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04.03.2020 / Allgemein

„Haben ein Gefühl entwickelt, dass wir sehr schwer zu schlagen sind“

Seit neun Spielen sind die Lilien ungeschlagen, zuletzt gab es vier Siege in Folge. Mit sechs Toren in diesem Zeitraum hat Serdar Dursun einen gewissen Anteil an diesen Ergebnissen. Wir haben mit dem Angreifer über die aktuelle Form des Teams, seine persönliche Bilanz und das kommende Spiel gesprochen.

sv98.de: Serdar, neun Spiele ohne Niederlage, vier Siege in Serie. Mit welchem Gefühl startet man dann in eine neue Trainingswoche?

Serdar Dursun: Es ist schon eine gewisse Lockerheit zu spüren. Jeder ist ein wenig befreiter und wir haben einfach ein Gefühl entwickelt, dass wir sehr schwer zu schlagen sind. Dieses Gefühl ist im Fußball sehr wichtig, damit geht man kommende Aufgaben automatisch selbstbewusster an.

sv98.de: Kannst du dieses Selbstvertrauen an speziellen Situationen festmachen?

Dursun: Wir drehen öfter nach vorne auf, spielen noch mutiger den Ball nach vorne, anstatt vielleicht einmal mehr klatschen zu lassen. Wir machen ja nach jedem Spiel eine Videoanalyse und da sehen wir in den vergangenen Wochen wirklich sehr viele gute Sachen, die uns dann natürlich noch mehr Selbstvertrauen geben. Zu sehen, was wir gut gemacht haben, nehmen wir automatisch mit. Die beiden Tore gegen Heidenheim waren das beste Beispiel: Das waren zwei wirklich gute Angriffe, bei denen wir uns die Treffer sehr gut herausgespielt haben.

sv98.de: Viel wurde natürlich auch über die Entscheidung von Dimitrios Grammozis geschrieben, den Verein zum Saisonende zu verlassen. Wie sehr hat euch das beschäftigt?

Dursun: Uns wurde die Nachricht vom Sportlichen Leiter und dem Cheftrainer mitgeteilt und natürlich haben wir uns als Mannschaft danach darüber unterhalten. Aber wir Spieler können so etwas ja nicht beeinflussen, diese Verhandlungen führen andere Personen im Verein. Das Spiel am Samstag hat dann eindrucksvoll gezeigt, dass dieses Thema in unseren Köpfen keine Rolle gespielt hat. Es war auch wichtig, dass wir gewonnen haben, sonst hätte es im Nachgang sicher Stimmen gegeben, die da eine Verbindung hergestellt hätten. So wurde jedem klar, dass wir eine geschlossene Einheit sind.

sv98.de: Generell scheint ihr sehr charakterstark zu sein. Ihr habt auch die meisten Punkte der Liga nach Rückstand geholt…

Dursun: Das ist etwas, war sich bei uns entwickelt hat. Im Vorjahr war es oft so, dass nach einem Rückstand ein wenig das Gefühl herrschte, dass es schwer werden könnte. Jetzt kommen wir immer wieder zurück, ein Rückstand wirft uns nicht um. Das ist der Lohn harter Arbeit. Dass wir Qualität und eine charakterstarke Mannschaft haben, habe ich immer wieder betont.

sv98.de: Du hast deine Marke aus dem Vorjahr bereits erreicht. Diese 11 Tore waren bislang dein Bestwert in Liga zwei. Das sollte diese Saison zu schaffen sein, oder?

Dursun: Das weiß man nie (lacht). Aber natürlich ist es machbar. Ich freue mich darüber, diese Marke jetzt schon eingestellt zu haben. Ich bin dankbar dafür, dass ich gesund bin und dem Team damit helfen kann.

sv98.de: Dazu kommen fünf Vorlagen. Wie wichtig sind dir selbst solche Scorerwerte?

Dursun: Persönlich finde ich solche Zahlen schon schön, letztendlich werden Stürmer auch daran gemessen. Auf die anderen Werte wird nicht so häufig geguckt, da werden lieber schnell torlose Minuten gezählt. Dementsprechend ist es ganz gut, dass ich aktuell eine gute Bilanz vorweisen kann. Aber es bleiben noch 10 Spiele, in denen ich weiterhin an diesen Statistiken arbeiten möchte.

sv98.de: Wir warten allerdings noch auf ein Kopfballtor von dir…

Dursun: Wirklich? Dann hole ich das am Samstag nach (lacht). Aber grundsätzlich ist es mir egal – Hauptsache drin.

sv98.de: 6 Tore hast du allein in den zurückliegenden 7 Spielen erzielt. Ist da nochmal ein Knoten geplatzt, bekommst du mehr Bälle, hast du etwas an deinem Spiel verändert?

Dursun: Ich habe nicht viel verändert. Der Trainer hat mir in der Winterpause nochmal gesagt, dass ich mich mehr im Strafraum aufhalten soll. Ich versuche schon, noch mehr in Sechzehnernähe zu bleiben. Aber generell profitiere ich einfach von unseren Gesamtleistungen in den vergangenen Wochen. Wir spielen mehr nach vorne, bekommen mehr Bälle in den gefährlichen Bereich. Und dann ist es eine einfach Formel: Umso öfter ein Offensivspieler den Ball im gefährlichen Bereich bekommt, desto höher ist die Trefferquote. 6 Tore in 7 Spielen, eine vergleichbare Phase hatte ich zuletzt 2016, dementsprechend freut es mich natürlich.

sv98.de: Was sich nicht ändert, sind die vielen Fouls, die bei Zweikämpfen passieren, in die du verwickelt bist. Nur Aues Nazarov wurde noch öfter gefoult als du, bei den verübten Fouls liegst du mit 43 auf Platz fünf. Nach wie vor gilt: Bei Zweikämpfen mit dir gibt es keine Geschenke, oder?

Dursun: Und trotzdem finde ich weiterhin, dass noch mehr für mich gepfiffen werden müsste (lacht). Ich werde oft mit beiden Händen geschubst und bin kein Hulk, der jedes Mal stehen bleiben kann. Aber es stimmt schon, die Zweikämpfe mit mir sind sehr intensiv.

sv98.de: Nach eurer Serie seid ihr mittlerweile auf Platz 6 angelangt. Im Umfeld oder auch den Medien wird immer wieder auch die mögliche Chance auf einen Aufstiegsplatz genannt. Von solchen Träumereien seid ihr aber weit entfernt, oder?

Dursun: Wir haben 35 Punkte und damit 11 Punkte Vorsprung auf den 16. Platz. Das ist sehr gut und bringt uns in eine schöne Situation. Wir müssen einfach auf dem Boden bleiben und gehen weiterhin in jedes Spiel, um es zu gewinnen. Ein einstelliger Tabellenplatz wäre super für uns, die Liga ist weiterhin sehr eng. Schauen wir uns nur die vergangenen Siege von uns an. Speziell die Spiele in Dresden und in Nürnberg hätten auch anders ausgehen können.  

sv98.de: Einen persönlichen Traum hast du ja durchaus schon ausgesprochen. Eine Nominierung für die türkische Nationalmannschaft. Am 27. März spielt die Türkei im Test gegen Slowenien. Kontakt gab es da aber nicht?

Dursun: In den türkischen Zeitungen und in den sozialen Medien wird schon über eine Nominierung diskutiert, aber ich weiß nicht, ob sie mich auf dem Schirm haben. Ich habe die Hoffnung nicht aufgegeben. Aber ich spiele nicht, um in der Nationalmannschaft zu landen, sondern für Darmstadt 98. Und gute Leistungen im Verein werden dann automatisch irgendwann gesehen.

sv98.de: Nun geht es auch erstmal in der Liga weiter. Am Samstag ist Bochum zu Gast. Bist du optimistisch, dass ihr eure Serie verlängert?

Dursun: Wir können mit breiter Brust auflaufen. Bochum ist individuell sehr gut besetzt, sie haben schon viele Punkte unnötig liegen lassen, sonst würden sie in der Tabelle besser dastehen. Aber wir können sagen: Wir sind Darmstadt 98. Die Mannschaften, die zu uns kommen, die haben sicherlich großen Respekt. Wir wollen wieder gewinnen.

Bochums Saison weist viele verrückte Spiele auf. 40 Treffer sprechen für eine sehr starke Offensive, 45 Gegentore allerdings auch dafür, dass ihr zu Chancen kommen könntet. Erwartest du vielleicht sogar ein wildes Spiel?

Dursun: Für die Zuschauer und Offensivspieler sind solche verrückten Spiele immer gut, für die Trainer eher nicht (lacht). Also ich wäre glücklich, wenn wir 4:3 gewinnen (grinst). Aber ich glaube eher an ein durchaus zähes Spiel, in dem es wichtig ist, wer das erste Tor erzielt. Bochum hat zwar schon einige verrückte Partien gehabt, in vielen anderen Spielen standen sie sehr gut und waren defensiv kompakt. Ganz klar: Der VfL ist ein schwieriger Gegner, gegen den wir wieder alles reinwerfen müssen. Sonst werden wir am Ende mit leeren Hände dastehen.

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