FAQs zum verlegten Testspiel gegen San Antonio
Der SV 98 beantwortet die wichtigsten Fragen zum verschobenen Testspiel der Lilien beim Kooperationspartner San Antonio FC.
Der Lilien stampfen in die Kabine im Inneren des Max-Morlock-Stadions. Einige mit Wut im Bauch, andere sind zerfressen vom Ertrag des bisher Gezeigten. Was war los? Warum liegen wir mit 0:1 in Rückstand? Wieso treffen wir das Tor einfach nicht? Wenige Augenblicke später zieht die Tür zur Mannschaftskabine des SV Darmstadt 98 zu. Die Analyse ist einfach. Die Lilien sind klar besser - in allen Bereichen. Pässe, Ballbesitz, Torchancen. Nur eines stimmt wieder nicht: Die Effektivität vorm gegnerischen Kasten. In der Kabine des SV 98 gibt es nun zwei Möglichkeiten: a) verzweifeln oder b) weitermachen und zwar gnadenlos. Marcel Schuhen ergreift das Wort. Er entscheidet sich für Letzteres. "Egal, wie viele Chancen wir vergeben: Wir werden heute gewinnen - und wenn es in der 90. Minute passiert", schwört der Schlussmann der Lilien seine Vorderleute ein, so berichtet es Nicolai Rapp.
“Und er hat Recht behalten”, sagte der Innenverteidiger. Die Freude sieht man in seinen Augen. Ein breites Lächeln zeichnet sein Gesicht. Kein Wunder, schließlich sorgte Rapp mit einem Kopfball à la “Sergio Ramos” (Zitat Mehlem) dafür, dass sich die Worte des Torhüters bewahrheiteten.
Doch zurück zur ersten Halbzeit. Sie war ein kleines Déjà-vu. In Magdeburg lagen die Lilien nach 45 Zeigerumdrehungen hinten, so auch in Sandhausen. Dass auf der Anzeigetafel zur Pause eine dicke Null auf Seiten des SV 98 leuchtete, hätte jedoch nicht sein müssen. Die Lilien hatten so viele Chancen auf den Ausgleich. Chancen, die das Spiel schon im ersten Durchgang hätten drehen können. Skarke, Kempe, Dursun, Mehlem, Honsak. Doch der Treffer fiel nicht. “Irgendwann kommt der Punkt, an dem du denkst: Jetzt muss doch mal endlich einer reingehen”, gewährte Markus Anfang einen Einblick in seine Gedankenwelt während der Partie. “Normalerweise kannst du an solchen Momenten verzweifeln”, sagte der Liliencoach.
„Ich bin einer, der noch aufs Dritte gehen will“
Doch nicht der SV Darmstadt 98. Nicht an diesem Abend in Nürnberg. “Wir sind drangeblieben”, lobte der Cheftrainer der Südhessen seine Mannschaft. Auch Marvin Mehlem verdeutlichte: “Wir haben immer an uns geglaubt.” Der Ausgleichstreffer von Serdar Dursun? Überfällig. Doch wie aus dem Nichts gingen die Franken erneut in Führung. Der nächste Nackenschlag also. “Doch die Reaktion der Jungs war richtig gut”, zeigte sich Anfang zufrieden. Sein Team spielte weiter mutig nach vorne, glaubte an sich und an die eigenen Stärken. Die Belohnung folgte. Mehlem egalisierte den Spielstand, stellte auf 2:2. Wer allerdings beim Torschützen Freude in diesem erwartete, lag falsch. Umdrehen, weitermachen – so die Devise. “Ich kann mich nicht so richtig freuen, wenn ich merke, dass wir das dominantere Team sind, den dominanteren Fußball spielen, aber der Gegner bis dato trotzdem vorne lag”, betonte die Nummer sechs der Lilien und schob noch einen Satz hinterher. Ein Satz, der nicht nur seine Einstellung, sondern die Denke der gesamten Mannschaft widerspiegelt: “Ich bin einer, der dann noch aufs Dritte gehen will.” Nicht nur er.
“Wir sind gnadenlos auf Sieg gegangen”, sprach Anfang nach Schlusspfiff voller Überzeugung in die Mikrofone. Schon vor dem Mehlem-Treffer wechselte der Cheftrainer des SV 98 offensiv, brachte mit Felix Platte eine zweiten Angreifer. Der Gedanke, die taktische Ausrichtung nach dem Ausgleich wieder zu ändern und defensiver zu machen, kam den Lilien nicht. “Wir haben gesagt: Wir wechseln nicht mehr zurück und sind bei zwei Stürmern geblieben. Wir wollten unbedingt dieses Spiel gewinnen”, so Anfang. Das taten seine Jungs. “Und wenn es in der 90. Minute passiert”, hatte Marcel Schuhen noch in der Halbzeit gesagt. Naja, nicht ganz. Es wurde die dritte Minute der Nachspielzeit.
Endlich maximaler Ertrag
Nach einem Freistoß von Tobias Kempe schraubte sich Nicolai Rapp in den Nürnberger Nachthimmel. Wuchtig schädelte er das Spielgerät in die Maschen – 3:2 für Darmstadt 98. “Es ist natürlich super, dass Rappo einen “Sergio-Ramos-Kopfball” auspackt”, grinste Mehlem. Auch der Siegtorschütze zeigte sich überglücklich. Rapp: “Wir haben uns für die harten Wochen endlich belohnt.“ Sein Treffer bescherte den Lilien den Auswärtserfolg in Nürnberg und damit die ersten drei Punkte der Saison.
Denn mit nur einem oder zwei Zählern wollten sich die Südhessen absolut nicht in die kommende Länderspielpause verabschieden. Stattdessen schaufelten sie positive Energie auf das ohnehin schon vorhandene Selbstvertrauen. “Das macht es für den Kopf einfacher. Aber wir sind überzeugt von uns, wir sind auf dem richtigen Weg”, verdeutlichte Rapp. Diesen gilt es weiterzugehen. Nach einem spielfreien Wochenende wartet die nächste Herausforderung auswärts beim VfL Osnabrück (18.10., 13.30 Uhr). “Wir werden da weitermachen, wo wir aufgehört haben”, verspricht Mehlem. Gnadenlos.