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17.03.2019 / Allgemein

„Ein überragendes Gefühl“

Die Pille halten, den Punkt retten. Das waren wohl die Gedanken nahezu aller Lilien, als Marvin Mehlem kurz vor Ablauf der Nachspielzeit noch einmal an den Ball kam. Doch der 21-Jährige hatte eine andere Idee – und der SV 98 wenige Sekunden später plötzlich drei Zähler mehr auf dem Punktekonto.

"Ich habe gerufen, dass er zur Eckfahne gehen soll", erklärte Tobias Kempe später mit Blick auf den unglaublichen Schlussakkord, in dem Mehlem den Rat seines Mitspielers gekonnt ignorierte. "Da hat er die letzten Körner rausgeholt", so Kempe anerkennend, bevor er ergänzte: "Es fühlt sich unglaublich an."
Tatsächlich rieben sich nach Abpfiff viele Stadionbesucher beim Blick auf die Anzeigetafel verwundert die Augen. Hatte ebendiese überdimensionale LED-Wand zur Halbzeit noch eine komfortable HSV-Führung ausgewiesen, flackerte nun ein 3:2 für die südhessischen Gäste in das weite Rund des Volksparkstadions.
"Das war Darmstadt 98"
"Der HSV war vor der Pause sehr dominant", gestand auch Kempe ein, um dann mit einem breiten Grinsen auf die eigenen Reihen zu sprechen zu kommen: "Umso geiler ist es, was wir für eine zweite Halbzeit gespielt haben."
Die 47. Minuten des 2. Durchganges beinhalteten alles, was für eine großflächige Gänsehaut benötigt wird. Einen aufopferungsvollen Außenseiter, der sich mit unglaublicher Leidenschaft und ganz großem Herz schlussendlich selbst belohnt. "Die zweite Halbzeit – das war Darmstadt 98. Einfach überragend", bilanzierte daher auch Kempe, bevor seinen Platz in der Mixed-Zone für den doppelten Torschützen des Tages freimachte.
"Mut und Willen, um auf den Siegtreffer zu gehen"
Natürlich kreisten die Fragen an Mehlem um den entscheidenden Moment, um das 3:2 und den anschließden Jubel vor den mehr als 2000 mitgereisten Lilienfans. "Ich habe gesehen, dass Serdar den Ball verlängert. Dann habe ich gesehen, dass ein wenig Platz ist und dann hat der Innenverteidiger einen Schritt zur Seite gemacht. Ich wollte schon durch die Beine schießen, hätte aber nicht gedacht, dass er reingeht. Umso glücklicher bin ich", so beschrieb der gebürtige Karlsruher seinen Treffer und beantworte auch die Frage nach einem ebenfalls möglichen Lauf Richtung Eckfahne: "Nach so einer zweiten Halbzeit hat man dann auch den Mut und den Willen, um auf den Siegtreffer zu gehen."
Ein Satz, der das Selbstvertrauen widerspiegelte, das die Lilien nach Wiederanpfiff trotz des 0:2-Rückstandes beim Tabellenzweiten an den Tag legten. "Der Trainer hat uns gesagt, dass wir viel mehr können", hatte Kempe zuvor angesichts der Kabinenansprache von Dimitrios Grammozis verraten, Mehlem schlug wenig später in dieselbe Kerbe: "Da haben wir den Schalter umgelegt. Wir haben unser Spiel durchgezogen, nicht mehr auf den Gegner geguckt."
Natürlich blieb auch der HSV immer wieder gefährlich, speziell Bakery Jatta hätte kurz vor Mehlems Solo die Führung für die Gastgeber erzielen können – aber das Gefühl, dass die Lilien unbedingt etwas aus Hamburg mitnehmen wollten, das war spätestens nach dem Anschlusstreffer in der 52. Minute auf jedem einzelnen Platz der Arena zu spüren gewesen.
"Wir haben schon zur Halbzeit in der Kabine gespürt, dass hier keiner aufgeben hat", hob Kempe noch einmal die Moral der Mannschaft hervor, während Mehlem ein "großes Kompliment" an das gesamte Team verteilte. Umso schöner war es, dass sich zu den Komplimenten auch noch drei enorm wichtige Punkte gesellten. "So ein Sieg schweißt uns noch mehr zusammen", verriet Kempe mit Blick auf die verbleibenden acht Begegnungen. Zunächst können die Lilien nun mit sehr guter Stimmung in die anstehende Länderspielpause gehen. "Es ist ein überragendes Gefühl", erklärte dann auch Mehlem, bevor es für ihn und seine Kollegen zurück in die Heimat ging. Mit dem zweiten Auswärtssieg der Saison und ganz besonderen Erinnerungen im Gepäck.

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