FAQs zum verlegten Testspiel gegen San Antonio
Der SV 98 beantwortet die wichtigsten Fragen zum verschobenen Testspiel der Lilien beim Kooperationspartner San Antonio FC.
Es waren nahezu flehende Blicke, die Dimitrios Grammozis dem vierten Offiziellen Daniel Riehl zuwarf und dabei immer wieder auf eine imaginäre Armbanduhr deutete. Die drei Minuten Nachspielzeit waren bereits verstrichen und der Lilien-Cheftrainer erhoffte sich in diesem Augenblick nichts mehr, als den langgezogenen Pfiff, der die Begegnung beenden würde. Wenige Sekunden später erfüllte ihm Schiedsrichter Tobias Reichel diesen Wunsch und löste damit eine Lawine aus. Eine Lawine der Erleichterung. Marcel Schuhen sank erschöpft zu Boden und blieb für einen langen Moment bewegungslos liegen, Immanuel Höhn verdonnerte Fabian Holland und Marvin Mehlem kurzerhand zur Gruppenumarmung und auch Patrick Herrmann und Tobias Kempe lagen sich in den Armen. Emotionen, die ganz deutlich machten, was die drei Punkte bedeuteten. Und mit welcher Sehnsucht die Arznei des Erfolges herbeigesehnt worden war.
Akute Sieglosigkeit. So lautete die Diagnose angesichts der Darmstädter Ergebnisse in der jüngeren Vergangenheit. Die verschriebene Medizin: Drei Zähler, egal auf welche Weise. Doch obwohl der südhessische Patient bereits an den vergangenen Spieltagen alles tat, um die Seuche loszuwerden, wollte sich keine vollständige Genesung einstellen. „Natürlich gab es die Frage: Warum gewinnt die Mannschaft nicht?“, verriet Serdar Dursun daher nach Abpfiff und ergänzte: „Nach ein paar Wochen beginnt man dann auch, darüber nachzudenken. Aber jetzt können wir die Glückshormone endlich rauslassen.“
Und die Anzeichen der Gesundung ließen sich nicht nur anhand der ausgeschütteten Botenstoffe beziffern, es waren vielzählige positive Gefühle, die dieser Erfolg am Millerntor bei den Darmstädtern hervorrief. „Es war zu spüren, dass bei der ganzen Mannschaft eine Last abgefallen ist“, erklärte beispielsweise Immanuel Höhn, während Marcel Schuhen von einem „Stein“ sprach, „der allen vom Herzen gefallen“ sei.
Zumal der Erfolg das Ergebnis einer geschlossenen Mannschaftsleistung war. Die Packungsbeilage des Auswärtscoups wies eine große defensive Kompaktheit, gepaart mit Zweikampfstärke, Willenskraft und der nötigen Gier im entscheidenden Moment aus. „Die vergangenen Wochen waren ein wenig hart für uns, aber wie haben nie den Glauben verloren. Und heute hatten wir dann auch das nötige Glück“, bilanzierte Victor Palsson, der mit seinem Treffer in der 80. Minute für das Beiseitelegen der Krankenakte sorgte.
Ein gutes Pflaster
Insbesondere, da der Sieg bei einer der formstärksten Mannschaften der Liga zustande gekommen war. „Pauli ist kein einfaches Pflaster, das weiß die ganze Liga“, verdeutlichte Immanuel Höhn angesichts des Kontrahenten, der zuvor in sechs Spielen ungeschlagenen geblieben war und am Millerntor unter anderem den HSV besiegt hatte. Kein einfaches Pflaster – für die Lilien bleibt Hamburg aber weiterhin ein sehr gutes. Drei der vergangenen vier Partien auf dem Kiez gewann der SV 98 und holte zudem 10 Punkte aus den zurückliegenden vier Begegnungen beim Hamburger SV. Und in diesem Fall war St. Pauli zudem ein Pflaster, das eine größere Wunde schloss. Den Spalt, der sich angesichts von sieben sieglosen Spielen aufgetan hatte und dessen Behandlung immer dringlicher geworden war.
„Es ist heute ein Tag, an dem wir mit einem Lachen nach Darmstadt fahren können“, resümierte daher auch Cheftrainer Grammozis, der aber auch weiß, dass nach längerer Krankheit nicht sofort alle Symptome vollständig verschwunden sein können. Auf sein Team bezogen sah der 41-Jährige daher weiterhin Verbesserungspotenzial in verschiedenen Bereichen, insbesondere beim „Ausspielen der Kontersituationen.“
„Wir wollen nachlegen“
Nun gilt es für den SV 98, den nächsten Schritt zu gehen. Denn auch ein Heimsieg steht schon länger auf der Wunschliste aller, die es mit den Lilien halten. Die nächste Möglichkeit bietet sich bereits am Freitag, wenn mit Erzgebirge Aue erneut eine formstarke Mannschaft am Böllenfalltor gastiert. „Wir werden sehen, ob sich der Knoten gelöst hat“, erklärte Höhn angesichts der anstehenden Partie, bevor er anfügte: „Und wir werden sehen, ob wir nachlegen können. Das wollen wir natürlich.“
Zum einen, um das eigene Punktekonto weiterhin anwachsen zu lassen, zum anderen, um die wiedergewonnene Gesundheit nicht direkt wieder zu gefährden.