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16.08.2021 / Allgemein

Die Sonne scheint

Dass Torsten Lieberknecht ein leidenschaftlicher Musik-Liebhaber ist, sollte mittlerweile hinlänglich bekannt sein. Und dass er ein Faible für das Lilienlied hat, dürfte sich inzwischen auch herumgesprochen haben. Dass direkt im Anschluss an das 6:1 gegen den FC Ingolstadt im Tollhaus Böllenfalltor 'Die Sonne scheint' lief, überraschte dann doch. "Darf ich mir heute mal etwas wünschen?", fragte der Cheftrainer noch auf dem Platz in Richtung zweier Vereinsmitarbeiter: "Ich wünsche mir, dass jetzt 'Die Sonne scheint' gespielt wird." Eine kurze Nachricht in die Organisations-Gruppe des SV 98 genügte und der Wunsch des Cheftrainers wurde erfüllt. Wenige Sekunden später donnerte die Vereinshymne durch die Boxen rein ins Merck-Stadion am Böllenfalltor. Und Lieberknecht? Der stand im Mittelkreis, blickte abwechselnd auf die Mannschaft, die ihre verdiente Ehrenrunde dreht und die jubelnden Fans auf den Tribünen. Und klar: Er sang auch inbrünstig mit, die Hymne der Lilien. Und mehr als nur bisschen kam die Gewissheit auf, die einen auch in den 90 Minuten zuvor beschlichen hatte: Das Stadionfeeling kehrt zurück.

Foto: Stefan Holtzem

Die Menge tobt und wartet auf Lilien-Tor…

Gleich sechsmal wurde ‚Die Sonne scheint‘ während der Begegnung vor über 4.500 frenetisch mitgröhlenden Zuschauern angespielt. “Es ist ein sehr schöner Nachmittag”, freute sich Luca Pfeiffer bei strahlendem Sonnenschein nach der Partie. Dem Stürmer stand das Lächeln ins Gesicht geschrieben – ihm sowie allen anderen, die es an diesem Sonntag mit den Lilien hielten. Die Stimmung am Bölle sowie die Unterstützung der Lilien-Fans? Von Beginn an fantastisch. Klaus Gjasula, der erst seit vergangenem Mittwoch (11.8.) ein Darmstädter ist und am Sonntag direkt erstmals im SVD-Dress auf dem Platz stand: “Die Kulisse hat uns getragen, das war überragend.”

Das Zusammenspiel zwischen den Tribünen und der Mannschaft auf dem Feld, es stimmte. “Es hat einfach unfassbar viel Spaß gemacht und es ist einfach geil, wenn man zuhause vor den ganzen Fans die Tore schießt. Ein geiles Gefühl. Dafür spielen wir Fußball”, strahlte Pfeiffer nach Abpfiff. Und auch Phillip Tietz unterstrich einen Tag später (16.8.) in einer virtuellen Medienrunde: “Die Atmosphäre hatte etwas ganz Besonderes und auch etwas Aufregendes an sich.”

Tor, Tor, Tor – Lilien vor!

Und so spielten sich die Südhessen noch vor der Halbzeitpause in einen regelrechten Torrausch. Bereits von Beginn an zeigten sie einen extrem selbstsicheren sowie erwachsenen Auftritt. “Wir hatten die Stärken der Ingolstädter gut im Griff”, analysierte Lieberknecht, der in diesem Zuge vor allem die sehr junge Innenverteidigung bestehend aus Patric Pfeiffer (21) und Clemens Riedel (18) lobte. “Zudem haben wir die Flügel gut bespielt und konnten im Sechzehner immer wieder eine gewisse Wucht erzeugen”, so der Cheftrainer des SV 98 weiter. Der Dosenöffner der Partie? Es war das Kopfballtor von Tietz, welches Teamkollege Gjasula so beschrieb: “Nach dem 1:0 haben wir Blut geleckt. Jeder wollte mehr, weshalb wir vor der Pause mit insgesamt vier Toren belohnt wurden.”

Ingolstadt hatte dagegen wenig bis gar nichts dagegenzusetzen. Noch bevor die Gäste die eigenen Probleme korrigieren konnte, stand es schon 4:0 für Blau-Weiß. In allen Belangen waren die Darmstädter überlegen. Körperlichkeit, Tempo, Zielstrebigkeit, Effizienz. All diese Eigenschaften brannten die Lilien auf den Rasen, hatten in puncto Torschüsse (19:4), Ballbesitz (61:39 Prozent), Zweikampfquote (56:44 Prozent) sowie angekommene Pässe (402:236) alle entscheidenden Statistiken auf ihrer Seite. Gjasula verdeutlichte: “Es hat heute alles gestimmt und alles gepasst.”

Den Lauf des SV 98 in diesem Spiel konnte auch eine kurze Schwächephase nach der Pause nicht bremsen. Zwei weitere Treffer machten den Deckel drauf. “Man kann nur stolz auf die Mannschaft sein, wie wir das Ruder in unsere Richtung gerissen haben”, lobte Pfeiffer, der seine ersten beiden Tore in der 2. Bundesliga markierte. Es war einer von insgesamt vier Premieren an diesem Sonntagnachmittag. Tietz und Braydon Manu erzielten ihre ersten Pflichtspieltreffer für die Lilien, Fabian Schnellhardt zauberte erstmals für den SV 98 einen direkten Freistoß ins Eck.

Es ist schon passiert, dass Ihr mal verliert – ist nur ein Spiel…

Selbstverständlich war dieser 6:1-Heimerfolg aber keinesfalls. Mit drei Niederlagen in den ersten drei Pflichtspielen starteten die Lilien in die neue Saison. Der SV 98 war stets mit neuen Rückschlägen gebeutelt, mit Personalsorgen geplagt und zahlreichen Herausforderungen konfrontiert. Umso befreiender wirkte dieser Sieg für die Seelen einer jeden Lilie. “Gerade nach den letzten schweren und bitteren Wochen haben wir uns das heute einfach verdient”, betonte Pfeiffer und fügte an: “Wir haben gezeigt, dass in der Mannschaft ganz viel Moral und Herz steckt.”

Das Team ist in dieser schwierigen Lage noch enger zusammengerückt. Tietz: “Vor zwei bis drei Wochen hatten wir ehrlich gesagt eine Kacksituation. Das hat uns alle extrem zusammengeschweißt.” Zusammenhalt und ein besonderer Spirit sind es, die diese Mannschaft stark machen. Kein Wunder also, dass Lieberknecht seinen Jungs nach Schlusspfiff den größtmöglichen Respekt zollte. “Ich bin massiv stolz auf sie – auf die Spieler, die auf dem Platz standen, aber auch auf die, die heute gar nicht aktiv waren”, erklärte der Darmstädter Chefcoach. Und er ergänzte: “Jeder, der die Lilie auf der Brust trägt – ob Fans oder Mannschaft – darf heute stolz sein.”

Die Spieler sind alle bereit

Doch schon am Montag richteten sich die Blicke der Lilien wieder nach vorn. Der Sieg gegen Ingolstadt war wichtig, ja. “Aber man darf nicht vergessen, dass es nur ein Spiel war”, mahnte Tietz. Es waren lediglich die ersten drei Punkte in einer noch 31 Spieltage andauernden und damit langen Saison. Und noch immer sind nicht alle Spieler in einem zu einhundert Prozent fitten Zustand. Diese gilt es nun, Schritt für Schritt wieder in die Mannschaft zu integrieren.

“Deswegen sollten wir das Ingolstadt-Spiel schnell abhaken und uns auf die Partie beim HSV vorbereiten”, sagte Lieberknecht. Dort, im Volksparkstadion, gastiert der SV 98 am kommenden Sonntag (22.8., 13.30 Uhr). Eine schwierige Aufgabe gegen einen der großen Aufstiegaspiranten in dieser Liga. Doch mit einem 6:1 im Gepäck lässt es sich selbstbewusst in die Hansestadt reisen. “Wir müssen auch dort den Kopf oben behalten und alles raushauen. Denn wir wissen: In dieser Liga ist jeder schlagbar”, so Gjasula.

Dass im Volkspark bei einem Darmstädter Erfolg ‚Die Sonne scheint‘ durch die Boxen ertönt, darf zum Leidwesen des Fußball-Romantikers Torsten Lieberknecht allerdings stark bezweifelt oder gar ausgeschlossen werden. 

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