FAQs zum verlegten Testspiel gegen San Antonio
Der SV 98 beantwortet die wichtigsten Fragen zum verschobenen Testspiel der Lilien beim Kooperationspartner San Antonio FC.
Erst alle Mann nach links, dann alle Mann nach rechts. Und schließlich alle Mann nach vorn. Doppelhorn. Es ist das Lieblingslied nach siegreichen Spielen im Darmstädter Mannschaftskreis. Doch diesen gab es am Freitagabend nicht. Viel besser. Es ging schnurstracks vor die Südtribüne im Merck-Stadion am Böllenfalltor. Mannschaft, Trainerteam, Staff: Alle gemeinsam eingereiht, eingehakt. Und Phillip Tietz, sonst eine der lautesten Kehlen im Kreis, er durfte sich direkt vor der Fankurve etwas wünschen. Und zwar? Na, klar. Doppelhorn. Mit dem gesamten Stadion. “Es war eine Ehre für mich”, gestand er. Ein Gänsehautmoment.
“Dass die Fans es so enthusiastisch aufgenommen haben, war mir wirklich eine Ehre”, bedankte sich Tietz später am Mikrofon bei allen blau-weißen Doppelhorn-Sängern und -Tänzern. Es war das i-Tüpfelchen auf einer ohnehin schon wahnsinnigen Stimmung am Böllenfalltor, in welchem sich erstmals nach längerer Zeit wieder 11.000 Lilien-Fans versammelten. Und sie entfachten unter Flutlicht wieder einmal diese ganz besondere Bölle-Magie. Etwas, worauf sich Torsten Lieberknecht schon auf der Pressekonferenz vor der Partie freute: “Gemeinsam können wir hier eine große Wucht erzeugen”. So kam es auch.
“Unsere Fans hatten ein unglaubliches Gespür”
Dass der SV Darmstadt 98 im Heimspiel gegen 1. FC Heidenheim einen 0:2-Rückstand in einen 3:2-Sieg verwandelten, hatte besonders mit der Unterstützung von den Rängen zu tun. “Wir liegen 0:2 hinten und trotzdem pushen sie uns so nach vorne”, so die Worte von Tietz. Zudem betonte auch sein Cheftrainer: “Selbst nach 0:3 wäre mit Hilfe der Zuschauer noch alles möglich gewesen. Unsere Fans hatten ein unglaubliches Gespür dafür, dass das Spiel noch kippen kann.” Der Glaube an einen Dreier, er riss nie ab. Nicht bei den Fans, auch nicht bei der Mannschaft. Dabei zeigte die Anzeigetafel bis zur 77. Minute noch etwas ganz anderes an.
“Irgendwas hat immer gefehlt”, konnte es Tietz gar nicht so richtig greifen. Denn die Lilien waren von Beginn an gut im Spiel. Sie waren mutig, erspielten sich abermals eine große Zahl an Möglichkeiten. 23:13 Torschüsse für die Darmstädter zählten die Statistiker innerhalb der 90 Minuten. Mehr Ballbesitz (62:38 Prozent), die bessere Zweikampfquote (56:44 Prozent). Trotzdem waren es die eiskalten, aber sich in erster Linie auf die Defensive konzentrierenden Gäste, die sich lange auf der Siegerstraße befanden. Doch die Lilien zeigten “eine unglaubliche Energie und Moral”, wie Lieberknecht verdeutlichte. “Wir sind gegen das laufstärkste Team der Liga unfassbare 120 Kilometer gerannt. Die Mannschaft hat einen großen physischen Willen mitgebracht”, so der Cheftrainer weiter.
Von krasser Mentalität und Textsicherheit
Und seinen Mannen in Blau und Weiß reichten schließlich sechs wahnsinnige Minuten, um das Böllenfalltor so richtig zum Beben zu bringen. “Wir haben eine krasse Mentalität gezeigt”, fasste Tim Skarke stolz zusammen. Er erzielte in der 83. Minute den 3:2-Siegtreffer, nachdem Tietz zwei Zeigerumdrehungen zuvor für den Ausgleich gesorgt hatte. Dass die Darmstädter aber erst auf den Geschmack dreier Zähler kamen, lag vor allem auch am Schwung von der Bank. “Unsere Einwechslungen waren ein brutal wichtiges Zeichen”, analysierte Lieberknecht. Frisch ins Spiel gebracht, sorgten Marvin Mehlem mit seiner Vorlage und Aaron Seydel mit der Vollendung in Co-Produktion für den Anschlusstreffer. Es war bereits das neunte Jokertor des SV 98 in dieser Saison – nur Kiel hat mehr (11). Eine Statistik, die die Qualität des gesamten Kaders unterstreicht, aber auch deutlich macht, dass wirklich jeder Akteur in dieser Mannschaft wichtig ist – egal, ob in der ersten Elf oder zunächst auf der Bank.
Eine Tatsache, die jedem Selbstvertrauen gibt. Genau wie solche Siege in Dresden und eben jetzt gegen Heidenheim. Ein Grund nun plötzlich abzuheben, sieht Lieberknecht darin aber nicht. Ganz im Gegenteil. “Wir verfallen nicht in Träumereien, sondern werden uns weiter unsere Bodenständigkeit beibehalten.” Schließlich wartet wieder an einem Freitagabend (11.3./18.30 Uhr) die nächste knifflige Aufgabe auf die 98er. Der SV Sandhausen wird zu Gast sein. Nach der Freude über den Heidenheim-Sieg gilt es in der kommenden Woche, sich darauf zu fokussieren.
Und das Ziel ist dabei klar: Die drei Zähler erneut am Bölle behalten und diese mit den Fans feiern. Das passende Liedgut ist dafür spätestens seit dem gestrigen Abend ja auch schon gefunden. Erst alle Mann nach links, dann alle Mann nach rechts. Und schließlich alle Mann nach vorn. Doppelhorn. “Ich glaube, jetzt kennen alle den Text”, lächelte Tietz. Und falls nicht? “Dann können wir es ja vielleicht nochmal machen”, schob er augenzwinkernd hinterher. Der kommende Freitagabend unter Flutlicht vor hoffentlich erneut ausverkauftem Haus, er würde sich dafür anbieten.