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07.06.2017 / Allgemein

„Eine tolle Geschichte, dass ich nun hier spielen darf“

Für einen Dänen sei das heute ein traumhafter Tag, erklärt Patrick Banggard schmunzelnd, während er bei strahlend blauem Himmel, Sonnenschein, aber gerade mal sieben Grad die Mathildenhöhe erkundet. Der 23 Jahre alte Innenverteidiger ist schnell warm geworden mit seiner neuen Heimat. Im Interview mit dem Lilienkurier spricht Patrick über seine Kindheit auf einer Insel, seinen rasanten sportlichen Werdegang und die typischen Eigenschaften eines Skandinaviers.

Lilienkurier (LK): Patrick, die Mathildenhöhe ist so etwas wie das Wahrzeichen von Darmstadt. Wie hast du dich hier eingelebt?
Patrick Bangaard (Patrick): Ich fühle mich sehr wohl und finde auch die Stadt an sich wirklich schön. Für mich ist Darmstadt sogar so etwas wie eine Großstadt – also nach den Städten, in denen ich bislang gelebt habe (lacht). Ich bin bereits an der Mathildenhöhe gewesen, war mit meiner Freundin und meinem Hund eine Runde spazieren. Überhaupt bin ich überrascht, wie viele Parks und grüne Flächen es in Darmstadt gibt.
LK: Mittlerweile hast du auch die eigenen vier Wände bezogen…
Patrick: Das war mir schon wichtig. Die ersten Tage im Hotel sind okay, aber ich wollte dann doch meinen eigenen Rückzugsort. Dort kann ich so sein, wie ich bin, habe meine Ruhe und kann beispielsweise kochen, was ich gerne mache. Und natürlich kann ich mich besser auf den Sport konzentrieren, wenn ich einen Ort habe, an dem ich mich wohl fühle.
LK: Wichtig ist auch die deutsche Sprache. Du bist bereits dabei, sie zu lernen. Wie läuft‘s?
Patrick: Wir konnten in der Schule damals zwischen Spanisch, Französisch und Deutsch als zweiter Fremdsprache wählen. Glücklicherweise habe ich damals Deutsch gewählt und konnte bereits ein paar Basics, als ich hergekommen bin. Jetzt habe ich wöchentlich Unterricht, und es wird auch immer besser. Wenn die Leute langsam sprechen, dann verstehe ich das meiste.
Wie klappt die Verständigung auf dem Feld?
Patrick: Die Fußballbegriffe sitzen, da verstehe ich die Anweisungen sowohl auf Englisch als auch in Deutsch. Wenn ich selbst Kommandos gebe, dann kommt es auf meinen Nebenmann an. Grundsätzlich geht das bereits in beiden Sprachen.
LK: Irritationen gibt es oftmals über deinen Namen. Für alle im Verein bist du Patrick Banggaard, auf den offiziellen Aufstellungen steht regelmäßig Patrick Jensen. Was stimmt denn nun?
Patrick: (grinst) Ich trage beide Namen. Offiziell ist Banggaard eine Art Mittelname und Jensen mein Nachname. Aber im Fußball bin ich überall als Patrick Banggaard bekannt. Beides sind Familiennamen, Banggaard ist der Nachname meiner Mutter und Jensen der meines Vaters.
LK: Du stammst von der Insel Fünen. Wie bist du dort aufgewachsen?
Patrick: Fünen ist eine wirklich schöne Insel, auch ein sehr beliebter Urlaubsort. Ich bin in Otterup Sogn geboren und aufgewachsen, einem kleinen Örtchen rund 20 Minuten von der Küste entfernt. Die Insel ist insgesamt hügelig und sehr grün. Eine wirklich schöne Umgebung für ein Kind. Ich habe noch einen Bruder und eine Schwester und kann nur positiv an meine Kindheit zurückdenken.
LK: In der du sicherlich viel Zeit in der Natur verbracht hast…
Patrick: Hauptsächlich auf dem Fußballplatz. Wir haben nach der Schule gespielt, eigentlich jeden Tag. Otterup ist zwar nur ein 5000-Seelen-Dorf, aber einen Fußballplatz und einen Verein gab es trotzdem. Der Otterup B&IK war mein erster Verein.
Dänemark wurde 1992 sensationell Europameister. Du bist 1994 geboren. War der Fußball-Hype damals so riesig, dass jeder Junge kicken wollte?
Patrick: Auch wenn ich noch nicht auf der Welt war, als der Titel gewonnen wurde, weiß ich, dass dieser Titel für extreme Begeisterung gesorgt hat. Die Dänen reden ja heute noch ständig von diesem Erfolg (lacht). Ich persönlich habe damit begonnen, weil mein Vater Fußball gespielt hat und weil ich mich sehr schnell in diesen Sport verliebt habe.
LK: Kein Wassersportler als Insel-Junge?
Patrick: Nein, ehrlich gesagt bin ich kein guter Schwimmer (lacht). Parallel zum Fußball habe ich anfangs auch Handball gespielt, wie so ziemlich jeder Junge in Dänemark. Aber Fußball hat mir einfach mehr Spaß gemacht, mehr in mir ausgelöst.
LK: Der Traum vom Profi spukte also früh in deinem Kopf?
Patrick: Ich dachte ständig daran, wie es wäre, später einmal in großen Stadion zu spielen, vor vielen Fans und auf dem höchsten Level. Umso schöner ist es, heute hier zu sitzen und diesen Traum zu leben. Dafür bin ich sehr dankbar, aber es liegt auch noch eine Menge Arbeit vor mir.
LK: Anfangs hat dein Weg dich immer ein Stück weiter von zu Hause weggeführt. Zunächst zum Fjordager IF im naheliegenden Odense, dann nach Vejle und schlussendlich zum FC Midtjylland.
Patrick: Der größte Schritt war der Wechsel in den Nachwuchs von Vejle, das etwa 80 Kilometer von meiner Heimat entfernt liegt. Ich war 15 und habe dort dann ein Internat besucht. Das Schulsystem in Dänemark unterscheidet sich von dem deutschen: Zunächst gehen alle Kinder neun Jahre lang auf eine Vorschule, bevor sie entweder direkt auf ein Gymnasium wechseln oder ein weiteres Jahr auf eine Nachschule gehen, um eine Art Realschulabschluss zu machen. Den letzteren Weg bin ich in Vejle gegangen. Die Nachschule ist immer ein Internat, wo die Schüler leben und eben auch zur Schule gehen. Danach habe ich dann mit einem Teamkollegen zusammengewohnt und mein Abitur gemacht.
LK: In Vejle wurdest du zum Junioren-Nationalspieler Dänemarks. Hast du allmählich gemerkt: Der Traum vom Profi kann wahr werden?
Patrick: Mit meinem Wechsel nach Vejle wurde es langsam ernst (grinst). Aber natürlich war die Profikarriere damit nur ein ganz kleines Stück nähergekommen. Die Juniorenteams waren ein weiterer Schritt, genau wie die Spiele für die erste Mannschaft von Vejle in der zweiten Liga. Aber wirklich klar war es mir erst, als ich 2013 meinen ersten Profivertrag beim FC Midtjylland unterschrieb.
LK: Dabei wäre es fast 2012 schon soweit gewesen. Allerdings hätte der Verein damals Mainz 05 geheißen.
Patrick: Ich habe von den großen Ligen geträumt und davon, vielleicht einmal im Ausland zu spielen. Damals war ich allerdings noch sehr jung und das Probetraining in Mainz lief dann auch nicht ganz so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Aber obwohl es nur drei Tage waren, hat mich diese Erfahrung weitergebracht und mir vor allem das Level vor Augen geführt, dass es braucht, um in einer solchen Liga spielen zu können.
LK: Also hast du in Midtjylland an diesem Level gearbeitet und bist mit 21 dänischer Meister geworden…
Patrick: Dieses Gefühl ist schwer zu beschreiben. Es war die erste Meisterschaft der Vereinsgeschichte und auch für mich persönlich fühlte es sich unglaublich gut an, weil ich viele Spiele gemacht hatte und damit wirklich auch einen gewissen Anteil zu diesem Erfolg beitrug.
LK: Insgesamt hast du 110 Pflichtspiele für Midtjylland bestritten, bevor du nach Darmstadt gewechselt bist. Eine stolze Zahl für jemanden, der gerade erst 23 geworden ist.
Patrick: Über 100 Spiele für einen Verein zu machen, das ist schon etwas Besonderes und macht mich auch ein wenig stolz. Ich habe schon recht viel Erfahrung für mein Alter, das hilft natürlich in den Spielen, aber der Schritt in die Bundesliga ist trotzdem ein großer gewesen. Primär sportlich, aber auch neben dem Platz, wo ich meine Familie und Freunde zurücklassen musste und nun eben in einem anderen Umfeld aktiv bin.
LK: Du wirst dir sicherlich auch deine Gedanken gemacht haben, bevor du hier unterschrieben hast…
Patrick: Ich wusste schon, dass viele neue Dinge auf mich zukommen. Die Bundesliga, ein absolutes Top-Level, enormes Tempo und starke Gegenspieler.
LK: Vor dem Wechsel habe ich mir hier alles angeschaut, habe das Stadion gesehen, den Trainerstab kennengelernt und wusste danach, dass dieser Verein sehr gut zu mir passt.
LK: Zumal Skandinavier auch als überlegte, ruhige Typen gelten, die nur wenig aus der Fassung bringt…
Patrick: Dann bin ich ein typischer Skandinavier (lacht). Aber ich denke auch, dass die Eigenschaften dabei helfen, überlegte und passende Entscheidungen zu treffen und auch von Vorteil sind, um sich in einem neuen Umfeld einzuleben.
LK: Dieses Umfeld heißt nun Bundesliga…
Patrick: Eine der besten Ligen der Welt. Das ist schon eine tolle Geschichte, dass ich nun hier spielen darf. Aber ich weiß genau, dass ich noch extrem viel lernen kann und das auch jeden Tag tue. Die Spiele, die ich bislang machen durfte, waren super Erfahrungen, und es freut mich, dass ich so schnell meine Chance erhalten habe.
International vertrittst du seit der U16 die Farben deines Landes. Immer wieder ein besonderes Gefühl?
Patrick: Ein großartiges Gefühl. Das wird auch nicht weniger großartig, weil ich seit ein paar Jahren dabei bin. Es ist jedes Mal eine Ehre, für das eigene Land zu spielen. Ich durfte sogar einige Male die Kapitänsbinde tragen, das sind dann ganz besondere Momente.
LK: Dänemark ist bekannt für starke Innenverteidiger,früher war es Martin Laursen beim AC
Milan, zuletzt Daniel Agger vom FC Liverpool oder Simon Kjaer, der auch in Wolfsburg spielte. Aktuell sind es die Gladbacher Christensen und Vestergaard. Woher kommt die Qualität auf dieser Position? Wollen dänische Jungs eher Tore verhindern, anstatt sie zu erzielen?
Patrick: Ich weiß es nicht (lacht). Aber es stimmt, speziell auf dieser Position ist Dänemark seit Jahren sehr gut aufgestellt. Ich persönlich habe in meiner Jugend auf vielen unterschiedlichen Positionen gespielt und bin schlussendlich hinten gelandet. Ich war schon immer sehr groß – natürlich ein grund-legendes Kriterium für die Innenverteidiger-Position. Als Kind war der Vorteil noch größer, wenn man beim Kopfball alle anderen überragt (grinst).
LK: Du hast einen Vertrag bis 2020 unterschrieben, siehst deine nähere Zukunft also auch in Deutschland und speziell bei den Lilien.
Patrick: Auf jeden Fall. Darmstadt hat eine gute Zukunft vor sich und ich hoffe darauf, einen wichtigen Teil dazu beitragen zu können.

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