FAQs zum verlegten Testspiel gegen San Antonio
Der SV 98 beantwortet die wichtigsten Fragen zum verschobenen Testspiel der Lilien beim Kooperationspartner San Antonio FC.
Es hätte doch nahezu grotesk angemutet: Wenn dieser SV Darmstadt 98 nach dieser Saison, mit diesen beschwerlichen Hindernissen mit zwei Siegen dem Saisonende und der großen Krönung entgegen geglitten hätte. Nach der Niederlage bei Fortuna Düsseldorf heißt es also zum x-ten Mal in der Spielzeit 21/22: Sich gegen alle Widerstände und Unkenrufe aufbäumen, die Wahrscheinlichkeitsrechner Lügen strafen.
„Wir waren in dieser Saison immer wieder da, wenn uns alle schon abgeschrieben haben“, zeigte sich Fabian Holland kämpferisch: „Wir werden Paderborn mit vollem Herz und Leidenschaft angehen.“ Auch wenn es unmittelbar nach Spielschluss sichtlich schwerfiel: Aufhalten wollten sich die Lilien-Akteure nicht allzu lange mit dem Rückschlag in Düsseldorf. Schließlich ist die Geschichte des Spiels schnell erklärt: Die Südhessen waren zu Beginn immer diesen berühmten Schritt zu spät, nicht wach genug und räumten den Fortunen zu viel Raum zum Kombinieren ein. Die nutzten den Platz eiskalt aus und führten schnell mit 2:0. Torsten Lieberknecht: „Natürlich war die Führung der Düsseldorf in den ersten Minuten verdient. Meine Jungs haben zu Beginn der Partie heute ein bisschen mit Nerven zu kämpfen gehabt.“
Im Anschluss stellten die Lilien zunächst die Taktik, in der Halbzeit dann das Personal um und probierten alles. Doch die Bemühungen reichten letztlich nur zum Anschlusstreffer. Klar: Die Ausgangssituation dürfte sich für das Saisonfinale verschlechtert haben. Wie beträchtlich, das wird das Wochenende zeigen. Zur Anmerkung: Dieser Artikel wurde vor den Ergebnissen der Konkurrenz geschrieben. Weil diese im Endeffekt auch nicht relevant sind: Gewinnen muss und will der SV 98 am abschließenden Spieltag ohnehin, um sich eine Chance auf die Krönung dieser unglaublichen Saison auszurechnen. Eine letzte Aufgabe in der Meisterschaft. Quasi die endgültige Prüfung der Resilienz dieses Lilien-Kaders.
Denn die Situation vor der Heimpartie gegen den SC Paderborn dürfte den Lilien nur allzu vertraut sein: Schon oft wurden sie in dieser Spielzeit abgeschrieben. Gleich in der Sommerpause etwa, als wichtige Spieler wie Serdar Dursun, Nicolai Rapp und Victor Palsson von Bord gingen und sich der SV 98 kurzfristig nach einem neuen Cheftrainer umschauen musste. Torsten Lieberknecht wurde mitunter belächelt oder als sehr ambitioniert erklärt, als er auf seiner Antritts-PK einen einstelligen Tabellenplatz als Saisonziel ausgab. Vor allem nachdem aufgrund einer Verletzten-Misere zunächst das Trainingslager verschoben werden musste und dann der Saisonstart coronabedingt in den Sand gesetzt wurde. Doch die Lilien rappelten sich auf und zogen „aus dieser Scheiße so viel Kraft“ (O-Ton Marcel Schuhen), dass sie anschließend von Sieg zu Sieg eilten.
Im Winter sahen sich die Lilien mit einer Torflaute von Phillip Tietz und Luca Pfeiffer konfrontiert, Experten mutmaßten, dass sich die Lilien nicht in den oberen Tabellengefilden halten würde. Doch stattdessen sprangen einfach ihre Mitspieler in die Bresche. Als der SV 98 am Bölle gegen den HSV baden ging, hieß es, dass man sich von diesem Wirkungstreffer nicht mehr erholen würde. Doch die Lilien berappelten sich. Als Ende März vor dem Heimspiel gegen Kiel im Mannschaftskader erneut Corona ausbrach, fürchteten viele, dass die Südhessen diesen Engpass nicht verkraften würden. Doch das Heimspiel wurde siegreich bestritten. Als der SV 98 im Anschluss die beiden Topspiele gegen Nürnberg und Schalke verlor, hieß es in den Medien, dass sich Darmstadt aus dem Aufstiegsrennen versabschiedet hätte. Doch der SV 98 antwortete mit Erfolgen auf St. Pauli und gegen Aue.
Die Mannschaft brachte oft dann ihre stärksten Leistungen, wenn kein Pfifferling auf sie gesetzt wurde. Die Lilien sind dabei stets positiv und wehrhaft geblieben. So wie übrigens auch am Freitagabend, als sie sich zurück ins Spiel bissen, obwohl zunächst nichts zu ihren Gunsten zu laufen schien. „Wir werden niemals aufgeben, das hat man auch nach dem 0:2 wieder gesehen“, urteilte Phillip Tietz, dessen Team nach Abpfiff von einer reisewütigen Meute von über 4000 Lilienfans wieder aufgebaut wurde. Tietz: „Wir werden die Köpfe nicht hängen lassen, es bleibt noch ein Spiel.“ Während er diese Sätze auf dem Düsseldorfer Rasen sprach, baumelte an seinem Handgelenk ein Bändchen, dessen Zeilen in Südhessen nur allzu bekannt sein dürften. „Du musst kämpfen – es ist noch nichts verloren.“ Jetzt erst recht.