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03.04.2020 / Allgemein

„Diese Szene wird für immer in meinem Gedächtnis bleiben“

Am 19. Mai 2014 läuft die 122. Spielminute in Bielefeld, als der Ball zu Elton da Costa kommt. Wenige Sekunden später zappelt das Leder im Netz, es ist der Treffer zum Aufstieg. Am Samstag zeigt der HR noch einmal das "Wunder vom Bielefeld", Und wir haben im Vorfeld mit dem damaligen Helden über seinen Treffer, die dazugehörigen Emotionen und die Verbundenheit zu den Lilien gesprochen.

sv98.de: Elton, wie oft wirst du noch auf die 122. Minute des 19.05.2014 angesprochen?

Elton da Costa: Mittlerweile sind fast sechs Jahre vergangen und es ist immer wieder erstaunlich, dass ich weiterhin mehrmals in der Woche darauf angesprochen werde. Für mich ist dieser Moment natürlich unvergesslich. Diese Szene wird für immer in meinem Gedächtnis bleiben. Dort ist sie eingraviert.

sv98.de: Hast du dir ein Foto von deinem Treffer aufgehängt oder finden sich andere Erinnerungsstücke an diese Partie bei dir?

da Costa: Leider hatte ich nach Abpfiff nicht die Möglichkeit, mir den Spielball zu sichern. Aber ich habe das Trikot natürlich behalten und auch die Fußballschuhe sind weiter in meinem Besitz. Sogar genauso, wie ich sie damals in Bielefeld ausgezogen habe. Danach wurden sie nicht mehr getragen. Zudem hat mir ein Lilienfan das Leibchen geschenkt, das ich damals vor meiner Einwechslung getragen habe. Ich weiß nicht genau, wie er es damals ergattern konnte, habe mich aber sehr darüber gefreut. Das sind Erinnerungen für die Ewigkeit.

sv98.de: Du hast gesagt, dass du weiterhin sehr oft auf dein Tor angesprochen wirst. Stört es trotzdem irgendwann, darüber zu sprechen?

da Costa: Niemals! Das wird mich nie stören. Ich habe auch schon während meiner Karriere versucht, mir die Zeit für Fans und ihre Fragen zu nehmen. Das hat sich jetzt nicht geändert. Ich vergesse auch nicht, was diese Leute oftmals seit Jahren auf sich nehmen, um die Lilien zu unterstützen. Da sollte man immer ein paar Minuten Zeit für sie haben. Und es ist natürlich schön, dass es jetzt so eine positive Sache ist, die die meisten Fans mit mir verbinden.

sv98.de: Kannst du beschreiben, welche Emotionen dieses Tor damals bei dir ausgelöst haben. Hast du sofort realisiert, dass das 4:2 den Aufstieg bedeuten würde?

da Costa: Es war überwältigend. Ich hatte nach meiner Einwechslung nicht mehr so viel Zeit, um etwas zu bewegen, aber ich weiß noch, wie der Ball mir vor der Füße gefallen ist. Ich habe mich dann darauf fokussiert, die Kugel richtig zu treffen. Als der Ball vom Fuß gegangen ist, hatte ich ein richtig gutes Gefühl. Nach dem Tor war es dann Freude pur. Adrenalin pur. Der ganze Körper hat gezittert und ich wusste überhaupt nicht, wo ich hinlaufen soll.

sv98.de: Du hast schon mehrfach erzählt, dass du auf der Bank angekündigt hast, zu treffen, falls du treffen würdest. Ist das wirklich wahr?

da Costa: Tatsächlich war das so. In der ersten Halbzeit der Verlängerung habe ich gesagt, dass ich ein Tor machen werde, wenn ich reinkomme. Das war auch nicht so dahin gesagt, ich war davon überzeugt. Das es dann so passiert ist, das war ein Sechser im Lotto.

sv98.de: Wie viele Erinnerungen hast du an die Feier danach?

da Costa: Ich muss gestehen, dass ich auf der Heimfahrt aus Bielefeld nicht so viel getrunken habe, da war ich wahrscheinlich der Nüchternste. (lacht) Aber als wir dann in die Stadt sind und mit den ganzen Fans gefeiert haben, fehlen mir auch ein paar Erinnerungen…Aber auch das waren Momente, die wir alle nie wieder vergessen werden. Diese Dramatik war eine einmalige Sache, der ganze Verlauf wie im Märchen.

sv98.de: Hand aufs Herz. Hast du nach dem Hinspiel noch an diese Wende geglaubt?

da Costa: Wir haben uns nach dem Hinspiel schon eingeschworen und uns gesagt, dass wir alles versuchen, um das Ergebnis umzudrehen. Diese Überzeugung gab es in der Mannschaft. Natürlich wussten wir, wie schwierig es werden würde. Aber am Spieltag selbst waren dann diese Anspannung und das Adrenalin zu spüren, wir haben uns darauf gefreut, dass es losgehen würde. Das war bei allen zu spüren.

sv98.de: Dazu kamen die „Du musst kämpfen“-Bändchen als besondere Motivation…

da Costa: Auf jeden Fall. Grundsätzlich waren wir uns einig, dass wir diese sensationelle Saison nicht mit so einem Ergebnis wie im Hinspiel beenden wollten. Und durch die Bändchen hatten wir das Gefühl, immer auf etwas gucke zu können, wenn vielleicht etwas schief gehen würde. Dieser Blick auf das Handgelenk hat uns ein gutes Gefühl verschafft. Das Bändchen hat Kraft gegeben.

sv98.de: Hast du dir dein Tor oder sogar das ganze Spiel im Nachgang noch öfter angesehen?

da Costa: Ich habe das gesamte Spiel tatsächlich nicht noch einmal gesehen (grinst) Die Highlights habe ich mir nochmal angesehen. Aber ich habe das Spiel noch in sehr guter Erinnerung und bekomme auch noch immer Gänsehaut, wenn ich daran zurückdenke oder darauf angesprochen werde. Dann ist man sofort wieder im Spiel, denkt nochmal an diesen verrückten Ablauf. An den Pfostentreffer, den Bielefeld ja sogar noch nach meinem Tor hatte.

sv98.de: Wie ist es, wenn du heute Spieler aus der damaligen Truppe wiedersiehst? Sorgt dieser Erfolg für eine spezielle Verbindung?

da Costa: Wir hatten damals ein ganz besonderes Team. Die Kameradschaft und der Zusammenhalt waren immens. Da ist es immer schön, die Jungs wiederzusehen. Bei einigen passiert es regelmäßig, weil sie wie Helle oder Stegi weiterhin direkt bei den Lilien sind oder man sich eben regelmäßig dort über den Weg läuft. Einige sind natürlich nicht mehr häufig da, aber diese Erinnerungen kommen natürlich immer wieder hoch. Vielleicht sollten wir mal ein Réunion-Treffen vereinbaren und uns alle wiedersehen.

sv98.de: Auch du bist heute weiterhin fester Bestandteil des SV 98 und leitest den Kurs „Fußballfans im Training“. Worum geht es da genau?

da Costa: Zunächst einmal bin ich dem Verein sehr dankbar für die Möglichkeit, diesen Kurs leiten zu dürfen. Darmstadt 98 ist für mich eine Herzensangelegenheit und ich freue mich, wenn dort weiterhin arbeiten kann. „Fußballfans im Training“ ist ein Kursangebot, bei dem die Teilnehmer über 12 Wochen zum einen wichtige Tipps und Hinweise zu Bewegung und Ernährung erhalten, zum anderen aber auch gemeinsam Sport treiben. Teilnehmen können Mitglieder des Vereins, die einen Bauchumfang von mehr als 100 Zentimetern besitzen. Das ganze wird von der Deutschen Krebshilfe unterstützt. Zu Beginn des Kurses messen wir Gewicht, Körperfett und Blutdruck und kontrollieren das dann nach 6 und 12 Wochen. Zudem wird nach einem Jahr noch einmal überprüft, wie sich diese Werte bei den Teilnehmern entwickelt haben und ob sie weiterhin Sport treiben und auf die Ernährung achten. Der Kurs findet einmal in der Woche statt, es ist eine Mischung aus Theorie und Praxis. Mittlerweile läuft der 6. Kurs, leider musste er durch Corona unterbrochen werden. Aber es zeigt, dass die Lilienfans großes Interesse daran haben und mir macht es sehr viel Spaß.

sv98.de: Zudem hast du Anfang des Jahres im Dienste der Lilien Besuch eine Reise nach China unternommen und dort Trainingseinheiten für Kinder geleitet.

da Costa: Genau. Diese Möglichkeit hat mir der Verein ebenfalls gegeben. Ich habe da eine Woche lang zwei Einheiten am Tag für 9 bis 11-Jährige geleitet, nachdem die Jugendtrainer bereits im vergangenen Sommer bei uns hospitiert haben. Auch das war eine schöne Erfahrung und ich denke schon, dass ich ihnen ein paar neue Ideen mitgeben konnte.

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