FAQs zum verlegten Testspiel gegen San Antonio
Der SV 98 beantwortet die wichtigsten Fragen zum verschobenen Testspiel der Lilien beim Kooperationspartner San Antonio FC.
Den bestmöglichen Schutz vor feindlichen Angriffen soll sie bieten. Eine Festung. Sie dient zum einen der Verteidigung. Beständigkeit und Stabilität sind ihre Eigenschaften. Doch kann sie zum anderen auch als Ausgangspunkt für Offensiven dienen. Bestenfalls sollte eine Festung uneinnehmbar sein. Und das Merck-Stadion am Böllenfalltor? Es ist seit vier Spielen uneinnehmbar. Das Bölle, es ist zur Festung geworden. Angriffe prallen an ihr ab, eigene Offensiven versprechen Erfolge. So gegen Ingolstadt, Hannover und Dresden. So auch am 10. Spieltag der 2. Bundesliga gegen den SV Werder Bremen.
Der 3:0-Erfolg gegen den Bundesliga-Absteiger und einem der Aufstiegsaspiranten war bereits der vierte Heimsieg des SV Darmstadt 98 in Folge. Mit bemerkenswerten 14:1 Toren und insgesamt zwölf Punkten bugsierten sich die Lilien in den vergangenen vier Partien im Merck-Stadion am Böllenfalltor auf Platz zwei der Heimtabelle. Nur Zweitliga-Spitzenreiter St. Pauli holte zuhause einen Sieg mehr und traf einmal öfter. „Schon beim Aufwärmen hat man gesehen, was hier für eine Stimmung herrscht. Das war Wahnsinn“, verdeutlichte Fabian Holland nach Abpfiff. Fans und Mannschaft ließen schon weit vor dem Anpfiff keine Zweifel aufkommen, wer in der Festung Böllenfalltor das Sagen hat.
„… dann pusht das nochmal extrem“
Denn zwischen der blau-weißen Anhängerschaft auf den Rängen und dem Team auf dem Rasen ist eine Symbiose entstanden. Sie sorgt dafür, dass die Lilien ihre Heimspiele gewinnen können. „Die Fans können sich mit dem identifizieren, was wir auf dem Rasen anbieten“, freute sich Torsten Lieberknecht. Seine Mannschaft wurde auch gegen Werder Bremen von den Zuschauern frenetisch unterstützt. Mit 13.000 Fans – so viele wie seit fast zweieinhalb Jahren nicht mehr – war das Böllenfalltor unter Corona-Bedingungen ausverkauft. Luca Pfeiffer: „Wenn du vor so vielen Fans spielst, dann pusht das nochmal extrem.“
Die Rahmenbedingungen in der Festung Bölle stimmten, doch dauerte es bis kurz vor dem Pausenpfiff, ehe der traumhafte Distanzschuss des Lilien-Kapitäns das Stadion erstmals zum Beben brachte. Bis dahin waren die Darmstädter zwar spätestens ab Mitte des ersten Durchgangs die überlegene Mannschaft. „Doch haben wir unsere Aktionen nicht sauber genug zu Ende gespielt“, so Holland. Mal kleinere Nachlässigkeiten im Passspiel, mal fehlende Präzision im Abschluss oder mal ein Bremer Bein dazwischen. Durch sowas aber lassen sich die Südhessen nicht aus dem Konzept bringen. Holland: „Uns zeichnet aus, dass wir und davon nicht verrückt machen lassen.“
Von Top-Werten, Gefühlen…
Schließlich wissen die Lilien um ihre Stärken. Die so positiven Merkmale ihres Spiels sind es, die für Selbstvertrauen sorgen – über 90 Minuten hinweg. „Wir wissen, dass wir vorne enorme Qualität haben und nicht viele Torchancen brauchen“, betonte der Kapitän des SV 98. Die Zahlen untermauern seine Aussage: Mit 24 Saisontoren stellen die Lilien die beste Offensive des Wettbewerbs. Jeder fünfte bis sechste Torschuss ist ein Treffer – kein anderes Team der Liga hat so eine Quote. Und auch die beiden Stürmer der 98er sind mit acht (Tietz) und sieben (Pfeiffer) Treffern unter den Top-5 der erfolgreichsten Zweitliga-Schützen 2021/22. Zudem steht auch die Defensive stabil und hielt in den vergangenen drei Heimspielen stets die Null. Pfeiffer betonte darum: „Heute hatte ich das ganze Spiel über das Gefühl, dass uns nichts passieren kann. Weil wir extrem gut standen und hinten alles wegverteidigt haben.“
So deutlich wie das 3:0 am Ende aber auf der Ergebnistafel aufleuchtete, war es während der 90 Minuten allerdings nicht. Auch gab es Phasen in der Partie, in denen das Spielgeschehen durchaus in Richtung der Bremer hätte kippen können – gerade nach dem Seitenwechsel. „Aber wir haben unsere Chancen genutzt und zu den richtigen Zeitpunkten getroffen. Dadurch war es im Endeffekt ein verdienter Sieg“, analysierte Pfeiffer, der mit seinem Doppelpack im zweiten Durchgang endgültig die Weichen für den zweiten Dreier in Folge stellte.
… und Zusammenhalt
Etwas, was den Lilien zuvor in dieser Saison noch nicht gelang. Doch ließen sich die Blau-Weißen vom 6:1-Erfolg in Sandhausen nicht blenden. Stattdessen arbeitete die Mannschaft während der zweiwöchigen Länderspielpause extrem hart. Kein Zurückblicken, stattdessen Fokus auf das nächste Spiel. Ein Verhalten, welches auch Lieberknecht lobte, der sowohl auf als auch neben dem Platz ein echtes Team zusammenwachsen sieht. Holland unterstrich: „Dass wir alle zusammenhalten, macht uns momentan aus.“ Darum jubelte er bei seinem Treffer auch nicht allein, sondern demonstrativ mit dem gesamten Team, inklusive Trainerbank.
„Man sieht, dass wir auf einem guten Weg sind“, ergänzte Pfeiffer, merkte aber gleichzeitig an: „Allerdings fehlt uns noch die Konstanz. Gerade wenn man sich die Auswärtsspiele in Heidenheim oder Rostock anschaut.“ Konstanz in ihr Spiel zu bringen, das wird die nächste Aufgabe der Lilien sein – anzugehen schon am kommenden Samstag (23.10., 13.30 Uhr), wenn der SV 98 bei Holstein Kiel gefordert ist. Beim Heimdebüt des neuen Kieler Trainers Marcel Rapp wollen die Lilien den Beweis antreten, dass es nicht nur im heimischen Merck-Stadion am Böllenfalltor flutscht. Sondern, dass man auch konstant gegnerische Burgen zum Einstürzen bringen kann.