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10.01.2018 / Allgemein

„Dieses Gefühl hat mir gefehlt“

Nach 164 Tagen Verletzungspause stand Peter Niemeyer im Test gegen Waasland-Beveren für 45 Minuten wieder auf dem Platz. Mit sv98.de sprach der Routinier über das Gefühl beim Comeback, Motivation auf dem Weg dorthin und seine Eindrücke von der aktuellen Trainingsarbeit.

sv98.de: Peter, endlich wieder im Lilien-Trikot auf dem Spielfeld. Das Spiel gegen Waasland-Beveren war für dich sicher mehr als nur ein Testspiel…
Niemeyer: Ich habe mich einfach gefreut, auf dem Platz zu stehen. Gemeinsam mit den Jungs für ein Ziel zu kämpfen. Es lief dann auch erfolgreich, ich bin endlich verletzungsfrei und haben nur kleine Schmerzen, die nach der langen Zeit auch normal sind. Ich bin glücklich über den Einsatz im Testspiel.
sv98.de: Nach 5 Minuten war die erste Grätsche von dir zu sehen, deine Ansagen schallten schon wieder laut durch die Arena. Ein langsames Heranführen gibt es bei dir nicht, oder?
Niemeyer: Es hat so lange gedauert, bis ich das erste Mal gegrätscht habe? (lacht) Es entspricht nicht meinem Naturell, irgendetwas mit 50 Prozent zu machen. Ich versuche alles rauszuhauen, was ich habe. Natürlich gelingt nicht immer alles, aber für mich gibt es kein Halbgas.
sv98.de: Nach der langen Pause bist du naturgemäß noch nicht bei 100 Prozent. Was sagt der Körper nach der Belastung?
Niemeyer: Endlich hatte ich das Gefühl, morgens aufzustehen und zu spüren, ich habe richtig etwas getan. Das hat mir gefehlt. Ich kenne das ja schon ein wenig länger, dass ich nach einem Spiel nicht mehr taufrisch aus dem Bett komme – wobei das hier auch an den Hotelbetten liegt, die für meinen Körper ein wenig zu weich sind (lacht). Aber Spaß beiseite: Natürlich hatte ich die Befürchtung, dass nach der Belastung wieder eine Reaktion kommen würde, die wahrscheinlich sogar normal gewesen wäre. Aber es war zum Glück nichts (klopft auf den Tisch).
sv98.de: Zu sehen war auch, welche Freude dein Comeback ausgelöst hat. Die Fans haben unzählige Glückwünsche im Internet hinterlassen, auch die Hertha hat über diesen Weg gratuliert. Neben deiner eigenen Freude etwas, worüber du dich doppelt freust?
Niemeyer: Total, das hat mich jedes Mal wieder bewegt und Kraft gegeben. Zuspruch oder die vielen Leute, die mir gesagt haben, dass ich dem Team fehle – natürlich gibt mir das etwas. Wenn man sich in der Reha abrackert und sich dann niemand für einen interessiert, dann geht es einem doppelt schlecht. Und da war es einfach schön zu hören, dass sich die Leute auf meine Rückkehr freuen oder einfach nur wissen wollten, wie es mir geht. Das sind kleine Nachrichten, die mir richtig gutgetan haben.
sv98.de: Welches Gefühl überwog während der Verletzungszeit?
Niemeyer: Ich habe mich schlecht gefühlt, der Mannschaft und dem ehemaligen Trainerteam nicht helfen zu können. Ich bin kein Messi oder Ronaldo. Und auch kein Heilsbringer, der mit Hacke-Spitze-Einszweidrei die Mannschaft alleine zum Sieg führt. Ich bin nicht wichtiger als der Zeugwart, aber diesen Teamgedanken kann ich jedem vermitteln. Mir geht das Herz auf, wenn ein Marvin Mehlem im Training zur Grätsche ansetzt und den Ball erobert. Weil er diese Eigenschaften nicht von Natur aus in sich trägt, sondern ihn vor allem Leichtigkeit und Kreativität ausmachen. Und da schreibe ich mir auf die Fahne, mit meiner Art und Weise etwas vorzuleben. Ich will nicht sagen, dass ich der Papa bin. Aber ich glaube, dass ich etwas einbringe, was die Mitspieler mitreißen und motivieren kann.
sv98.de: Jetzt bist du mittendrin. Wie bewertest du die Arbeit im Training, wie nimmst du die aktuellen Trainingseinheiten war?
Niemeyer: Es ist schön, mit den Jungs zu trainieren. Das ist mir ja quasi seit März, mit einer kurzen Ausnahme, verwehrt geblieben. Das genieße ich jetzt. Ich habe ein total positives Gefühl, was die Truppe angeht. Die Spieler sind charakterlich einwandfrei. Wir haben Jungs, die für diesen Verein marschieren und ein riesiges Herz haben. Aber ein paar brauchen Hilfe dabei, in welche Richtung wir marschieren. Und das sehe ich zum Teil auch als meine Aufgabe an. Wir haben genug Spieler, die diese Rolle ebenfalls ausfüllen. Aber ich kann sicherlich ein Mosaikstein sein und zeigen, wie sehr ich den Fußball lebe.
sv98.de: Welche Richtung gibt Dirk Schuster vor, den du ja bereits aus dem Bundesligajahr kennst?
Niemeyer: Eine Richtung ohne jede Kurven. Der Weg geht geradeaus und das finde ich geil. Es gibt keine Abzweigung nach links oder rechts und auch keinen Blick nach hinten. Wir gucken gemeinsam nach vorne und geben Gas. Und am Ende ist eine Ziellinie, die wir erreichen wollen. Und da bleiben wir nicht vorher stehen und sagen, dass es nicht geht. Das Trainerteam hat eine Philosophie und auch gewisse Psychologie, die sie überragend umsetzen. Deswegen hatten einige Jungs über Jahre Erfolg mit ihnen und ich das eine Jahr in der Bundesliga. Der Trainer versteht es wie kein anderer, die so die Trommel zu schlagen, dass alle im gleichen Takt rudern.
sv98.de: Bekannt ist aber auch, wie intensiv und umfangreich ein Trainingslager mit ihm ist. Trotz der Anstrengungen ist es für dich sicherlich das schönste Gefühl, endlich wieder dabei zu sein…
Niemeyer: Ich bin auch sehr gerne zuhause (lacht) Es ist wirklich sau anstrengend, aber ich genieße es aktuell schon, dass die Beine brennen. 

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