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09.03.2012 / Allgemein

Die Freitagskolumne

Wie an jedem Freitag wird im Vorfeld des bevorstehendem Wochenend-Punktspiels ein Spieler, Trainer, Funktionär, Journalist oder eine ehemalige Lilie zu Wort kommen. Dabei liegt der Fokus natürlich auf dem des SV 98 und seinem jeweiligen Gegner.

Heute: Carsten Gockel
Carsten Gockel (*26.4.1973) obliegt als Sportvorstand und Geschäftsführer des SC Preußen Münster das Tagesgeschäft des westfälischen Traditionsvereins zu führen. Gockel, der den Verein wie kein anderer aus dem Effeff kennt, bekleidet das Amt des sportlichen Leiters seit dem 1.7.2006 und feierte mit dem SCP  in der Saison 2010/11 den Aufstieg in die 3. Liga. Insgesamt absolvierte Carsten Gockel als Spieler für den SC Preußen Münster (1996-2000, 2003-06), die Sportfreunde Siegen (2000/01) und den SC Verl (2001-03) 298 Regionalligaspiele und erzielte als Mittelstürmer dabei 49 Treffer.
SV 98: Hallo Carsten Gockel, ich hoffe, ich störe Sie momentan nicht? Woran arbeiten Sie gerade?
CG: Nein, Sie stören nicht. Ich bin gerade dabei das übliche Tagesgeschäft abzuarbeiten. Dazu gehören natürlich auch schon die Planungen für die kommende Spielzeit. Für die fünf Minuten für das Interview mit dem SV Darmstadt 98 nehme ich mir aber gerne Zeit.
SV 98: Das klingt dennoch nach Arbeitsaufwand. Hat sich dieser denn für den SC Preußen bislang gelohnt?
CG: Wer erfolgreich sein will, der muss hart arbeiten. Das gilt sowohl für die Mannschaft, als auch für alle anderen im Verein. Wir sind gut in der Drittklassigkeit angekommen. Spielen – als Aufsteiger -vor durchschnittlich 7.000 Zuschauern pro Heimspiel!
SV 98: Keiner kennt den SC Preußen Münster so gut wie Sie. Sie spielten als Aktiver für die Preußen, fungierten gar als Trainer des SCP und sind nunmehr seit 5,5 Jahren  Sportvorstand und Geschäftsführer des Vereins. Inwieweit kommt Ihnen Ihre Vergangenheit als "Mr. Preußen" im Verein heute zugute?
CG: Ich bin sicher nicht "Mr. Preußen"! Der Vorteil meiner Vergangenheit hier im Verein ist sicher das erlernte und erlebte Wissen rund den SC Preußen. Ich lebe mittlerweile seit 20 Jahren in dieser wunderschönen Stadt und habe in meinen nunmehr 12,5 Jahren, in denen ich für den SC Preußen Münster aktiv sein durfte und darf, alle Perspektiven kennen gelernt: Die des Spielers, die des Trainers und nun als Verantwortlicher im Vereinsvorstand. Ich habe gelernt verschiedene Perspektiven abzuwägen, Dinge aus verschiedenen Blickwinkeln beurteilen zu können.
SV 98: Zu Saisonbeginn starte der SCP fulminant, stand zwischenzeitlich gar auf dem Relegationsplatz zur 2. Bundesliga. Veranlasste der damalige dritte Tabellenplatz zum Träumen vom Durchmarsch?
CG: Nein. Als Aufsteiger wurden wir ohnehin von einer Welle der Euphorie getragen. Träumereien sind zwar schön, dennoch dürfen diese nicht den Realitätssinn überblenden. Unser Ziel ist es immer gewesen die Klasse möglichst frühzeitig zu sichern und uns perspektivisch weiterzuentwickeln. Daher lautet unsere Vorstellung sich zunächst in der 3. Liga zu etablieren. Wenn uns das gelungen ist, können wir über weitere, höhere Ziele reden.
SV 98: Wenn man den Blick auf die Tabelle wirft und Ihren Worten folgt, dann kann also jeder jeden schlagen. Wie beurteilen Sie die Rolle des SV Darmstadt 98 in der laufenden Saison, gibt es gar Parallelen zwischen den Preußen und den "Lilien"?
CG: Darmstadt und Münster weisen eine Reihe von Parallelen auf: Fußballtradition, ein altehrwürdiges Stadion und eine treue Anhängerschaft. Zudem waren beide Vereine fast zwei Jahrzehnte von der nationalen Fußballlandkarte verschwunden, so dass die Fans nach der langen Abstinenz nun hungrig auf höherklassigen Fußball sind. Dieses Gesamtpaket macht sich für einen Aufsteiger über den Saisonverlauf bezahlt. Dem SV 98 ist es daher stets gelungen ein komfortables Punktepolster zwischen sich und die Abstiegsplätze zu legen. Nicht zuletzt behauptet sich Darmstadt in der Rhein-Main-Region gegen starke Konkurrenz, die der geographischen Gegebenheit geschuldet ist. Ich denke an Wehen Wiesbaden und Offenbach, von höherklassigen Vereinen ganz zu schweigen. Auch Münster hat mit Bielefeld und Osnabrück starke Konkurrenz unmittelbar vor der Haustür.
SV 98: Gibt es etwas, worauf Sie aus Münster neidisch auf Darmstadt schauen?
CG: "Neidisch" wäre der falsche Ausdruck; "Anerkennung" würde besser passen. Nach den letzten turbulenten Jahren am Böllenfalltor mit der drohenden Insolvenz wurde viel Positives rund um den SV 98 geleistet. Letztendlich stand dann als Belohnung der Aufstieg aus der Regionalliga in die 3. Liga. Das verdient Respekt! Sowohl Münster als auch Darmstadt haben in der letzten Dekade eine ähnliche Vergangenheit nachzuweisen.
SV 98: Dementsprechend vermute ich, dass das Spiel zwischen Ihren "Adlern" und den "Lilien" ein Duell auf Augenhöhe werden wird. Warum sollten die Zuschauer am Samstag die Partie live im Stadion verfolgen?
CG: Weil sie sicher ein leidenschaftliches Spiel geboten bekommen. Beide Mannschaften benötigen den Dreier, um sich weiterhin von den Abstiegsplätzen fern zu halten. Zudem sind beide Teams Tabellennachbarn, so dass ein spannendes Spiel garantiert sein dürfte.
SV 98: Zum Schluss möchte ich natürlich noch Ihren Tipp zum Spiel des SV Darmstadt 98 bei Preußen Münster wissen.
CG: Natürlich wünsche ich mir einen Sieg unseres SC Preußen! Aber keine Angst, Darmstadt wird eine Niederlage am Saisonende nicht weh tun, da sie die Klasse halten werden.

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