FAQs zum verlegten Testspiel gegen San Antonio
Der SV 98 beantwortet die wichtigsten Fragen zum verschobenen Testspiel der Lilien beim Kooperationspartner San Antonio FC.
Sie sangen, sie klatschen, sie wedelten mit ihren Schals. Die Reaktion der Lilienfans nach Abpfiff des ersten Spiels der neuen Saison? Sie war beeindruckend. Schließlich hatte ihre Mannschaft den Auftakt gegen Jahn Regensburg mit 0:2 verloren. Unmutsbekundungen oder gar Pfiffe suchte man dennoch vergeblich. Viel eher zeigten alle, die es mit den Lilien halten, dass ein feines Gespür für Situationen schon immer ein Merkmal der Fanszene in Darmstadt ist. Und eine Eigenschaft, der auch die lange coronabedingte Abstinenz nichts anhaben konnte.
„Die Runde nach Abpfiff hat gezeigt, was Darmstadt 98 ausmacht“, fasste wenig später dann auch Kapitän Fabian Holland zusammen, der die Stimmung am Bölle seit Jahren genau kennt und die eigene Anhängerschaft entsprechend einordnen kann: „Die Fans wollen, dass wir einhundert Prozent geben und dagegenhalten. Deshalb waren auch die Reaktionen nach Spielende positiv, obwohl das Ergebnis nicht so ausgefallen ist, wie wir es uns vorgestellt hatten.“
Als Spielführer seiner Mannschaft hatte er den Tross angeführt, der sich gegen 15:25 aufmachte, um Südtribüne, Gegengerade und Nordtribüne zu passieren, sich bei den Zuschauern für die Unterstützung zu bedanken und auch die Freude darüber auszudrücken, dass sie den Weg zurück an das Böllenfalltor gefunden hatten. Am 26. September 2020 waren zuvor letztmals Zuschauer im Merck-Stadion gewesen, damals ebenfalls zum Heimspiel gegen Regensburg, die Kapazität auf gerade einmal 1741 Zuschauer beschränkt. Zum Startschuss in die Saison 2021/22 pilgerten nun 4000 Leute an die Nieder-Ramstädter-Straße 170, um das erste Pflichtspiel unter Torsten Lieberknecht zu erleben und ganz nebenbei auch noch auch noch an exakt jenem Tag das Bölle zu besuchen, an dem es 100 Jahre zuvor offiziell als Stadion eröffnet worden war.
„Gänsehaut, bevor es überhaupt losging“
Das Hauptaugenmerk aller lag trotz des historischen Datums aber selbstverständlich auf dem Spielgeschehen, wobei sich die ersten emotionalen Höhepunkte schon vor dem Anpfiff um 13:30 Uhr ereigneten. „Wir haben schon beim Aufwärmen gemerkt, was ein paar Tausend Zuschauer ausmachen. Jeder Spieler hatte Gänsehaut, bevor es überhaupt losging“, gestand Holland im Nachgang der Begegnung. Die Lautstärke von den Rängen und die Reaktionen auf dem Platz zeigten, was im Profifußball in den vergangenen Monaten so schmerzlich vermisst wurde. Das Raunen bei Erich Berkos Pfostenschuss in der 12., der kollektive Entsetzenschrei beim Gegentor in der 21. Minute, die Gesänge für das eigene Team, die Pfiffe gegen Gegner und Schiedsrichter. Fußball in seiner Reinform.
„Es hat sich nach viel mehr Leuten angehört und angefühlt“, bestätigte daher auch Neuzugang Jannik Müller, der in diesem Zusammenhang ebenfalls von „Gänsehaut“ sprach, dann aber schnell zur sportlichen Analyse überging: „Wir sind gut in das Spiel gekommen, hatten beim Pfostenschuss die große Chance auf das 1:0, leider wollte der Ball nicht rein. Nach den 20 Minuten haben wir dann Probleme bekommen. Die Gegentore sind zu billig, beide entstehen aus Einwürfen heraus.“
Wie bereits in der vorangegangen turbulenten und von drei Corona-Fällen geprägten Woche wollte keiner der Akteure mit Lilie auf der Brust den Ausfall von zahlreichen Profis als Alibi für die Pleite zum Start zählen lassen. „Natürlich haben uns einige wichtige Spieler gefehlt, trotzdem hatten wir eine Menge Qualität auf dem Platz“, so die kurze Antwort von Holland auf eine entsprechende Nachfrage. Als verschworene Einheit mit „Jetzt-erst-recht-Mentalität“ wollten der SV 98 allen Widrigkeiten zum Trotz zum Auftakt bestehen, schlussendlich reichte es trotz einer leidenschaftlichen und kämpferischen Vorstellung nicht zu den ersten Punkten.
„Es war beeindruckend“
Zumindest den Lohn in Form von Applaus und aufmunternden Anfeuerungen erhielten die Darmstädter nach Abpfiff von Ihrem Publikum. Und auch Cheftrainer Torsten Lieberknecht verlor keine negativen Worte über seine Elf: „Von mir gibt es keinen Vorwurf an die Mannschaft. Wir wissen, wie schwierig die Herausforderung war und wie schwierig sie in den kommenden Wochen sein wird“, erklärte der 47-Jährige, der ebenfalls voll des Lobes für die Lilienfans war: „Die Unterstützung hat sehr gut getan – vor, während und nach dem Spiel. Es war wirklich beeindruckend, mit welchem Gespür sie unsere schwierige Situation richtig eingeschätzt haben. Sie haben damit der Mannschaft ein gutes Gefühl für die Woche und die anstehenden Aufgaben gegeben.“
Auf dem Papier bleibt die 0:2-Niederlage natürlich bestehen, nach dem Auftakt stehen die Lilien punktetechnisch mit leeren Händen da. Das ist nicht schön und nicht das, was sich alle zum Auftakt erhofft hatten. Was aber genauso hängen bleibt von diesem ersten Spieltag 2021/22 ist, dass der SV 98 immer auf die Unterstützung seiner Anhänger zählen können wird. Dass die Lilienfans einfach an das Böllenfalltor gehören. Dass die Lilien sich stets gegen alle Widerstände stemmen werden. Und der Optimismus, dass bald auch die ersten Zähler auf das Punktekonto wandern. Am besten schon am kommenden Freitag. Beim Gastspiel in Karlsruhe.