FAQs zum verlegten Testspiel gegen San Antonio
Der SV 98 beantwortet die wichtigsten Fragen zum verschobenen Testspiel der Lilien beim Kooperationspartner San Antonio FC.
Der SV Darmstadt 98 hat in Zusammenarbeit mit der Wissenschaftsstadt Darmstadt die Aktion #soliDArisch gestartet. Seitdem sind etwas mehr als zwei Wochen vergangen. Mit Tim Strack, einem der Initiatoren der #soliDArisch-Kampagne, hat sich sv98.de genau darüber unterhalten. Der Büroleiter der Fan- und Förderabteilung der Lilien zieht ein erstes Fazit, erzählt von berührenden Geschichten und richtet einen Appell an Menschen aus den Risikogruppen und deren Umfeld.
sv98.de: Vor knapp mehr als zwei Wochen wurde die Kampagne #soliDArisch ins Leben gerufen. Wie fällt Dein erstes Fazit aus?
Strack: „Zunächst einmal möchte sagen, dass ich hier stellvertretend für die vielen Menschen im Verein spreche, die tagtäglich für #soliDArisch arbeiten. Insgesamt wird die Aktion extrem gut angenommen – vor allem von denjenigen, die Hilfe anbieten. Es ist ein guter Kanal, um seine Hilfe eintragen zu lassen. Auch wenn diese jetzt noch nicht abgerufen wurde, kann es in der nächsten Zeit immer noch passieren. Nach den ersten Tagen schauen wir auf ein sehr großes Hilfsnetzwerk von über 500 Einzelpersonen. Hinzu kommen noch Mitglieder der Fan- und Förderabteilung sowie Mitglieder der Südtribüne, die nochmal an Man- und Womanpower on top kommen. Da sind wir sehr gut aufgestellt. Wir sind jetzt bei ca. 550 bis 600 Helfern. Dem gegenüber stehen 60 Hilfesuchende, die wir bisher alle vermitteln konnten.“
sv98.de: Sicherlich bräuchten noch viel mehr Menschen Hilfe, nehmen diese aber bislang nicht in Anspruch. Was ist dein Appell an die Menschen, die einer Risikogruppe angehören?
Strack: „Erst einmal ist es weiter unsere Aufgabe in den nächsten Wochen, dass wir Menschen, die Hilfe benötigen, dazu animieren, keine Scheu zu haben und diese in Anspruch zu nehmen. Es war vorher klar, dass dies Zeit benötigen wird. Wenn du Menschen kennst, die zur Risikogruppe gehören, musst du mit ihnen in Kontakt treten und sie darauf aufmerksam machen, dass es solche Hilfsmöglichkeiten gibt. Niemand aus der Risikogruppe muss in der aktuellen Situation noch selbst einkaufen gehen und sich einem Risiko aussetzen. Das ist unnötig. Es gibt eine große Hilfsbereitschaft und die muss in Anspruch genommen werden. Es wäre schade, diese Chance verstreichen zu lassen. Menschen aus dem sozialen Umfeld von Leuten aus der Risikogruppe müssen sagen: Hey, du musst das nicht selbst tun, sondern kannst dich ganz einfach dort oder dort melden. So etwas gehört zu einem solidarischen Gedanken dazu – sich nicht nur einzutragen, sondern auch in seinem Umfeld zu schauen, dass die Menschen die Hilfe in Anspruch nehmen.“
sv98.de: Wie groß ist die Bandbreite an Unterstützungsangeboten?
Strack: „Klar hat sich am Anfang viel auf Einkaufshilfe und Versorgung fokussiert. Aber es kommen auch immer mehr Angebote für Betreuung von Kindern oder Tieren hinzu. Es gibt zudem die unterschiedlichsten Schulungen. Daran hatte ich vorher gar nicht so sehr gedacht. Aber es gibt dort viele Angebote gerade für Home-Schooling – sowohl für Kinder als auch Erwachsene. Außerdem bieten sich viele Unterstützer auch einfach als sozialer Kontakt für Menschen an, die mit der Isolation nicht gut zurechtkommen. Insgesamt ist die Bandbreite schon ziemlich groß.“
sv98.de: Welche Unterstützungsangebote werden überwiegend in Anspruch genommen?
Strack: „Es sind im Moment noch viele Besorgungen. Aber es kommen auch immer mehr Anfragen nach sozialen Kontakten. Doch es kam auch schon dazu, dass eine Einrichtung anfragte, ob wir ihnen nicht unter die Arme greifen können. Da gibt es ein Beispiel von einer Pflegeeinrichtung, die einen Mangel an Pflegekräften hatte. Wir haben dann über unser Netzwerk geschaut, wer denn geeignet wäre, dort zu helfen und mitanzupacken. Und das haben wir hinbekommen. Zudem sind wir mit zahlreichen anderen Initiativen in Darmstadt vernetzt, sodass wir dort auch immer wieder vermitteln und schauen können, wo welche Hilfe gebraucht wird.“
sv98.de: Beschränkt sich die #soliDArisch-Kampagne nur auf das Darmstädter Stadtgebiet?
Strack: „Nein, sogar bis nach Karlsruhe hat es sich rumgesprochen. Eine dort lebende Enkelin hatte für ihre Oma eine Einkaufshilfe angefragt, die wir ihr bereits vermitteln konnten. Ansonsten liegt der Fokus aber auf der Stadt Darmstadt und dem Kreis Darmstadt-Dieburg. Das hat den Grund, weil es eben das Einzugsgebiet des Vereins ist und weil wir hier am wirkungsvollsten sind. Nichtsdestotrotz. Wenn jemand außerhalb wohnt und Unterstützung braucht, soll er oder sie sich trotzdem melden. Wir werden mit Sicherheit keine regionalen Grenzen ziehen.“
sv98.de: Du hast die 550 bis 600 Unterstützungsangeboten bereits angesprochen. Hast Du mit so viel Zuspruch für die Aktion gerechnet?
Strack: „Ja. Ich habe in den ersten Tagen bereits gemerkt, dass die gesamtgesellschaftliche Solidaritätswelle ziemlich Fahrt aufgenommen hat. Wir haben diskutiert, was wir als Verein machen wollen. Unsere Aufgabe, die wir als Verein Darmstadt 98 haben, ist es, Menschen zusammenzubringen. So haben wir unsere Rolle in dieser Solidaritätswelle definiert. Wir leisten Kontaktarbeit zwischen verschiedenen Initiativen, zwischen Hilfesuchenden und Menschen, die solidarisch sein wollen.“
sv98.de: Stehen solche Aktionen wiederum sinnbildlich für den besonderen Zusammenhalt innerhalb der Lilienfamilie?
Strack: „Die #soliDArisch-Aktion ist für mich ein großer Ausdruck dafür, wie eng Stadt und Verein miteinander verwogen sind. Wenn es der Stadtgesellschaft schlecht geht, hilft der Verein – und andersrum genauso. Das ist schon immer so gewesen. Gerade stehen wir wieder an so einem Punkt. Dementsprechend fand ich es super, dass wir diese Aktion gemeinsam mit der Stadt Darmstadt so schnell umsetzen konnten. Zudem kommen nicht alle Helfer direkt aus der Lilienfamilie. Stattdessen haben wir auch viele Helferinnen und Helfer von außerhalb, die vielleicht gar keine Fußballfans sind, aber trotzdem mitmachen und helfen wollen. Daher spüre ich momentan eher ein gemeinschaftliches städtisches Gefühl der Solidarität.“
sv98.de: Gibt es eine besondere #soliDArisch-Geschichte, die dich persönlich am meisten berührt hat?
Strack: „Eine gute Geschichte war auf jeden Fall die bereits angesprochene Pflegeeinrichtung, die so offen war zu sagen: Hey, wir brauchen Hilfe. Und dann haben sich direkt fünf Leute gefunden, die direkt gesagt haben: Klar, machen wir, wir helfen. Auch die Enkelin aus Karlsruhe mit ihrer Oma war eine sehr coole Geschichte. Dort konnten wir den Hilfegesuch der Enkelin für ihre Großmutter so schnell vermitteln, dass diese bereits von uns kontaktiert wurde, bevor die Enkelin ihr selbst Bescheid geben konnte. Und zu guter Letzt gab es eine Story mit einer älteren Dame, die Probleme mit einem Elektrogerät hatte. Wir konnten ihr dann einen Schreiner vermitteln, der die komplette Besorgung eines neuen Geräts samt Abtransport, Anschluss und Co. übernahm. Das sind zudem auch kleinere Beispiele, bei denen man die Hoffnung hat, dass der Kontakt zwischen den Menschen auch über diese Krise hinaus anhalten kann. Obwohl sich die Menschen zuvor noch nie gesehen haben, wäre es doch schön, über so eine Aktion weiterhin in Kontakt zu bleiben.“
sv98.de: Wie ist der Ablauf, sobald ein Hilfesuchender oder ein potentieller Unterstützer die Hotline gewählt hat?
Strack: „Es werden zunächst die Daten eingetragen. Dann werden um die Einverständnisse der Weitervermittlung und Datenweitergabe an Hilfesuchende oder Unterstützer gebeten, bevor der- oder diejenige in unserer Datenbank hinterlegt wird. Wenn wir ein Hilfegesuch reinbekommen, schauen wir auf die Postleitzahl, um zu sehen, zu welchem Unterstützungsangebot das Gesuch passt. Wir kontaktieren im Anschluss die Helfer und vermitteln beide Personen – natürlich immer mit unseren Hinweisen, wie man kontaktlos Hilfe leistet. Weiter kann sich jeder in jeder Situation an uns wenden, wenn mal etwas schiefläuft. Unser sehr großes Netzwerk an Einzelpersonen und Initiativen ist schon richtig gut. Das ist auch ein großer Vorteil gegenüber einzelnen Facebook-Gruppen. Dort gibt es auch Tausende von Leuten, die ihre Hilfe anbieten. Aber bei uns ist das praktische: Du sagst, was du wo brauchst. Und wir gucken dann in unserer Datenbank und können selbst Wochen später noch zeitnah die passenden Hilfsgesuche und Unterstützungsangebote miteinander verknüpfen. Das ist ein großer Vorteil.“