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16.05.2022 / Allgemein

Enttäuschung weicht Stolz

Es waren Szenen voller Traurigkeit, als gerade das Endergebnis zwischen Hansa Rostock und dem Hamburger SV rüber ins Merck-Stadion am Böllenfalltor schwappte. Denn in diesem Augenblick war klar: Die Lilien, sie spielen auch im kommenden Jahr in der 2. Bundesliga. Der große Traum vom Aufstieg, er war genau in diesem Moment geplatzt. Und so kullerten sie nur so die Wangen der Darmstädter Protagonisten herunter, die großen Tränen. Die einen hielten die Hände vors Gesicht, die anderen zogen ihr Trikot über den Kopf und sackten weinend auf dem Rasen zusammen. Die Enttäuschung, sie musste einfach raus.

Foto: Stefan Holtzem

Doch so schnell der „Stich ins Fußballherz“ (Marcel Schuhen) und die große Traurigkeit nach dem 3:0-Heimsieg des SV Darmstadt 98 gegen den SC Paderborn auch gekommen waren, so schnell wichen sie dem Gefühl des Stolzes. Getragen von einer auch nach dem Spiel unfassbaren Atmosphäre im heimischen Stadion wurde den Lilien von den Rängen deutlich gemacht, was sie in dieser Saison so Herausragendes geleistet hatten. Mit 60 Punkten auf dem Konto landete der SV 98 im Gesamtklassement auf dem vierten Rang – punktgleich mit den drittplatzierten Rothosen aus der Hansestadt, allerdings dem um lediglich sieben Treffer schlechteren Torverhältnis.

Von Bestwerten…

“Ich ziehe den Hut vor allen, die daran mitgearbeitet haben, dass wir 60 Punkte erreichen konnten”, erklärte Torsten Lieberknecht auf der Pressekonferenz nach der Partie und ergänzte: “Die Jungs dürfen stolz sein. Mit dem Wissen, was wir in dieser Saison geleistet haben und welche Hürden wir überspringen mussten, ist das Wort ‚Stolz’ der richtige Ausdruck.” Schließlich sammelten die Lilien die beste Punkteausbeute seit der Saison 2013/14, stellten mit bemerkenswerten 71 erzielten Saisontoren hinter Zweitliga-Meister Schalke (72) die zweitbeste Offensive des Wettbewerbs und sorgte für so zahlreiche Fußballfeste. Gerade vor heimischer Kulisse, wo die Lilienfans den Ligabestwert von 42 Heimtoren bejubeln durften.

Dabei fing die Saison doch unter so schwierigen Bedingungen mit zwei Niederlagen und ohne eigenen Treffer sowie dem Pokalaus bei 1860 München an. Der SV Darmstadt 98 aber hat Steh-Auf-Mentalität bewiesen – und das gleich mehrfach. Fabian Holland: “Es ist Wahnsinn, wie oft wir in diesem Jahr wieder aufgestanden sind, der Teamgeist war unglaublich, auch die Bindung zwischen Mannschaft und Fans.”

… und blau-weißem Feingefühl

Genau diesen Einsatz und diese Leidenschaft des Teams über die komplette Spielzeit hinweg wurde auch von der Darmstädter Anhängerschaft am Sonntagnachmittag am Böllenfalltor gewürdigt. Natürlich waren die Fans ebenfalls enttäuscht, verständlich bei dem denkbar knappen Ausgang im Kampf um die oberen Plätze. Doch realisierten auch sie schnell, wie viel Spaß ihnen diese blau-weiße Truppe bereitet hatte. “Unsere Fans sind unfassbar feinfühlige und tolle Menschen, die honoriert haben, was wir in diesem Jahr geleistet haben. Ohne die Fans wäre diese Saison überhaupt nicht möglich gewesen”, betonte Schuhen. “Ich habe noch nie so eine Atmosphäre in einem Stadion erlebt, dabei haben wir aktuell nur drei Tribünen hier am Bölle”, sagte er mit Blick auf die Szenen nach Abpfiff.

Die Symbiose zwischen den Menschen auf den Rängen und den Protagonisten unten auf dem Feld war es auch, die diese Saison so besonders machte. Gemeinsam haben Fans und Mannschaft gezeigt, “dass auch der ‚kleine‘ SV 98 alles erreichen kann, wenn der komplette Verein zusammensteht”, merkte der Torhüter der Lilien lobend an.

Diese Energie und diesen Zusammenhalt gilt es nun, mit in die kommende Spielzeit zu nehmen. Die Bilder um die Wirkung der Gemeinschaft nach 22/23 zu transportieren. Denn den Grundstein für eine hoffentlich erfolgreiche Zukunft haben die Verantwortlichen am Böllenfalltor gelegt – offensiver Fußball, taktische Variabilität und ein leidenschaftliches Auftreten, mit welchem sich Fans und Stadt identifizieren können. Zudem wurden bereits vor Saisonende die Verträge gleich zahlreicher Spieler verlängert. “Das ist eine Basis, mit der wir arbeiten können”, sagte Lieberknecht. Seine Mannschaft stehe für Kontinuität ohne hohe Fluktuation, so der Cheftrainer des SV 98 weiter. Gründe genug also, um nach dieser herausragenden Spielzeit, aber auch dieser kurzen Enttäuschung nach Abpfiff des 34. Spieltags wieder mit positiven Gefühlen in die Zukunft zu blicken. Lieberknecht: “Ich freue mich schon jetzt auf das, was kommt”.

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