FAQs zum verlegten Testspiel gegen San Antonio
Der SV 98 beantwortet die wichtigsten Fragen zum verschobenen Testspiel der Lilien beim Kooperationspartner San Antonio FC.
Die Emotionen mussten einfach raus. Als Schiedsrichter Christian Dingert die Pfeife zum Mund führte und mit mehreren lauten Pfiffen das Spiel beendete, gab es im Merck-Stadion am Böllenfalltor kein Halten mehr. Allen voran nicht für Torsten Lieberknecht. Der Cheftrainer hob mit einem beherzten Sprung vom Boden ab und riss euphorisiert seine beiden Arme in den blauen Darmstädter Himmel. Erleichterung pur. Als er wieder landete, sprintete er los und fand sich wenig später in den Armen seiner Mannschaft wieder - mit einem breiten Lächeln sowie der Freude über drei hart erkämpfte Punkte im Gesicht.
Nach dem 1:0-Heimsieg des SV Darmstadt 98 gegen Dynamo Dresden war die Erleichterung aber nicht nur beim Chefcoach, sondern in den Augen einer jeden Lilie deutlich sichtbar – nach so einem Spiel, nach so intensiven 90 Minuten voller Kampf und Leidenschaft. Ein Duell, bei dem sich der SV 98 abermals in dieser Saison gemeinsam gegen jegliche Widerstände auflehnte.
Von Tugenden…
„Wir dachten alle erstmal: Oh, scheiße“, verriet Klaus Gjasula in einer Medienrunde am Montagvormittag (20.9.) und spielte damit auf die Augenblicke kurz nach der Roten Karte für Fabian Schnellhardt an. Ein früher Platzverweis in der achten Spielminute, der den Darmstädter Matchplan für einen kurzen Moment durchschüttelte. Doch schon bevor die Partie überhaupt angepfiffen wurde, hatten die Lilien gegen Dynamo ein laufintensives sowie körperbetontes Spiel erwartet. Fabian Holland erklärend: „Wir wussten, dass Dresden viel über die Körperlichkeit kommen würde und wir dementsprechend viel Zweikampfstärke und Laufbereitschaft zeigen mussten.“ Gesagt, getan. „Die Tugenden mussten wir heute ohnehin auf den Platz bringen und nach der Roten Karte, die natürlich vieles verändert hat, erst recht“, fügte der Lilien-Kapitän an.
„Alle haben nach der Roten Karte die paar Schritte mehr gemacht“, lobte Gjasula. Die Statistiken untermauerten dies: Während die Lilien gegen die Sachsen eine Laufdistanz von insgesamt 105,5 Kilometern abspulten, waren es im Ostseestadion insgesamt 110,1 Kilometer. Zwar 4,6 Kilometer weniger, doch spielten die Lilien gegen Dresden – anders als noch in Rostock – über 60 Minuten in Unterzahl und insgesamt 82 Minuten mit nur zehn Mann. Beeindruckend auch die Sprintwerte: Waren es vergangene Woche noch 167, so notierte die Datenbank 196 Sprints der dezimierten Darmstädter gegen die Mannschaft aus der sächsischen Landeshauptstadt.
… und einer bemerkenswerten Reaktion
Dementsprechend ausgepowert waren die Lilien nach der Partie. Etwas, was Lieberknecht freute. „Schön, dass die Mannschaft platt ist“, sagte er süffisant, betonte aber zugleich: „Anders hätten wir dieses Spiel heute aber auch nicht gewonnen.“ Besonders entscheidend für den positiven Spielausgang war zudem vor allem die Reaktion nach dem Platzverweis. Angetrieben vom Darmstädter Publikum, marschierten die Lilien weiter nach vorn und belohnten sich für ihren Aufwand mit dem sehenswerten Freistoßtreffer von Tobias Kempe. Ein Tor, welches den Lilien natürlich in die Karten spielte. Während die Südhessen defensiv kaum etwas zuließen, blieben sie in der Offensive mutig und konnten sich somit immer wieder große Tormöglichkeiten herausspielen. Lieberknecht: „Wir waren auch in Unterzahl die Mannschaft, die gut verteidigt hat und die gefährlicheren Chancen hatte. Dementsprechend war es ein nicht unterverdienter Sieg.“
„Es ist jedes Mal ein Genuss, hier zu spielen“
Ein Sieg, der das Punktekonto des SV 98 auf insgesamt zehn Zähler anwachsen lässt. Ganze neun davon sammelten die Lilien vor heimischem Publikum. Das Merck-Stadion am Böllenfalltor, es hat sich in den vergangenen drei Partien gegen Ingolstadt, Hannover und Dresden zu einer Festung entwickelt. Die Lilien sind nach St. Pauli und Nürnberg das drittstärkste Heimteam der 2. Bundesliga. Großen Anteil daran haben auch die Fans des SV Darmstadt 98, die schon die ganze Saison über eine gutes Gespür für die Situation der Mannschaft zeigen. So auch an diesem Sonntag, als das Darmstädter Publikum dank seiner frenetischen Anfeuerungen die Unterzahl auf dem Spielfeld ein Stück weit kompensierte. „Der Sieg heute war eine Gesamtproduktion des ganzen Stadions – von Fans und Mannschaft“, befand Lieberknecht. Auch Holland unterstrich: „Es gibt einem ein richtig geiles Gefühl, wenn du weißt, dass die Fans total hinter dir stehen – egal, was passiert“. Oder wie es Tobias Kempe zusammenfasste: „Wie die Fans uns in schwierigen Situationen gepusht haben, war Gänsehaut. Es ist jedes Mal ein Genuss, hier zu spielen.“
Diesen Schwung der erfolgreichen Heimspiele gilt es nun, auch aufs fremde Geläuf zu übertragen. Auswärts stehen erst einem Punkt im Hamburger Volksparkstadion zwei Niederlagen gegen Karlsruhe und Rostock gegenüber. Das soll sich ändern. Mit Heidenheim (24.9., 18.30 Uhr) und Sandhausen (3.10., 13.30 Uhr) warten nun gleich zwei Partien in der Fremde auf den Lilien-Tross. Doch haben vor allem noch einmal das Dresden-Spiel und auch die vergangenen Wochen gezeigt, dass sich der SV 98 erfolgreich gegen jegliche Widerstände auflehnen kann.