FAQs zum verlegten Testspiel gegen San Antonio
Der SV 98 beantwortet die wichtigsten Fragen zum verschobenen Testspiel der Lilien beim Kooperationspartner San Antonio FC.
Schlichter Kapuzenpulli, breites Lächeln. Johannes Wurtz ist ein entspannter Typ, der eine gewisse Ruhe ausstrahlt. Mit uns schlenderte der Neuzugang durch die Darmstädter Innenstadt und plauderte über Statussymbole, Karrierewege und Fußballer aus dem Saarland.
Lilienkurier: Johannes, es gibt die Geschichte, dass du relativ lange dein erstes Auto gefahren bist. Und auch heute bist du mit keinem auffälligen Wagen unterwegs…
Johannes Wurtz: Ich hatte zu Beginn meiner Karriere den Golf meiner Mutter, der dann vom Familienauto zu meinem geworden ist. Den habe ich dann auch mit nach Bremen genommen, wo ich aber dann irgendwann einen Wagen vom Verein bekommen habe. Allerdings fahre ich jetzt wieder einen Golf, da bin ich eher pragmatisch (grinst). Hauptsache zuverlässig und ich komme von A nach B.
Lilienkurier: Aber den erneuten Golf hast du nicht aus Nostalgiegründen angeschafft?
Johannes Wurtz: Nein, das Auto hat sich einfach bewährt. Und es verbraucht nicht viel (lacht).
Lilienkurier: Es zeigt aber auch, dass du nicht als schillernder Typ auftreten musst. Auch bei deiner Frisur bleibst du schon seit Jahren konstant und praktisch …
Johannes Wurtz: (lacht) Ich bin so erzogen worden, eher bescheiden zu sein. Goldkette und Diamantenuhr würden einfach nicht zu mir passen. Natürlich lege ich auch Wert auf ordentliche Kleidung, will gut aussehen und bin durchaus eitel. Aber ich brauche keine Statussymbole.
Schüttelst du dann auch teilweise den Kopf über andere Spieler, die da deutlich extrovertierter auftreten?
Johannes Wurtz: Nein, das soll jeder so machen, wie er es will. Ich bin eher der entspannte Typ, der am liebsten mit Shirt, kurzer Hose und Schlappen rumläuft. Aber die Geschmäcker sind verschieden und jeder soll tragen oder machen, was ihm gefällt. Da bin ich sehr tolerant (lacht).
Lilienkurier: Das klingt erstmal so, als würde dein Charakter sehr gut zu den Lilien passen. Ist das bislang auch dein Eindruck?
Johannes Wurtz: Auf jeden Fall. Ich bin sofort aufgenommen worden, in der Mannschaft spürt man einen starken Zusammenhalt und den absoluten Fokus auf das gemeinsame Ziel. Es ist wirklich eine große Gemeinschaft und ich denke, die braucht es speziell in der zweiten Liga ungemein. Wir kennen alle unsere Aufgabe und wollen diese im Sinne des Vereins auch ausführen.
Lilienkurier: Im Verein passt es. Wie sieht es mit der neuen Umgebung aus? Wir schlendern heute ja ein wenig durch die Innenstadt. Hattest du schon vorher Zeit für einen Rundgang?
Johannes Wurtz: Ich war schon in ein paar Cafés und abends auch mal in dem einen oder anderen Restaurant. Das Martinsviertel gefällt mir wirklich gut, die Innenstadt hat auch ihren Reiz, hier werde ich mich definitiv wohlfühlen.
Lilienkurier: Du scheinst sowieso relativ flexibel zu sein. Nach Stationen im Saarland, Norddeutschland, dem Frankenland und zuletzt im Pott bist du nun in Südhessen gelandet. Da hast du schon weite Teile Deutschlands abgedeckt…
Johannes Wurtz: Man kann es sich überall schön machen. Ich lege Wert auf meine eigene Wohnung, habe auch meine eigenen Möbel, die ich überall mitnehme und brauche auch eine schöne Lage. Jede Stadt hat ihren eigenen Reiz und bislang habe ich überall meine Nischen und Plätze gefunden, an denen ich mich gerne aufgehalten habe.
Lilienkurier: Begonnen hat alles beim FC Saarbrücken und mit einem klaren Plan. Stimmt es, dass du dir drei Jahre gegeben hast, um den Durchbruch im Profibereich zu schaffen?
Johannes Wurtz: Das habe ich damals so gesagt, weil es zunächst wirklich nur ein Versuch gewesen ist. Man weiß nie, wie es im ersten Jahr bei den Profis läuft. Es kann in alle Richtungen gehen. Ich hätte einen Trainer haben können, der nicht auf mich setzt, mich verletzen können oder einfach keine guten Leistungen bringen. In Saarbrücken haben auch nicht so viele Spieler noch den Sprung in die ersten beiden Ligen geschafft, deshalb habe ich es als große Chance gesehen, wollte aber nicht jahrelang in der Regionalliga oder Oberliga spielen. Da hätte ich mich wahrscheinlich eher auf ein Studium oder eine Ausbildung konzentriert. Aber ich bin froh, dass es bei mir so gut geklappt hat und habe noch einiges vor.
Lilienkurier: Was wäre die Alternative gewesen? Dein Abitur hast du ja in der Tasche.
Johannes Wurtz: Ich habe noch immer im Kopf, dass ich nach meiner Karriere noch auf Lehramt studiere. Sport und vielleicht eine Fremdsprache dazu, das würde mir sicherlich Spaß machen. Ich habe eine ganz gute Menschenkenntnis und komme mit allen Leuten schnell klar. Zudem sind mein Vater und meine Schwester ebenfalls Lehrer und beide sind glücklich damit.
Lilienkurier: Zunächst bist du aber noch als Profi aktiv. Guckst du trotzdem weiter auch nach links und rechts?
Johannes Wurtz: Ich habe diverse Interessen außerhalb des Fußballs und bin auch jemand, der oft in die Zukunft schaut. Das ist manchmal nicht optimal, sich viele Gedanken zu machen und zu überlegen, was wäre wenn. Aber ich lebe nicht in den Tag hinein, sondern mache mir langfristig meine Gedanken und Pläne. Ich denke auch, dass ich nach der Karriere ein ausgefülltes Leben haben werde.
Lilienkurier: Viele Spieler krallen sich schon frühzeitig an den Traum vom Profi. War das bei dir auch so oder war Fußball nur eines von mehreren Interessen?
Johannes Wurtz: Nein, Fußballprofi war auch bei mir immer der große Traum. Schon mit vier oder fünf Jahren habe ich unzählige Tore geschossen und stand schon bald vor der Entscheidung, ob ich nach Saarbrücken oder Kaiserslautern gehe. Spätestens dann war es mein ganz großes Ziel, auch wenn ich nicht bei einem Bundesligisten im Jugendinternat war. Zumal es schon auch ein paar Beispiele aus der Region gibt, die es geschafft haben. Jonas Hector, Kevin Trapp, Mike Frantz oder Patrick Herrmann kommen ja ebenfalls aus dem Saarland.
Lilienkurier: Mit einem Lehrer als Vater dürfte aber auch genau auf deine schulischen Leistungen geachtet worden sein?
Johannes Wurtz: Absolut, meinen Eltern war es sehr wichtig, dass ich mein Abitur mache und ich selbst wollte es natürlich auch. Das war allerdings nicht so einfach, weil ich auch nicht auf einer Kooperationsschule war, sondern direkt nach der Schule zum Training fahren musste und erst abends wieder nach Hause gekommen bin.
Lilienkurier: Du hast schon einige andere Beispiele aus der Region genannt, trotzdem haben insgesamt nicht viele Saarländer den Sprung in die ersten beiden Ligen geschafft. Ist dein Weg daher auch etwas Spezielles für dich?
Johannes Wurtz: Ich finde es schon etwas Besonderes, wenn man aus so einem kleinen Bundesland den Sprung nach oben schafft. Ich bin auch sehr froh, dass ich durch den Fußball ganz Deutschland kennenlernen konnte, aber das Saarland ist meine Heimat. Daher finde ich es auch schade, dass Saarbrücken den Sprung in die 3. Liga verpasst hat. Trotzdem ist die Region sehr interessiert am Fußball und es schaffen schon immer wieder ein paar Spieler den Sprung.
Mit deinem Wechsel nach Darmstadt bist du auch wieder näher an der Heimat…
Johannes Wurtz: Genau, ich war auch schon zu Hause und bin knapp 90 Minuten gefahren. Das geht natürlich deutlich schneller als bei meinen vorherigen Stationen.
Lilienkurier: In Saarbrücken hast du schnell überzeugt und bist ebenso schnell dann bei Werder Bremen gelandet. Hast du die Schnelllebigkeit von Beginn an bewusst wahrgenommen oder konnte man das damals noch nicht so einordnen?
Johannes Wurtz: Ich habe schon gemerkt, dass sich sehr schnell sehr viel verändert hat. Von Saarbrücken nach Bremen war natürlich auch ein sehr großer Schritt. Plötzlich stand ich mit Sokratis, Kevin De Bruyne und Aaron Hunt auf dem Platz und wurde von Thomas Schaaf trainiert. Aber auch dort habe ich mich angepasst, konnte unheimlich viel lernen und habe mich entwickelt. Danach ging es Schritt für Schritt weiter und mittlerweile habe ich mehr als 120 Spiele in der zweiten Liga gemacht.
Lilienkurier: Hat es dir insgesamt geholfen, dass du schon in Bremen gemerkt hast, dass du dich auch als junger Spieler relativ schnell in der neuen Umgebung einleben konntest?
Johannes Wurtz: Ich hatte nie Probleme mit Neuanfängen, weil ich grundsätzlich ein offener Typ bin und mich schnell anpassen kann. Aber zu merken, dass ich auch beim Training mit diesen überragenden Spielern in Bremen nicht völlig abgefallen bin, hat mir schon Selbstvertrauen gegeben für die nächsten Stationen.
Lilienkurier: Innerhalb von 24 Stunden von der Vertragsunterschrift zum Debüt dürfte aber trotzdem noch etwas Neues gewesen sein?
Johannes Wurtz: (lacht) Das kannte ich tatsächlich noch nicht. Mein Wechsel von Bremen nach Paderborn war auch am Ende der Transferphase, aber da blieb mir etwas mehr Zeit, bevor ich meinen ersten Einsatz hatte. Aber der Trainer hat mich hier ins kalte Wasser geworfen und bislang ist es auch wirklich gut gelaufen.
Lilienkurier: Du hast selbst gesagt, dass du viele Eventualitäten abwägst und dir deine Gedanken machst. Triffst du also immer sehr bewusste Entscheidungen mit reichlich Überlegung?
Johannes Wurtz: Das versuche ich natürlich, aber im Fußball kann man nie sagen, was passiert. Teilweise höre ich dann auch auf mein Bauchgefühl, die Gespräche müssen passen und dann startet man oft einen Versuch, ohne das Wissen, dass es funktionieren wird. Aber ich bin sehr zuversichtlich, dass wir als Mannschaft eine gute Saison spielen werden und ich meinen Teil dazu beitragen kann.
Lilienkurier: Hättest du trotzdem nach den vielen Jahren in Saarbrücken gedacht, dass du für sechs Vereine in deinen ersten sieben Profijahren auflaufen würdest?
Johannes Wurtz: Es ist eben ein schnelllebiges Geschäft, das wusste ich auch schon zu Beginn meiner Karriere. Man muss nur sehen, wie oft die Trainer wechseln. Als Spieler bist du immer auch abhängig vom Coach und brauchst jemanden, der auf dich setzt. Jeder will spielen und ich persönlich bin nicht der Typ, um auf der Bank oder der Tribüne den Vertrag auszusitzen. Da versuche ich lieber etwas Neues und kann mir dann nicht vorwerfen, ich hätte es nicht versucht. Es gibt natürlich auch Spieler, die ewig in einem Verein bleiben, aber das ist wirklich zur Ausnahme geworden.