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21.07.2019 / Allgemein

„Der Wunsch nach Selbstverständlichkeit“

Auch im Jahr 2019 haben Frauen im Fußball und speziell in der Fanszene teilweise weiterhin einen schwierigen Stand. Das Netzwerk Football Supporters Europe (FSE) möchte deshalb mit ihrer Ausstellung "Fan.Tastic Females" den Fokus auf die weiblichen Akteure im männerdominierten Fußballgeschäft richten.

Die Ausstellung, die sowohl national also auch international tourt, ist vom 16. Juli bis 26. Juli im Justus-Liebig-Haus in Darmstadt zu Gast. Sowohl die Fan- und Förderabteilung als auch verschiedene Fanprojekte der Lilien hatten sich in den letzten Monaten stark darum bemüht, die Veranstaltung nach Darmstadt zu holen.
"Darmstadt steht für Toleranz und Offenheit"
"Ich habe im September die Möglichkeit gehabt, bei der Ausstellungspremiere in Hamburg dabei zu sein. Ich hatte dort gleich das Gefühl, dass das Projekt gut zu Darmstadt passt, weil Darmstadt auch für bestimmte Werte wie Toleranz und Offenheit steht", sagte Markus Sotirianos (Abteilungsleiter FuFa), der zusammen mit Jana Spengler (Fanprojekt Darmstadt) die Ausstellung eröffnete.
Neben Lilien Vize-Präsident Markus Pfitzner und Präsidiumsmitglied Anne Baumann und Manuela Schon vom Frauenbüro der Stadt Darmstadt war mit Antje Hagel ein Mitglied der Fan.Tastic Females Project Crew anwesend. "Es geht darum, als Verein unterstütztet für ein gutes, offenes und positives Miteinander zu sorgen", erklärte Pfitzner bei seiner Rede. Als SV Darmstadt 98 sei man laut Pfitzner nicht nur eine Fangemeinde, sondern auch eine Wertegemeinschaft, die sich gemeinsam gegen jegliche Form der Diskriminierung einsetzt. Generell sei man bei den Lilien auf einem guten Weg, jedoch lange noch nicht am Ende. "Was dahinter steht, ist der Wunsch nach Selbstverständlichkeit", erklärte Pfitzner weiter.
Zahl weiblicher Stadionbesucher wächst kontinuierlich 
Auch die Stadt unterstützte das Vorhaben, die Ausstellung nach Darmstadt zu holen. Manuela Schon vom Frauenbüro Darmstadt erinnerte sich bei ihrer Rede an ihre eignen Anfänge im Fußball und wies nochmal auf die Entwicklung der Frauen hin: "Fußball ist im Jahr 2019 der beliebteste Teamsport unter Mädchen und Frauen. Ich erinnere mich im Gegensatz dazu, wie exotisch es war, als ich selbst 1982 mit gerade einmal drei Jahren anfing im Verein Fußball zu spielen. Und nicht weniger exotisch war es als ich Mitte der 1990er Jahre bei meinem Heimatverein Eintracht Trier jedes Wochenende in der Fankurve die Mannschaft anfeuerte. Knapp zwanzig Jahre, zwei Weltmeistertitel und acht Europameistertitel der deutschen Nationalmannschaft der Frauen später, ist immerhin jedes sechste DFB-Mitglied weiblich und auch die Zahl der weiblichen Stadionbesucher wächst kontinuierlich."
Auch Antje Hagel schloss sich ihren Vorrednern an und erzählte über das Projekt "Fan.Tastic Females" und wie sie selbst Interviews mit verschiedensten Frauen geführt hatte, dessen Portraits ebenfalls Teil der Ausstellung sind. Hagel beschrieb, wie schwer es den Frauen gefallen sei, über die eigenen Erfahrungen, über eigenen Schwächen und Stärken, über die positiven und negativen Erlebnisse zu sprechen. "Seit der Fußball nach Deutschland kam, spielte Frauen Fußball und wurden kompetente Zuschauer. Seit der Fußball nach Deutschland kam gibt es aber auch den Versuch, den Fußball männerbündig zu fassen und ihn mit heteronormativer Vorstellung von Männlichkeiten zu überziehen", erklärte Hagel.
Weibliche Fans würden demnach nur als Begleiterinnen, Spielfrauen, Fußballmütter oder Groupies gesehen werden, jedoch nicht als Fans. Frauen, die sich aktiv in Fanszenen, in Vereinen und Verbänden engagieren, sollen deshalb in dieser Ausstellung ins Rampenlicht gerückt werden. Auf verschiedenen Bannern sind im Foyer des Justus-Liebig-Hauses kleine Kurzbiographien von Frauen aus unterschiedlichsten Ländern abgebildet. Über einen QR-Code können Videos aufgerufen werden – hierbei kann sich der Besucher dank der mehr als acht Stunden Videomaterial umfassend informieren.
Nach den Grußworten von Markus Pfitzner, Manuela Schon und Antje Hagel stellte die FuFa Darmstadt im Rahmen der Ausstellung ihre neue Anlaufstelle "Lily" vor. "An vielen Standorten werden momentan Konzepte entwickelt, wie man im Stadion ein Bewusstsein dafür schafft, dass Frauen eine Anlaufstelle haben. Wir haben dabei auch überlegt, wie wir das in Darmstadt schaffen können", leite Markus Sotirianos ein. Die Anlaufstelle mit dem Namen "Lily" bietet dabei Hilfe bei sexistischen Vorkommnissen an und möchte somit zur Prävention betragen. "Antisexistische Arbeit ist umso wirkungsvoller, wenn sie bereits einsetzt, wenn das Kind noch nicht sprichwörtlich in den Brunnen gefallen ist", lobte Antje Hagel die Gründung der neuen Anlaufstelle. "Lily" ist hierbei eine Anlaufstelle für die alle Fans, die sich für das Thema interessieren oder ein Anliegen haben.
Weitere Informationen:
https://www.fufa-sv98.de/lily-beitrag/
https://www.fufa-sv98.de/fan-tastic-females/

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