FAQs zum verlegten Testspiel gegen San Antonio
Der SV 98 beantwortet die wichtigsten Fragen zum verschobenen Testspiel der Lilien beim Kooperationspartner San Antonio FC.
Am Sonntag (19.5.) werden auch zwei prägende Gesichter aus dem Funktionsteam verabschiedet. Während Utz Pfeiffer andere Aufgaben im Verein übernehmen wird, wird der 71 Jahre alte Helmut „Bubu“ Koch in seinen wohlverdienten Ruhestand verabschiedet. Danke für Eure Dienste bei der Profimannschaft des SV 98!
Das Mannschaftsfoto aus dem Juli 2008 verewigte die beiden erstmals gemeinsam. Helmut "Bubu" Koch mit getönter Brille, Utz Pfeiffer mit charakteristischem Schnauzbart. In der Bildlegende werden sie damals wie heute schlicht als Mannschaftsbetreuer gekennzeichnet. Eine Benennung, die nicht ansatzweise erahnen lässt, was dieses Duo für die Lilien geleistet hat. Denn Koch (71) und Pfeiffer (57) sind längst Eckpfeiler der jüngeren Vereinshistorie geworden.
Kochs persönliche Lilien-Geschichte beginnt allerdings schon viel früher. Im Sommer 1968 schließt sich der damals 21-jährige Angreifer dem SV 98 an. Wenige Wochen später wird er nur noch "Bubu" gerufen. Ein Spitzname, den Koch in Anlehnung an eine amerikanische Serie erhält, die vom Bären "Boo Boo" handelt.
Versehen mit dem neuen Rufnamen, erarbeitet sich gelernte Werkzeugmacher recht schnell den Status des Torjägers, obwohl er nach seinem Wechsel aus Ober-Roden zu den Lilien zunächst noch ein wenig schief angeguckt wurde, wie er mit einem Grinsen erzählt: "Zu Beginn war ich der Bauern-Bub vom Land, habe mir dann aber schnell einen Namen gemacht."
"Wie bei Hempels unterm Sofa!"
So steht der Name Koch bis 1973 für Tore und einen extrem harten Schuss, "Bubu" hinterlässt seine Spuren und kehrt schließlich 2007 an das Böllenfalltor zurück: "Ich war ohnehin in der Traditionsmannschaft aktiv und es wurde dann ein Betreuer gesucht. Ich habe mir das mal angeschaut und dachte mir erstmal: Hier sieht es ja aus wie bei Hempels unterm Sofa!"
Doch Koch ist ein Mann der Tat und lässt sich nicht abschrecken, viel eher beginnt in den Katakomben fortan eine neue Zeitrechnung: "Es gab einen Trockner und eine Waschmaschine. Da lag alles drauf, und jeder hat sich genommen, was er gebraucht hat. Melitta, die damals hier geputzt hat, hat zwischendurch gewaschen und Alex Wall, der damalige Physio, hat mich dann eingewiesen. Von da an habe ich bestellt, gewaschen und für Ordnung gesorgt."
Fast von Beginn an wird er dabei zumindest teilweise von Utz Pfeiffer unterstützt, der zu dieser Zeit seine Tätigkeit bei den Lilien aufnimmt. Pfeiffer: "Damals habe ich in der U23 bei Trainer Juškić als Betreuer angefangen, aber auch regelmäßig bei der 1. Mannschaft ausgeholfen."
"Hasta la vista, ich geh zum Fußball!"
Mit Beginn der Saison 2008/2009 wird Koch dann durchgehend von Pfeiffer unterstützt. Zunächst arbeitete dieser noch in seinem gelernten Beruf als KFZ-Lackierer, die Betreuertätigkeiten übt er zusätzlich aus. "Irgendwann ging das nicht mehr parallel, da habe ich in der Werkstatt gesagt: ‚Hasta la vista, ich geh zum Fußball!’"
Zunächst sind es extrem schwierige Zeiten, die Koch und Pfeiffer damals miterleben. Bedroht von der Insolvenz, überschreiten ihre Aufgabengebiete die "normalen" Betreuertätigkeiten bei weitem: "Wir waren die Mädchen für alles", bilanziert Koch und Pfeiffer ergänzt mit Blick auf die damalige Zeit: "Wir haben Möbel zusammengebaut, lackiert und die Wände gestrichen. Wir haben die Sommerpause durchgearbeitet."
Auch dank solcher Charaktere schaffen es die Lilien, die Insolvenz abzuwenden, sich über die Jahre zu stabilisieren und schlussendlich den sensationellen Durchmarsch inklusive Bundesliga-Klassenerhalt zu feiern. Pfeiffer und Koch bleiben auf dem gesamten Weg die Konstanten, sehen Trainer und Spieler kommen und gehen, lassen sich aber durch nichts mehr aus der Ruhe bringen. Über die Jahre werden beide zu einem perfekten Team mit genauer Aufgabenverteilung. "Ich war eher für den Innenbereich zuständig", umschreibt Pfeiffer lachend seine stundenlangen Dienste im Waschraum, während Koch stets für das Material und die Getränke bei den täglichen Einheiten verantwortlich zeichnete.
Viele Erinnerungen bleiben
An ihrer Arbeit ändert sich über die Jahre nur wenig, obwohl die Ligazugehörigkeit der Lilien stetig variiert. Koch startet quasi in der Hessenliga, Pfeiffer bei der U23 sogar in noch tieferen Gefilden. "Aber auch in der Bundesliga waren wir zunächst nur zu zweit, deswegen haben die Ligen arbeitstechnisch gar nicht so große Unterschiede bedeutet", so Pfeiffer, der von "unbeschreiblichen Jahren" spricht. Denn emotional lösen die Erfolge bei den beiden Familienvätern so einiges aus: "Die letzten Jahre waren für mich die schönsten Jahre im Sport. Schöner als meine aktive Zeit, rein vom Erlebnis", verrät Koch, der speziell den Klassenerhalt in Berlin besonderer Erinnerung behalten hat: "Da musste ich mal ein paar Schritte weggehen, da kamen mir die Tränen. Heute hier über mehr als 50 Jahre in diesem Verein reden zu können, ist für mich unheimlich schön."
Auch Pfeiffer denkt gerne an die großen Momente des zurückliegenden Jahrzehntes, für ihn bleibt das "Wunder von Bielefeld" das ganz persönliches Nonplusultra: "Dieses Spiel schaue ich mir immer wieder an. Und bekomme immer wieder Gänsehaut."
Den Weg mitgepflastert
Mit unheimlichem Herzblut, Menschenkenntnis und grenzenlosem Engagement für ihren Verein haben die beiden den Weg der Lilien nicht nur unterstützt, sondern zu einem gewissen Teil mitgepflastert. "Was wir heute haben, ist in gewisser Weise Luxus", sagt Pfeiffer, der neue Spieler und Mitarbeiter regelmäßig über die Geschichte und auch seine persönlichen Anfänge aufklärt: "Für mich war es ein persönlicher Genuss, in den Stadion der Bundesliga arbeiten zu dürfen. Weil ich immer verglichen habe, wo wir herkommen. Es haben viele vergessen, wo wir vor ein paar Jahren noch standen."
Koch und Pfeiffer selbst standen damals genau dort, wo sie es auch heute noch tun. In den Katakomben ihres zweiten Wohnzimmers, in dem sie am Sonntag gebührend verabschiedet werden. Nicht einfach als langjährige Betreuer, sondern als ein prägendes Duo der Lilien-Geschichte.
Der SV 98 bedankt sich bei "Bubu" Koch und Utz Pfeiffer für ihr Wirken beim Profiteam der Lilien und plant, die beiden Betreuer im Rahmen des letzten Heimspiels gegen Erzgebirge Aue gebührend zu verabschieden.