FAQs zum verlegten Testspiel gegen San Antonio
Der SV 98 beantwortet die wichtigsten Fragen zum verschobenen Testspiel der Lilien beim Kooperationspartner San Antonio FC.
Es stimmt, man hätte sich darauf einstellen können. Trotzdem fiel es dann doch verdammt schwer, keine feuchten Augen zu bekommen, an diesem Samstagnachmittag im Bölle. Weil es rund ums letzte Saison-Heimspiel gegen Hertha BSC dann doch irgendwie nochmal emotionaler, länger und lauter zuging, als man hätte erwarten können.
Schon vor dem Anpfiff legte sich eine wohlige Gänsehaut über den gesamten Körper, als die Lilien-Spieler verabschiedet wurden, die in der kommenden Saison nicht mehr das Trikot des SV 98 überstreifen werden. Besonders laut wurden Benjamin Gorka und Dominik Stroh-Engel verabschiedet. Lilien-Legenden, die einen großen Anteil an den Aufstiegen hatten und Gründe waren, warum der SV 98 überhaupt erst zwei Jahre Bundesliga genießen durfte.
Es sollte der Auftakt für einen emotionalen Nachmittag sein, denn auch in den kommenden Stunden flimmerte der Ergriffenheits-Barometer im Wohnzimmer der Lilien am Anschlag. Mit Einlauf der beiden Teams präsentierten die Heimfans eine Choreo über die gesamte Südtribüne mit Konterfeis von einigen Lilien-Größen der vergangenen Jahre: Gorka, Dodo, Peter Niemeyer, Aytac Sulu, Elton da Costa.
Auch während des Spiels peitschten Darmstädter und Berliner Fans ihr Team mit fast ununterbrochener Unterstützung nach vorne. Aber die sportliche Geschichte an diesem Nachmittag war schnell erzählt: Die Lilien versuchten noch einmal viel – nur so richtig gelingen wollte nichts. "Wir wollten uns mit einem Sieg vom Heimpublikum verabschieden, von daher ist die Niederlage schon ein wenig traurig", merkte Jerôme Gondorf an. "Trotzdem verdient der ganze Verein ein Lob für die Bereitschaft, immer weiter zu kämpfen und für die Moral, die wir jede Woche gezeigt haben."
Auch die Heimfans honorierten am Samstag gegen die Hertha einmal mehr den Einsatz ihrer Truppe. Denn auch beim für den SV 98 aus sportlicher Sicht unbedeutenden Spiel probierten die Lilien, noch mal alles auf den Rasen zu werfen. Wettbewerbsverzerrung konnte man den bereits feststehenden Aufsteiger definitiv nicht vorwerfen.
"Champions-League"-reife Unterstützung
Schon in der Trainingswoche hatten die Beteiligten angekündigt, besonders für die eigenen Anhänger zu kämpfen. Die Würdigung für diese maximale Einsatzbereitschaft folgte während und nach der Partie. "Gerade die zweite Halbzeit, das war 45 Minuten Gänsehaut von den Fans", betonte Sandro Sirigu: "Was die da abgeliefert haben, das war mehr als erstklassig, das war schon fast Champions League"
Bereits in der Schlussphase schmetterten die Fans auf allen Tribünen ein lautstarkes "Wir sind Darmstädter" auf den Rasen – es sollte das passende Motto für die Szenen nach Abschluss sein. Spieler, Trainerteam, Präsidium, Betreuerstab und weitere Mitarbeiter des Vereins präsentierten ein großes Banner, das mit "Danke! Ihr seid und bleibt erstklassig" bedruckt war.
Die Verabschiedung von den Heimfans in die Sommerpause wurde zu einem echten Marathon. Zu jeder Tribüne gingen die Spieler, verteilten T-Shirts, klatschten die Fans auf den unteren Reihen ab, unterhielten sich mit ihnen. Gefühlt dauerte die Verabschiedung nach Abpfiff weitere 90 Minuten. Es war ein ehrlicher Dank für den immertreuen Anhang.
Auch die Hertha-Fans blieben bis weit nach Spielschluss im Block. Einerseits, um ihre Auswärtspunkte zu feiern, aber wohl auch ein bisschen, um Zeuge der emotionalen Momente auf dem Platz und den Rängen zu sein.
"’Aus Tradition anders‘ sagt man immer so schön, aber es ist wirklich so"
Auf der anschließenden Pressekonferenz zollte auch Torsten Frings dem eigenen Anhang tiefsten Respekt. "Hut ab vor den Fans, wie unsere Fans unsere Mannschaft feiern. Sie beweisen mal wieder ein Gespür dafür, was in der vergangenen Zeit hier passiert ist." Auch seine Spieler schloss er mit ein: "Hut ab auch vor meinem Team, wie es sich in der Rückrunde präsentiert hat, auch wenn es bereits abgeschlagen war."
Ein Team, das trotz besiegelten Abstiegs unermüdlich um jeden Zentimeter kämpft, und ein Stadion, das einen Absteiger hochleben lässt wie einen Meister. Für einen Außenstehenden müssen sich am Samstagnachmittag im Bölle skurrile Szenen abgespielt haben. Darmstadt halt.
"Es war ein Abstieg mit Herz", fasste Kapitän Aytac Sulu zusammen. "Unsere Fans sind wirklich erstklassig sind und werden es auch bleiben. Ich glaube, in keinem anderen Verein ist sowas je passiert", spielte auch Sirigu noch einmal auf die Unterstützung für ihn und seine Teamkollegen an: "’Aus Tradition anders‘ sagt man immer so schön, aber es ist wirklich so. Das wurde heute wieder einmal eindrucksvoll bewiesen."