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18.06.2020 / Allgemein

„Ein dicker Katalog, auf den wir achten müssen“

Es ist so weit. Die neuen Lilientrikots hängen in den Fanshops. Auch im Online-Shop ist der neue Dress des SV Darmstadt 98 erhältlich. Doch wie entsteht eigentlich so ein Trikot? Was muss man alles beachten? Und was ist das Besondere der neuen SV98-Jerseys? Genau darüber haben wir mit Fanbetreuer Alex Lehné gesprochen, der als Merchandise-Mitarbeiter von Beginn an im Entstehungsprozess der Trikots eingebunden ist.

sv98.de: Die Mannschaft läuft gegen Wehen Wiesbaden erstmals in den neuen Trikots auf. Doch wann haben die Planungen für den neuen Liliendress begonnen? 

Alex: Die Planungen für ein neues Trikot beginnen meistens ein Jahr vorher. Bei diesem Trikot war es so, dass wir sogar schon vor knapp anderthalb Jahren mit den Planungen begonnen haben. Schließlich gilt es, diverse Abstimmungen zu treffen sowie Produktions- und Lieferzeiten zu beachten. Dementsprechend ist es ein sehr langwieriger Prozess.

sv98.de: Skizziere doch bitte einmal diesen Prozess. 

Alex: Es geht immer dann schon richtig los, wenn das neue Trikot gerade verkauft wird. Wenn jetzt am Wochenende unser neues Trikot erscheint, gehen wir bereits am Montag in die Planungen für die darauffolgende Saison. Zunächst ist es ein reiner Designprozess. Wir sitzen intern zusammen und überlegen, in welche Richtung wir wollen: Soll es eher schlichter sein? Wollen wir etwas Außergewöhnliches? Wenn wir uns darauf geeinigt haben, stellen wir diverse Entwürfe auf die Beine. Meistens kommen da schon ein halbes Dutzend Vorschläge zusammen. Tatsächlich kam es auch schon mal vor, dass das perfekte Trikot direkt dabei war. Manchmal entscheiden wir uns aber auch für ein kombiniertes Design aus den jeweiligen Vorschlägen.

sv98.de: Wie geht es dann weiter?

Alex: Im nächsten Schritt schauen wir zusammen mit unserem Ausrüster CRAFT, ob unsere Vorstellungen denn auch umsetzbar sind. Technisch ist nämlich nicht immer alles so machbar, wie wir es uns manchmal wünschen. Aber wir haben das Glück, dass wir mit CRAFT einen Ausrüster haben, der individuelle Trikots herstellt, die nach unseren Vorstellungen designt werden. Oftmals bekommt man bei vielen anderen Ausrüstern Trikots von der Stange, bei denen man im Nachgang nur Kleinigkeiten veredeln kann. Wir haben jedoch in der Ideenfindung aller drei Trikots viele Freiheiten.

Die neuen Trikots sind DA: Holt Euch Euer Exemplar im Online-Shop!

sv98.de: Dass wir dank CRAFT viele Freiheiten genießen, hast du bereits angesprochen. Dennoch dürfen wir bei der Gestaltung nicht alles machen, was wir wollen. Gibt es seitens der DFL bestimmte Vorgaben?

Alex: Es gibt tatsächlich sehr genaue Vorgaben und einen dicken Katalog, auf den wir achten müssen. Vom Abstand der Rückennummern bis zum Stadtnamen ist alles millimetergenau vorgegeben. Das schränkt den optischen Prozess dahingehend ein, dass wir das Trikot eben nicht komplett wild bedrucken können. Man darf nur Muster aufbringen. Soll es dann etwas Spezielleres sein, muss es ein Trademark vom Verein sein. So dürfen wir die Lilie aufs Trikot bringen. Beim Stadtwappen oder dem Stadtplan von Darmstadt wäre es dann wieder eine andere Sache.

sv98.de: Trotzdem hat es solche Trikots auch in unserer Historie schon gegeben.

Alex: Das ist richtig. Wir hatten mal ein Sondertrikot, auf dem wir die Gegengerade mit ins Design gebracht haben. Aber das war eben nur ein Sondertrikot, das ausnahmsweise gestattet wurde. Es wäre nicht möglich, in so einem Trikot eine komplette Saison zu spielen. Grafische Muster sind nicht erlaubt. In Spanien lief beispielsweise einst eine Mannschaft in einem Trikot auf, das mit dem grafischen Muster eines Schinkens bedruckt war. Sowas wird es in Deutschland nicht geben.

sv98.de: Wovon habt Ihr Euch bei der Gestaltung des neuen Lilientrikots inspirieren lassen?

Alex: Zunächst einmal wollten wir deutlich mehr weiß im Trikot haben. Es sollte mal wieder ein blau-weißes Jersey sein, nachdem wir in den letzten Jahren doch stark auf blau gesetzt hatten. Außerdem wussten wir aus der Erfahrung, dass gestreifte Trikots bei unseren Fans sehr gut ankommen. Und der Stil der 80er Jahre ist ohnehin aktuell wieder im Trend. Daher haben wir uns auch hier ältere Trikots angeschaut und uns ein wenig aus dieser Richtung inspirieren lassen. 

sv98.de: Was macht unser neues Trikot so besonders?

Alex: Ganz einfach. Bei diesem Trikot ist das Muster – also das Offensichtliche – bereits das Besondere. Es ist eines dieser Trikots, die man schon aus 100 Meter Entfernung erkennen und sagen wird: Ach, das ist doch das Lilientrikot. Weil es eben dieses außergewöhnliche und unverwechselbare Design hat. Natürlich haben wir auch wieder kleine Details eingearbeitet – wie eine gestickte Lilie im Nacken. Diese Elemente machen das Trikot nochmal wertiger. Aber der absolute Hingucker sind natürlich die Streifen.

sv98.de: Nun bist du selbst von Beginn an im Trikotprozess involviert. Wie sehr nervt es manchmal, dass du mit niemanden über das neue Design sprechen darfst?

Alex: Es ist wie ein kleiner Blindflug. Man weiß bis zuletzt nicht, wie das neue Trikot bei unseren Fans ankommt. Aber über Geschmäcker lässt sich ohnehin streiten. Es gibt die unterschiedlichsten Meinungen. Wir haben dennoch ein paar Ansprechpartner in Fankreisen, die für Ihre Vertraulichkeit bekannt sind und mal einen kleinen Blick werfen dürfen. So holen wir uns unser Feedback. Am Ende liegt vieles aber eh im Auge des Betrachters. Wir sind daher gespannt, wie es am Ende bei den Lilienfans ankommt.

sv98.de: Hast Du bereits Feedback aus der Mannschaft bekommen?

Alex: Mit Michael Stegmayer ist unser Teammanager und gleichzeitig ein sportlich Verantwortlicher als Entscheidungsträger in den Trikotprozess eingebunden. Er ist vom neuen Trikot voll überzeugt und freut sich drauf. Das geht den Spielern ähnlich. Bei den ersten Shootings waren ihre Reaktionen sehr positiv. Sie fanden es top.

sv98.de: Werfen wir noch einen abschließenden Blick in die Zukunft: Wie sehr fieberst du dem Moment entgegen, die Lilienfans irgendwann in den neuen Trikots im Stadion zu sehen?

Alex: Es wäre natürlich ein Traum, überhaupt wieder Fans im Stadion zu haben. So ganz ohne Fans ist es dann doch nicht der Fußball, den wir uns alle wünschen. Aber ich würde mich schon sehr freuen, wenn wir möglichst zeitnah ein diagonalgestreiftes Merck-Stadion am Böllenfalltor erleben können.

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