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13.02.2025 / Profis

„Die absolute Bereitschaft, an die Grenzen zu gehen“

Wie bewertet Florian Kohfeldt die aktuelle Situation des SV Darmstadt 98? Wie blickt er auf sein erstes halbes Jahr als Lilien-Cheftrainer zurück? Und was sind seine Einschätzungen vor dem Duell am Samstagmittag (15.2./13 Uhr) mit Eintracht Braunschweig. Die Antworten lieferte Kohfeldt auf der Pressekonferenz am Donnerstag (13.2.). Wir haben die wichtigsten Aussagen für Euch zusammengefasst.

Foto: SV 98

Personalupdate: Fabian Holland, Matthias Bader, Paul Will, Christoph Zimmermann, Kai Klefisch, Sergio Lopez und Fraser Hornby fallen aus. Hinzukommen Oscar Vilhelmsson (Knieprobleme) und Philipp Förster (erkrankt). Fabian Nürnberger fehlt rotgesperrt. Hinter einem Einsatz von Matej Maglica steht noch ein Fragezeichen.

… zur personellen Situation:

Ich weiß nicht genau, wie viele Männer am Freitag im Bus sitzen werden. Aber alle, die dabei sein werden, können sich sicher sein, dass vorne rechts im Bus ein Trainer sitzt, der froh ist, dass er mit genau den Jungs nach Braunschweig fährt. Und zwar mit dem einen Ziel, in Braunschweig zu gewinnen.

... über den Gegner:

Braunschweig ist in einer guten Phase und sehr gut aus der Winterpause gekommen. Sie haben gegen schwere Gegner insgesamt fünf Punkte im neuen Jahr geholt. Die Eintracht hat auf dem Winter-Transfermarkt sehr viel gemacht. Und alle Neuen standen gegen Karlsruhe in der Startelf. Vor allem wenn sie in Führung gehen, sind sie sehr unangenehm mit ihrer starken Innenverteidigung in der Dreierkette. Sie werden dann sehr gefährlich über Umschaltaktionen, weil sie sehr viel Geschwindigkeit haben. Qualitativ haben sie einen starken und erfahrenen Kader. Auch wenn sie in der Regel über Standards und Umschaltmomente gefährlich werden, haben sie dennoch einen sehr aktiven Ansatz. Braunschweig ist insgesamt ein unangenehmer Gegner.

… über die aktuelle Phase:

Wir sind in einer ergebnistechnisch schweren und negativen Phase. Wir haben aber ein paar Pfunde in der Hand, um diese Phase mit all ihren Widrigkeiten zu bewältigen. Das ist vor allem unsere offensive wie defensive Struktur auf dem Platz. Diese führt zwar noch nicht immer dazu, dass wir die richtigen Entscheidungen im richtigen Moment treffen. Trotzdem sind wir in jedem Spiel gut organisiert und strukturiert. Das hört man auch in jeder gegnerischen Pressekonferenz von meinen Trainerkollegen. Wir haben eine klare und gemeinsame Idee von dem, was wir wollen. Ein weiterer Faktor ist unser sehr guter Teamgeist und unser sehr großer Wille, das gemeinsam hinzubekommen.

… über seinen Eindruck vor dem Braunschweig-Spiel:

Ich nehme uns insgesamt als sehr geschlossen wahr, in der sportlichen Führung sind wir besonnen und sehr wachsam. Wir wissen um unsere Situation und deren Rahmenbedingungen. Wir haben 25 Punkte, gehen also nicht in ein Endspiel gegen Eintracht Braunschweig. Wir schauen lösungsorientiert in die Zukunft. Dass wir dennoch Punkte und Ergebnisse brauchen, steht außer Frage. Trotz der ganzen Ausfälle haben wir die individuelle Qualität, die es uns erlaubt, unsere Stärken auf den Platz zu bringen, mit denen wir schwer zu verteidigen sind. Wir haben als Mannschaft einen Willen entwickelt, dank dem wir die absolute Bereitschaft haben, an die Grenzen zu gehen. Das sind gute Voraussetzungen, um Spiele zu gewinnen. Ob es dazu kommt, wird sich in kleinen Momenten entscheiden. Und wir müssen ganz viel dafür tun, damit diese kleinen Momente überhaupt kommen.

… über das Innenleben der Mannschaft:

Jeder hat den Ansatz, für sich Lösungen zu finden. Die Aufgabe ist es, das zu synchronisieren, damit jeder die gleichen Lösungen finden will. Ich finde, dass wir das unter der Woche gut hinbekommen haben. In Stress-Situationen – gerade, wenn das Ergebnis negativ steht – will jeder mit einem absolut guten Willen versuchen, es zu erzwingen. Ganz grundsätzlich gibt es 0,0 Tendenzen, dass irgendjemand ausschert. Ich habe noch nie eine so eine so harmonische – vielleicht sogar manchmal zu harmonische – Kabine erlebt, die so sehr zusammenhält. In den kleinen Momenten fehlt uns aber das allerletzte Gefühl, was der andere gerade macht. Das liegt sicherlich auch an den verschiedenen Zusammensetzungen der Mannschaft in den letzten Wochen. Natürlich verändern sich die Automatismen in den Kombinationen auf verschiedenen Positionen, wenn man noch nicht so häufig zusammengespielt hat. Wir hatten aber eine Trainingswoche, in der wir viel am Zusammenspiel gearbeitet haben.

… über sein erstes halbes Jahr als Lilien-Cheftrainer:

Als wir vor einem knappen halben Jahr vor dem Heimspiel gegen Braunschweig hier gesessen haben, war unsere Zielsetzung fürs Umfeld fast schon zu optimistisch. Wir haben gesagt, dass wir uns stabilisieren und eine stabile Saison spielen wollen. Die Stimmung aber ging eher in die Richtung: „Boah, seht erstmal zu, dass ihr irgendwie in der Liga bleibt.“ Dramatisch hat sich dann die Erwartungshaltung an uns entwickelt, die wir aufgrund unserer Ergebnisse selbst gerne geschürt haben. Im November und Dezember hat keine Mannschaft gerne gegen uns gespielt. Wir sind als Mannschaft so aufgetreten, dass man uns offensiv kaum greifen konnte. Wir haben auch gegen den Ball eine ganz hohe Aggressivität an den Tag gelegt. Dadurch sind die Erwartungen an unser Spiel und unsere Ergebnisse sehr hoch geworden. Das darf uns aber nicht den Blick vernebeln, wo wir herkommen und was unser Gesamtziel ist. Die aktuelle Phase jetzt hält viele Herausforderungen für uns bereit. Es ist aber auch eine Phase, die sehr lehrreich ist. Wenn wir solche Erlebnisse wie in der Hinrunde liefern wollen, müssen wir in allen Bereichen nah an einhundert Prozent kommen. Wir werden diese Phase bewältigen, weil wir handeln und dagegen angehen. Vielleicht ist es auch eine Phase, die für die Gesamtentwicklung eine ganz wichtige sein wird – für die Mannschaft, das Trainerteam und das Umfeld. Ich freue mich sehr, hier zu sitzen und das alles begleiten zu dürfen.

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