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31.07.2020 / Allgemein

Hilfskampagne soliDArisch pausiert

Am 20. März startete der SV Darmstadt 98 mit Unterstützung der Wissenschaftsstadt Darmstadt unter dem Motto #soliDArisch eine zentrale Anlaufstelle für Hilfswillige und Hilfesuchende, um sie miteinander zu verbinden. Wir blicken auf vier Monate mit besonderen Erfahrungen zurück, verbunden mit der Hoffnung, dass die aktuell stabile Lage Bestand hält und #soliDArisch in absehbarer Zeit nur noch als Beispiel für besonderen Zusammenhalt dient, den wir uns für die Zukunft bewahren sollten.

Der Beginn der Corona-Krise traf den SV 98 genauso überraschend wie den Rest der Gesellschaft. Während sich zunächst alles darum drehte, ob Spiele abgesagt werden müssen oder ohne Zuschauer stattfinden, entwickelte sich auch sehr schnell ein Bewusstsein für das eigentliche Problem, den Virus selbst. Das Auswärtsspiel in Karlsruhe war gerade zum Geisterspiel erklärt worden, da rief der Block1898 zum Busspalier für die abreisende Mannschaft auf. Gut gemeint, aber weniger als 24 Stunden später ruderte man aus eigenem Antrieb schon wieder zurück und forderte die Lilienfans zum Daheimbleiben auf. Aus gutem Grund, wie wir heute wissen. Diese große Dynamik und Unsicherheit der ersten Stunden sollte sich als Schnellkurs in Sachen Coronavirus aber bald als hilfreich herausstellen. Während in der Gesamtgesellschaft noch große Unwissenheit herrschte, hatte sich die Lilienfanszene nun schon intensiver mit dem Thema beschäftigt und schlug dem SV 98 vor, eine Hilfe-Hotline zu schaffen, um fitte, junge Helfer/innen und Personen aus der Risikogruppe miteinander zu vernetzen.

In der gemeinsamen Historie waren SV 98 und die Stadt Darmstadt schon immer eng verwoben. In schlechten Zeiten half man sich schon mehrfach gegenseitig aus und so war es keine Frage, dass wir Lilien der Stadtgesellschaft auf diesem Weg etwas zurückgeben wollten. In Absprache mit dem Krisenstab der Stadt Darmstadt wurde durch die FuFa in Windeseile die nötige Infrastruktur zusammengebastelt, während die Jungs und Mädels der Südtribüne mit Bannern in der Stadt auf die Problematik aufmerksam machten und Ihre Manpower anboten.

Kaum waren Emailadresse und Hotline der „soliDArisch“-Aktion geschaltet, standen sie auch nicht mehr still. Ob der Praktikant auf der schwäbischen Alb oder der Sicherheitsbeauftragte in der Darmstädter City: Die Geschäftsstellenmitarbeiter im Home Office, geübt im Organisieren und Improvisieren, hatten Spaß daran, sich für die gute Sache zu engagieren. Vor allem, weil uns eine überragende Welle der Hilfsbereitschaft erreichte, so dass sich schon innerhalb weniger Stunden mehrere Hundert Freiwillige bei uns gemeldet hatten. Doch auch die Hilfesuchenden, die meist weniger Internet-affin und schwerer zu erreichen waren, fanden alsbald zu uns.

Mittlerweile zählen wir bei soliDArisch mehr als 900 Helfer und über 100 vermittelte Hilfsjobs – wobei diese je nach Art Aufgabe auch mehrere Helfer bzw. Hilfesuchende beinhalten können. Highlights waren sicherlich Sammlungen von Tierfutterspenden für die Keller-Ranch oder Computermaterial für die Bernhard-Adelung-Schule durch unsere Ultraszene. Wir fanden Helfer, die neue Tiefkühlschränke gekauft und alte entsorgt haben, oder Mundschutz anfangs gar für Apotheken, und später für Obdachlose organisieren konnten. Es meldeten sich Leute, die spontan ins Krankenhaus mussten, und derjenige an der Hotline selbst schnell losgeeilt ist, um die Tasche mit der Kleidung nachzufahren oder Lehrer, die tapfer zusätzliche Nachhilfestunden über Video-Telefonie gaben.

Darüber hinaus entstand ein Netzwerk Darmstädter Corona-Hilfen und weiterer ehrenamtlicher Initiativen, das sich per Telefonschalte 1-2x wöchentlich zusammenfand, um alle Maßnahmen miteinander zu koordinieren. Diesem runden Tisch konnten wir mit soliDArisch mehrmals aushelfen, aber auch selbst von der kompetent besetzten Runde profitieren. Mit der Präsenz auf hessen-helfen.de wurde soliDArisch schließlich auch vom Land Hessen als die offizielle Coronahelfer-Anlaufstelle für Darmstadt anerkannt.

Mit dem Abflauen der Infektionswelle hat sich auch die Nachfrage nach unseren Hilfsvermittlungen beruhigt. Deshalb setzen wir das Angebot ab dem 1. August aus, zumal die Vereinsmitarbeiter mittlerweile wieder stark im Tagesgeschäft stark eingebunden sind. In erster Linie freuen wir uns aber darüber, wie aus einer kleinen Idee aus der Fanszene etwas wirklich Großes geworden ist. SoliDArisch hat uns gezeigt, dass dieses Wort auch heute noch in der Gesellschaft existiert und eine große Hilfsbereitschaft vorhanden ist – und das sollten wir uns für die Zukunft bewahren, ob mit Pandemie oder ohne.

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