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21.12.2017 / Allgemein

„Es ist ein Traum, für Darmstadt zu spielen“

Anonym kann Yannick Stark nicht über den Darmstädter Weihnachtsmarkt gehen. Ein Foto hier, ein kurzer Plausch da – der Mittelfeldspieler wird erkannt und angesprochen. Kein Wunder, denn der 27-Jährige ist ein waschechter Heiner im Kader der Lilien. Mit dem Lilienkurier sprach der Lockenkopf über das Gefühl, für den Heimatverein zu spielen, die verschiedenen Erfahrungen seiner Karriere und die Weihnachtszeit.

LK: Lilienkurier: Yannick, wir sind auf dem Weihnachtsmarkt in Darmstadt. Sicher nicht das erste Mal, dass du hier vorbeischaust?
Yannick Stark (Yannick): Stimmt, den Markt in Darmstadt habe ich schon ein paar Mal besucht. Allerdings bin ich kein begeisterter Weihnachtsmarkt-Gänger und auch Glühwein schmeckt mir nicht besonders gut. Aber ab und zu bin ich trotzdem hier gewesen. Nur der Eigenantrieb fehlt ein wenig.
LK: Überhaupt gibt es sicherlich wenig Ecken in Darmstadt, die dir unbekannt sind. Wärst du ein guter Fremdenführer?
Yannick: Das glaube ich schon. Historisch kenne ich vielleicht nicht jedes bedeutende Datum oder weiß genau, wann welche Kirche erbaut wurde, aber die Hotspots oder Restaurants kann ich mit Sicherheit näherbringen.
LK: Umgekehrt bist du auch den meisten Heinern ein Begriff. Ein schönes Gefühl, als gebürtiger Darmstädter durch die Heimatstadt zu gehen?
Yannick: Es ist auf jeden Fall etwas Besonderes. Ich spiele für den Verein meiner Heimatstadt, für den ich natürlich eine besondere Affinität habe. Und da freut es mich schon, erkannt zu werden, angesprochen zu werden und mich über die Lilien zu unterhalten.
Das Spiel gegen Regensburg fällt auf den 1. Advent. Bedeutet die danach folgende Zeit eher Stress oder auch ein wenig Entspannung und Weihnachtsvorbereitung für dich?
Yannick: Von beidem ein bisschen. Es ist natürlich schön, wenn in der Winterpause dann ein wenig Ruhe einkehrt und ich Zeit mit der Familie verbringen kann. Der Stress kommt beim Geschenkekauf, da bin ich wirklich schlecht darin, etwas Passendes auszusuchen. Meistens werden es dann irgendwelche Panikkäufe (grinst). Insgesamt ist es aber eine schöne Zeit, in der ich versuche, zu mir zu kommen und auch zu reflektieren kurz vor dem Jahreswechsel. Und meine Mutter backt sehr gute Plätzchen (lacht).
LK: Wie feierst du Weihnachten?
Yannick: Wir feiern in Würzburg bei meiner Schwester und ihrem Ehemann. Da sind dann auch meine Eltern und seine Eltern dabei, das ist eine gemütliche Runde. Meine Schwester hat am 25. Dezember Geburtstag, da feiern wir dann quasi direkt noch rein.
LK: Gibt es ein traditionelles Essen?
Yannick: Geflügel, aber die Beilagen wechseln jährlich. Dafür ist aber glücklicherweise meine Schwester zuständig und ich muss nicht an den Herd (schmunzelt).
LK: Zudem endet auch das Spieljahr 2017 am 17. Dezember. Wie wichtig ist die Zeit zum Durchschnaufen, die für ein paar Tage folgt?
Yannick: Es ist gut, abschalten zu können. Ich trainiere sehr gerne und fühle mich auch in der Stadt und der Mannschaft pudelwohl, aber trotzdem ist es für jeden schön, Zeit bei der Familie zu verbringen und mal Dinge außerhalb des Platzes zu sehen. Ich habe natürlich den Vorteil des Einheimischen, aber speziell für die Spieler, die aus anderen Teilen Deutschlands oder dem Auslandkommen, ist es toll, zum Jahresende in der Heimat zu sein. Dem Kopf tut das schon gut.
Am Ende eines Jahres blickt jeder Mensch natürlich auch auf die vergangenen 12 Monate zurück. Rein sportlich ist bei dir einiges passiert…
Yannick: Es war ein Auf und Ab. Das erste Halbjahr beim FSV Frankfurt mit dem Abstieg war natürlich keine schöne Zeit, auch wenn es für mich persönlich ganz ordentlich gelaufen ist. Die zweite Jahreshälfte ist für mich aber umso schöner, weil ich mir in meinem Verein einen Platz erarbeiten konnte und insbesondere zu Saisonbeginn ist es auch wirklich gut gelaufen. Ich hoffe natürlich, dass wir die letzten drei Spiele in diesem Jahr noch möglichst erfolgreich gestalten können.
LK: Hättest du ein solches Jahr zum Jahresbeginn erwartet?
Yannick: Der größte Wunsch ist immer, gesund zu bleiben. Das ist bislang glücklicherweise auch eingetroffen. Natürlich habe ich mir gewünscht, meinen Teil im Team beizutragen und mich zu entwickeln. Da strebt jeder Sportler das Maximum an und ich kann mit dem Jahr ganz zufrieden sein.
LK: Den Abstieg mit dem FSV Frankfurt hast du bereits erwähnt. Trotzdem warst du dort Stammspieler und hast 8 Tore erzielt…
Yannick: Für mich persönlich war es wichtig, Spielrhythmus und Selbstvertrauen zu bekommen. Mit den Toren und Vorlagen war meine Bilanz auch okay, aber der FSV ist für mich schon ein besonderer Verein. Ich bin generell ein Typ, der sich schnell mit seinem Team identifizieren kann und dann tut so ein Versagen auf Mannschafts- und Vereinsebene natürlich weh.
LK: Vor der aktuellen Saison hast du sehr früh mit der Vorbereitung angefangen und bereits vor Trainingsstart individuell mit einem Coach gearbeitet…
Yannick: Fitness ist eine Hauptkomponente, um erfolgreich arbeiten zu können. Ich wollte für die Chance nichts unversucht lassen und mir auch nichts nachsagen lassen. Rückblickend war es ein wichtiger Baustein, dass ich körperlich fit beim Auftakt erschienen bin und auch im Kopf frei war. So konnte ich die gebotene Chance nutzen.
LK: Wie zufrieden bist du mit der Anzahl an Einsätzen und auch den drei Treffern, die du bereits erzielt hast?
Yannick: Mit den Toren kann ich zufrieden sein, auch, wenn jede Bilanz ausbaufähig ist. Über die Spielzeit freue ich mich, aber auch dort strebe ich nach mehr. Es gibt nichts Schöneres, als auf dem Platz zu stehen und jede Minute mehr tut mir gut. Ich arbeite natürlich daran, noch öfter in der Startelf zu stehen und noch größere Spielanteile zu bekommen.
LK: Diese Erwartungen hattest du sicherlich schon Anfang 2015, als du von 1860 München zu den Lilien zurückgekommen bist. Auch das Umfeld sah in dir nicht nur den Rückkehrer, sondern auch einen Hoffnungsträger.
Yannick: Ich bin damals mit sehr großen Erwartungen und voller Elan und Vorfreude zurück zu den Lilien gewechselt. Natürlich hätte ich mir nicht mal erträumt, dass es so läuft. Aber auch wenn es schwer war, kann ich dieser Phase rückblickend auch etwas Positives abgewinnen. Persönlich haben mich die anderthalb Jahre definitiv weitergebracht, auch wenn ich gerne darauf verzichtet hätte.
LK: Wie hast du damals die Situation wahrgenommen?
Yannick: Das war schwierig, weil meine Karriere festhing zu dieser Zeit. Für die Mannschaft ist alles perfekt gelaufen. Erst der Aufstieg, dann der Klassenerhalt in der Bundesliga. Die Stimmung im Verein und der Stadt war unfassbar und für mich war es natürlich komisch, kein direkter Teil davon zu sein, sondern eher das fünfte Rad am Wagen.
LK: Umso schöner, dass es quasi bei der zweiten Rückkehr funktioniert?
Yannick: Es ist seit dieser Saison genauso, wie ich es mir von Beginn an gewünscht habe. Der Verein hat rundherum eine riesige Entwicklung genommen, damit war bei meinem Wechsel damals überhaupt nicht zu rechnen. Durch die Bundesliga wurden viele Weichen gestellt und aktuell ist es auch für mich zufriedenstellend, wie es läuft.
LK: Im Umfeld hast du dich immer wohlgefühlt. Trotzdem braucht jeder Fußballer sicherlich seine Einsätze, um das Leben außerhalb des Platzes genießen zu können…
Yannick: Absolut. Deswegen lieben wir diesen Beruf. Natürlich können nur elf Leute spielen und ich akzeptiere es absolut, mal auf der Bank oder der Tribüne zu sitzen. Aber damals gab es keine Perspektive, dass sich eine Chance für mich ergeben könnte. Das war relativ frustrierend und das lässt man dann auch ein wenig an der Familie und den Freunden aus. Trotzdem war es positiv, dass sie in meiner Nähe waren, aber leider hat mein Umfeld in dieser Zeit teilweise meine Laune zu spüren bekommen.
LK: Zu diesem Leben gehört auch dein Jugendverein SG Arheilgen. Dort schaust du noch des Öfteren vorbei?
Yannick: Genau, mein engster Freundeskreis ist dort aktiv, ich kenne viele Leute von früher. Egal, ob Platzwart oder Trainer. Wenn es die Zeit zulässt, dann geh ich dort vorbei.
LK: Ist es schön, im unruhigen Profifußball auf ein Umfeld zurückzugreifen, das seit Jahren besteht?
Yannick: Dann weiß ich sofort wieder, wo ich herkomme. Es ist immer interessant zu sehen, was dort abgeht und wie die Stimmung ist.
LK: Bist du dort der Lilien-Profi oder Yannick, der früher dort in der Jugend gespielt hat?
Yannick: Es gibt schon ein paar Kids, die ein wenig aufgeregt sind und sich nicht ganz an mich herantrauen. Aber ich bin ja niemand, der Allüren hat und sage den Bekannten von früher natürlich Hallo und unterhalte mich mit ihnen. Das ist kein Verhältnis, in dem ich etwas Besonderes bin oder die Leute zurückhaltend wären.
LK: Insbesondere bei 1860 München hast du gemerkt, was ein unruhiges Umfeld und Vereinsleben bewirken kann. Wie wichtig ist der Ausgleich zur Hektik?
Yannick: Natürlich ist ein Ausgleich extrem wichtig. Der Fokus sollte zwar immer auf dem Fußball liegen, aber eine andere Beschäftigung daneben oder andere Gedanken tun natürlich gut. Für mich ist es hier natürlich super, weil sich durch Familie und Freunde viele Sachen ergeben. Aber auch in München habe ich versucht, abzuschalten und Energie zu tanken.
LK: Was machst du, um runterzukommen?
Yannick: Zeit mit der Familie und ich gehe öfter saunieren, allerdings nicht in unserer Münzsauna (lacht).

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