FAQs zum verlegten Testspiel gegen San Antonio
Der SV 98 beantwortet die wichtigsten Fragen zum verschobenen Testspiel der Lilien beim Kooperationspartner San Antonio FC.
Er oder ich? Für einen kurzen Moment scheint Serdar Dursun nicht glücklich. Zu gerne hätte er den Elfmeter geschossen, zu gerne hätte er seinen dritten Treffer an diesem Abend markiert. "Ich wollte Verantwortung übernehmen. Wir haben uns beide gut gefühlt, am Ende hat der Trainer entschieden", sagt der Lilienstürmer. Abgehakt. Tobias Kempe schoss und verwandelte. Und der erste Gratulant? Es war Serdar Dursun. Er rannte zum Torschützen, umarmte ihn und freute sich über den Treffer zum 4:0. Eine Reaktion, die sinnbildlich für den ersten Heimdreier des SV Darmstadt 98 am Böllenfalltor steht. Es gibt kein er oder ich, nur ein wir.
Kempe schießen zu lassen, sei keine Entscheidung gegen Dursun gewesen. Nein, es war eine Entscheidung für die Mannschaft. “Tobi hat den ersten sicher verwandelt. Es gab keinen Grund, das zu ändern”, betonte Markus Anfang, der Dursun kurz danach zu sich rief. Beide umarmten sich an der Seitenlinie. “Ich habe ihn zu mir geholt, um ihm ein gutes Gefühl zu geben”, so der Cheftrainer der Lilien nach dem ersten Heimsieg in dieser Saison im Merck-Stadion am Böllenfalltor. Ein Sieg, der allen Beteiligten extrem gut tat nach zuletzt zwei Niederlagen in Folge.
Es war ein Gemeinschaftssieg, der sich nicht zuletzt auch in diesen beiden Szenen widerspiegelte. Die Lilien setzten ihren Plan über fast die gesamte Spielzeit konsequent um: Sie rannten, waren giftig in den Zweikämpfen, waren defensiv aufmerksam und offensiv effizient. “Wir haben eine unglaubliche Power entfacht”, analysierte Tobias Kempe. Diese war spürbar – nicht nur am Bölle, sondern auch vor den Bildschirmen. Die Lilien waren von der ersten Sekunde an voll in der Partie.
„Das waren wir speziell den Fans schuldig“
“Nach den letzten beiden Spielen wollten wir eine Reaktion zeigen”, sagte Dursun. “Das waren wir speziell den Fans schuldig”, ergänzte Nicolai Rapp. Umso glücklicher erstrahlten die Gesichter der Darmstädter, als dies gleich in den ersten Minuten gelang. Erst Kempe, dann Dursun – der erste Doppelschlag. Vor der Halbzeitpause folgte der zweite – erst Dursun, dann Kempe. Genau diese Konsequenz vor dem gegnerischen Tor hatte der SV 98 zuletzt noch vermissen lassen. Besonders im Fokus stand in den vergangenen Wochen die anfällige Defensivarbeit. Sieben Gegentore in zwei Spielen waren zuletzt Ausdruck dieser Schwäche. Doch die Reaktion darauf konnte sich sehen lassen. Ein Zu-Null-Sieg war Ausdruck dieser Stärke.
“Wir haben auch nach dem 4:0 weitergespielt, sind in den Zweikämpfen voll da gewesen und wollten unbedingt die Null halten”, erklärte Nicolai Rapp. Trotz deutlicher Führung warfen sich die Blau-Weißen in jedes Eins-gegen-Eins. Sie kämpften, fighteten jedem Ball hinterher und packten auch mal die Grätsche aus. Gemeinschaftlich. Und jeder gewonnene Zweikampf wurde gefeiert, sich gegenseitig – im ganzen Stadion hörbar – nach vorne gepusht. Etwa Mitte des zweiten Durchgangs, als Marvin Mehlem einem verlorenen Ball hinterher wetzte und den Ball körperbetont zurückeroberte. Oder als Fabian Schnellhardt an der Außenbahn noch einen Einwurf herausholte. Beispiele gab es zuhauf.
Nicht überbewerten, sondern weitermachen
Der Sieg gegen Braunschweig, es war ein deutlicher Schritt in die richtige Richtung. Vier Tore, 76 Prozent Ballbesitz, 802 gespielte Pässe mit einer Passquote von 90 Prozent angekommener Bälle. “Wir haben ein geiles Spiel gemacht”, betonte Kempe, schob allerdings sofort hinterher: “Mehr aber auch nicht. Auf diesem Sieg ruht sich keiner aus.” Den Heimerfolg wollte am Freitagabend keiner der Beteiligten überbewerten. Schließlich stecken die Lilien mitten in einer noch sehr langen Saison. Weitere, schwere Aufgaben warten.
Eine davon schon am kommenden Freitag (4.12., 18.30 Uhr). Dann gastiert der SV 98 bei Fortuna Düsseldorf, dem Absteiger aus der Fußball-Bundesliga. Doch die Lilien haben Blut geleckt und fahren mit dem nötigen Selbstvertrauen dorthin. Was dieses Selbstbewusstsein bewirken kann, hat der Freitagabend am Bölle gezeigt. Die Marschroute ist also klar. “Wir wollen jetzt nicht wieder mal ein Spiel gewinnen, dann wieder verlieren oder Unentschieden spielen. Wir wollen weiter drei Punkte holen”, sagt Rapp über die Zielsetzung in den kommenden Wochen. Ein Sieg soll die Reaktion auf den Sieg über Braunschweig sein. Egal, wer auf dem Platz steht. Egal, wer die Tore schießt. Die maximale Zählerausbeute wollen sich die Lilien auch in Düsseldorf krallen. Gemeinsam.