser verteidigt. Da sehe ich in den vergangenen Wochen eine Entwicklung“, resümierte Kohfeldt nach den 120 Minuten. Beim 3:2 agierte die Defensivreihe selbstredend nicht fehlerfrei, doch über den Großteil des Pokalabends zeigte sich der südhessische Defensivverbund stabil. Aleksandar Vukotic war der sinnbildliche Turm in der Schlacht und köpfte unzählige Hereingaben aus der eigenen Box, hervorzuheben war auch die Defensivbewegung aller Offensivspieler, die teilweise bis in den eigenen Strafraum zurückeilten, um ihren Teil zur Abwehrarbeit beizutragen. Wer die Spiele gegen Köln, Ulm und nun auch in Dresden mit den teils wilden Spielen in Karlsruhe, auf Schalke oder gar zu Beginn der Saison vergleicht, der erkennt hier einen klaren Fortschritt. Insbesondere in der zweiten Hälfte der Verlängerung trotzten die Lilien den steten Dynamo-Angriffsversuchen und erarbeiteten sich auch so das Weiterkommen. 

Das lief nicht gut:

Die Chancenverwertung: Der halbstündige Nachschlag von Dresden? Er wäre aus Lilien-Sicht alles andere als notwendig gewesen. Zwar dauerte es eine gewisse Zeit, bis der SV 98 zu richtig guten Tormöglichkeiten kam, im Verlauf der zweiten Hälfte ergaben sich diese dann aber zuhauf. Entsprechend erklärte auch Kohfeldt: „In der ersten Halbzeit waren wir nicht gut. Da haben wir Fußball gespielt, um Fußball zu spielen. Und nicht, um Tore erzielen. Da müssen wir zielstrebig sein. Nach der Pause waren wir deutlich besser. Da reden wir dann über die Chancenverwertung.“

Vukotic, Corredor, Lidberg und Hornby. Sie alle hätte nach dem Führungstreffer nachlegen und damit wohl den Deckel auf dieses Spiel setzen können. „Wir hätten den Sack früher zumachen müssen“, so Schuhen, während Müller von einem „geilen Abend“ sprach, „der allerdings auch etwas kürzer hätte sein dürfen.“ Durch den erfolgreichen Ausgang der Partie ist der Mangel an Zielwasser an diesem Abend für die Lilien zu verschmerzen, dennoch wird der Tagesordnungspunkt „Chancenverwertung“ sicherlich einen Platz auf der Agenda des Trainerteams finden. Festzuhalten bleibt aber auch: Eine derart hohe Anzahl an guten Möglichkeiten zu kreieren, ist grundsätzlich erst einmal ein positiver Aspekt.  

Zitat des Tages

Dieser Sieg gibt uns weiter Stabilität. Wenn man unsere letzten Spiele sieht, sieht man klar eine positive Tendenz. Am Samstag gehen wir direkt die nächste Aufgabe an.“

Andreas Müller

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