FAQs zum verlegten Testspiel gegen San Antonio
Der SV 98 beantwortet die wichtigsten Fragen zum verschobenen Testspiel der Lilien beim Kooperationspartner San Antonio FC.
Ein wunderbarer Frühlingstag. Sonntag, 15.30 Uhr. Pünktlich zum Anpfiff, hoch oben über den Baukränen und Flutlichtmasten klart der Himmel auf. Die dichten Wolken entzerren sich, die Sonne scheint. Perfekte Rahmenbedingungen für das letzte Heimspiel der Saison im Merck-Stadion am Böllenfalltor. Das Wetter? Top. Die Leistung der Mannschaft? Fulminant. Das Ergebnis? Überragend. Nur die Fans, sie fehlen - schon die gesamte Spielzeit, doch an diesem Sonntag noch einmal mehr. "Ich will gar nicht wissen, was abgegangen wäre, wenn heute Zuschauer hier gewesen wären", sagte Serdar Dursun. Bei diesem Fußballfest der Lilien am Bölle.
Sie hätten auf den Tribünen nur für einen kurzen Moment gelitten – nur im Augenblick der frühen Führung des 1. FC Heidenheim. Alles, was danach kam, wäre Ekstase pur gewesen. “Speziell heute tut es noch einmal mehr weh, dass das Stadion leer bleiben muss. Sonst hätte es sicherlich noch einmal gebrannt”, war sich Fabian Holland sicher. Kein Wunder, schließlich hatten er und sein Team zuvor ein regelrechtes Feuerwerk abgebrannt und mit dem 5:1 ein Ausrufezeichen gesetzt. Und das gegen eine Mannschaft, die im letzten Jahr nur knapp in der Relegation zur 1. Bundesliga scheiterte. “Das ist keine Selbstverständlichkeit”, betonte Markus Anfang.
Vom Spirit im Team…
Doch seine Mannen ließen es genau nach einer solchen Selbstverständlichkeit aussehen. Weil sie mutig waren. Weil sie so selbstbewusst auftraten und mit solch einer Spielfreude agierten. Nicht einmal der Rückstand kümmerte dabei die Lilienelf. “Wir kennen das, wir packen das”, hatte Nicolai Rapp bereits nach dem 2:1-Auswärtserfolg in Hannover gesagt. Schon dort drehten die Darmstädter einen Rückstand in einen Sieg – genau wie gegen Bochum und so auch gegen Heidenheim. 21 Punkte, die der SV Darmstadt 98 nach gegnerischer Führung in dieser Saison einfuhr, sprechen für die Comeback-Qualitäten der Südhessen – Ligabestwert. Kein anderes Team des Wettbewerbs punktete so häufig nach Rückstand. Kein anderes Team holte nach Gegentoren noch so viele Siege – sieben an der Zahl. Rapp dazu: “Der Spirit der Mannschaft stimmt einfach.”
Ein Spirit, den sich der SV 98 seit der 0:1-Niederlage im Februar gegen den Karlsruher SC immer stärker herauskristallisierte. Die Mannschaft raufte sich damals zusammen, schwur sich gemeinsam auf die kommenden Aufgaben ein. Auch taktisch veränderte das Trainerteam einige Stellschrauben. Anfang: “Wir haben den Baustein der Defensive nach dem KSC-Spiel nach vorne gestellt und dies beibehalten.” Es gab dem Team in einer schwierigen Phase die nötige Sicherheit, um sich aus den Tiefen der Tabelle zu befreien. Mit dem immer weiter steigenden Selbstbewusstsein dank zahlreicher Punkte kamen nach und nach dann auch wieder die spielerischen Elemente zurück. Umso mehr freute den Lilien-Cheftrainer der 5:1-Sieg gegen Heidenheim. “Der fußballerische Ansatz war heute der Kernpunkt, warum wir das Spiel gewonnen haben. Wir haben von hinten heraus Fußball gespielt, immer wieder fußballerische Lösungen gefunden und trotzdem aggressiv gegen den Ball gearbeitet”, analysierte Anfang, dessen Team vor allem in der Rückrunde eine brutale Effektivität vor dem gegnerischen Gehäuse auszeichnet.
Das beste Beispiel dafür: Serdar Dursun. Der Stürmer des SV 98 hatte noch nach 17 Spielen der Hinserie neun Tore auf dem Konto, mittlerweile sind es sagenhafte 25 und er damit der führende Torschütze der 2. Bundesliga. Die Mannschaft suchte ihn an diesem Sonntag regelrecht in jeder Szene. Dank eindrucksvoller Vorarbeiten seiner Teamkollegen sowie seinem eiskalten Torjägerinstinkt traf er gegen Heidenheim gleich viermal. “Das ist nicht zu fassen”, rang er selbst um Worte.
… und der vielleicht besten Rückrunde der letzten Jahre
Dabei hatten sich die Lilien in der Hinrunde doch so oft den Vorwurf gefallen lassen müssen, vor dem Tor eben nicht eiskalt zu sein. “Wir haben in der Hinrunde viele Punkte liegen gelassen, weil wir im Sechzehner nicht gut genug waren. Das haben wir in der Rückrunde deutlich besser gemacht”, betonte der Darmstädter Chefcoach. 60 Treffer haben die Lilien mittlerweile auf der Habenseite – so viele wie seit gefühlten Ewigkeiten nicht mehr. Die zusätzliche Belohnung dafür folgte in Form von Punkten. Dursun: “Wir haben 23 Punkte in zehn Spielen geholt, das ist Wahnsinn.” Allein in den letzten vier Spielen gab es vier Siege am Stück – vereinseigener Rekord in dieser Saison. Auch sechs ungeschlagene Duelle in Folge gab es in dieser Spielzeit zuvor noch nicht.
Und die Lilien werden nicht müde, nach weiteren Rekorden zu gieren. Warum sollten sie auch? “Es gibt überhaupt keinen Grund, um jetzt nachzulassen”, verdeutlichte Holland. Schließlich kann die Mannschaft mit einem weiteren Sieg die beste Rückrunde der jüngeren Vereinsgeschichte spielen. 30 Zähler fuhren sie in dieser zweiten Saisonhälfte bereits ein, mehr als 33 waren es letztmals in der Drittliga-Aufstiegssaison 2013/14. Anfang unterstrich deshalb: “Wir werden alles daransetzen, die Rückrunde so abzuschließen, wie wir sie in den vergangenen zehn Spielen gestaltet haben.” Die letzte Gelegenheit dazu bietet der 34. Spieltag – auswärts bei Holstein Kiel. Während die Störche zwingend Punkte für den direkten Bundesliga-Aufstieg brauchen, geht es für die Lilien um die bestmögliche Platzierung in der Tabelle. Rapp: “Wir freuen uns jetzt auf ein geiles Spiel in Kiel.” Nur leider ohne Gästefans.