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06.09.2013 / Allgemein

Hessenpokal: Interview mit Peter Cestonaro, Trainer TSV Steinbach und ehemaliger Torjäger der Lilien

Peter Cestonaro (59) ist einer der unvergessenen Fußballhelden des SV Darmstadt 98! Zwischen 1976 und 1983 streifte sich der im mittelhessischen Haiger geborene Vollblutstürmer in 203 Pflichtspielen das Lilientrikot über und erzielte dabei stolze 97 Tore! Spitzenwerte in der Vereinshistorie, die ihm bei den absolvierten Partien Platz 24 und den Torschützen Rang 3 in der vereinsinternen Rangliste bescheren. Insgesamt bestritt „Cesto“ 57 Bundesligapartien (davon 56 für den SV 98, eine für Duisburg) und erzielte dabei alle seine 21 Treffer für die Lilien. Aber auch in der 2. Bundesliga traf Peter Cestonaro wie am Fließband: 111 Treffer für Darmstadt und Kassel sichern ihm noch heute den 10. Platz in der ewigen Zweitligatorschützenliste. Nach Beendigung seiner aktiven Laufbahn blieb der zweifache Familienvater und gelernte Steuergehilfe dem Fußball treu und schlug die Trainerlaufbahn ein. Seit Saisonbeginn coacht er nun den hessischen Verbandsligisten TSV Steinbach.

www.sv98.de: Hallo Herr Cestonaro! Die Bundesliga feiert gerade ihren 50. Geburtstag. Sie haben aktiv im Bundesligageschehen mitgemischt, sind dort zwei Jahre für den SV Darmstadt 98 auf Torejagd gegangen. Welche Erinnerungen sind hängen geblieben?
Peter Cestonaro: Trotz zwei sofortiger Wiederabstiege 1979 und 1982 überwiegen doch die positiven Momente zu meiner Zeit am Böllenfalltor. Die Bundesliga war eine schöne Geschichte für die Stadt und den Verein, gleichwohl einiges hätte besser laufen können. Aber das war schlichtweg der damaligen Situation und Struktur des Vereins geschuldet. Ich will damit gar nicht einmal das Modell der „Feierabendfußballer“ anführen, wohl aber, dass etablierte Bundesligavereine sich gegen uns gerade deswegen keinerlei Blöße geben wollten. Wie hätte das für die Vollzeitprofis ausgesehen, wenn sie gegen uns Federn hätten lassen müssen. Teilweise taten sie dies sogarâ… (schmunzelt)
Wenn wir damals die Klasse gehalten hätten, hätten wir möglicherweise eine ähnliche Rolle in der Entwicklung wie der SC Freiburg einnehmen können. So blieb es leider nur ein kurzes Intermezzo im Oberhaus.
Persönliche Highlights, da muss ich überlegen..?

Das 4:4 beim SV Werder Bremen im Februar 1982 beispielsweiseâ…
Sicherlich ja! In dieser Partie hatte ich das große Glück drei Treffer markieren zu können. Heutzutage wäre das in den Medien eine Riesengeschichte.
Aber auch unsere Bundesligapremiere 1978 gegen Hertha BSC Berlin bleibt mir im Gedächtnis. Es fielen zwar keine Tore, aber die greifbare Spannung, die auch der Neugierde des Darmstädter Publikums geschuldet war, bleibt unvergessen.
Oder aber meine Tore gegen den damaligen Nationaltorhüter vom 1. FC Köln, Toni Schumacher. Einmal überlistete ich ihn mit einem wunderschönen Heber.

Da gibt es mit Sicherheit noch viel mehrâ…
Darmstadt war eine wunderschöne Zeit, mein Verein, für den ich sprichwörtlich das letzte Hemd gegeben hätte.

Wenn Sie die Gehaltsstruktur im Profifußball von damals zu heute vergleichen -kommen Neidgefühle in Ihnen auf?
Nein, mitnichten! Es war eben damals eine andere Zeit und um ehrlich zu sein: Schlecht ging es uns ja auch nicht. Man muss den damaligen Zeiten keinesfalls nachjammern, schließlich leben wir im Hier und Jetzt. Ich bin zufrieden.
Waren Sie seit Ihrem Weggang aus Darmstadt im Jahr 1983 mal wieder am Böllenfalltor? Was hat sich seit Ihrer Zeit beim SV 98 geändert?
Das Stadion hat sich seitdem jedenfalls kaum verändert (lacht). Ein paarmal war ich seitdem im Stadion am Böllenfalltor. So z.B. wenn ich in der Vergangenheit mal mit der Traditionsmannschaft dort gespielt habe. Ansonsten hat mich auch der Trainerjob an die alte Wirkungsstätte zurückverschlagen. Mit Eintracht Wetzlar unterlag ich in Darmstadt den Lilien mit 0:2 in der Oberligasaison 2007/08. Ansonsten betrachte ich mir das Geschehen aber eher aus der Ferne.
Sie haben dann im Jahr 1985 Ihren Trainerschein erfolgreich bestanden, haben aber nie ein Team oberhalb der Drittklassigkeit trainiert. Warum?
Wissen Sie, das war nie meine Intention. Fußball im höherklassigen Amateurbereich habe ich stets für mich als ausreichend empfunden. Das mag darin begründet sein, dass ich ein familiärer und heimatverbundener Mensch bin. Meine Familie und der elterliche Betrieb in Haiger sind an erster Stelle anzuführen. Hätte ich den Weg ins Profigeschäft als Trainer gewählt, hätte ich mich auf die Mechanismen der Branche einlassen müssen. Meine beiden Kinder hätten alle paar Jahre mit mir zu einem neuen Arbeitgeber mit umziehen müssen, hätten wenig Möglichkeiten zum Aufwachsen in einer vertrauten Umgebung gehabt. Das wollte ich nicht.
Folgerichtig haben die Lilien nie angefragt, ob Sie dort Platz auf der Trainerbank nehmen wollen?
Richtig.
Heute trainieren Sie den TSV Steinbach. Nach sieben Spieltagen steht ihr Team in der sechstklassigen Verbandsliga Mitte mit maximaler Punkteausbeute und einem Torverhältnis von 32:8 an der Spitze der Tabelle. Die Zielsetzung beim TSV Steinbach läuft ganz klar in Richtung Aufstieg in die Hessenliga. Was ist das Geheimnis der Stärke Ihrer Mannschaft?
Sie werden Verständnis haben, wenn ich die Geheimnisse, gerade vor dem bevorstehenden Pokalspiel, nicht ausplaudern werde. Sie werden mir sicher auch nicht die Anfangself des SV 98 verraten, oder etwa doch? (lacht)
Generell kann ich aber sagen, dass wir irgendwann den Aufstieg in die Hessenliga anpeilen. Wenn es diese Saison schon klappt, soll es mir recht sein! Dass wir derzeit mit 21 Punkten ganz oben stehen ist umso erstaunlicher wenn man bedenkt, dass wir innerhalb von 33 Tagen 10 Pflichtspiele absolvieren mussten. Daran sieht man aber auch die Moral des Teams. Die Psyche, den Kräfteverschleiß über den Willen zu kompensieren, ist zweifelsohne vorhanden. Ich zolle den Jungs Respekt!

Konkret gefragt: Muss sich der SV Darmstadt 98 in Acht vor einer Pokalüberraschung nehmen? Mit Patrick Diehl und Sebastian Schneider stehen beispielsweise zwei Spieler von Ihnen mit je 7 Treffern weit vorne in der Torjägerlisteâ…
Sehen wir es doch realistisch: Darmstadt als Drittligist ist Favorit, Punkt! Zwischen uns und dem SV 98 liegen drei Klassen, also sollten wir wirklich die Kirche im Dorf lassen, auch wenn Sie jetzt mit der Phrase des Pokals und den eigenen Gesetzen kommen können. Wir wollen als Außenseiter ein gutes Spiel und ein gutes Ergebnis abliefern. 
Auch wenn Sie kein Ergebnis voraussagen möchten, kommen Sie dennoch nicht ganz um einen „Tipp“ herum: Was glauben Sie, wie viele Autogrammwünsche Sie am Samstag dem Lilienanhang erfüllen müssen?
(lacht) Keine Ahnung, ich weiß es nicht. Aber wenn mich tatsächlich ein Lilienanhänger darum beten sollte, stehe ich der Sache gelassen gegenüber und komme seinem Wunsch gerne nach.
Vielen Dank für das Interview Peter Cestonaro! [PRG]

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