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19.08.2021 / Allgemein

„Ich hatte mich nicht mehr unter Kontrolle“

Am vergangenen Sonntag erzielte Braydon Manu endlich seinen ersten Pflichtspieltreffer für die Lilien. Wir haben mit dem Offensivspieler über das Gefühl nach seinem Tor, den Umgang mit Rückschlägen und seine Willensstärke gesprochen.

Foto: Holtzem

sv98.de: Braydon, wenn ein Spieler ein Tor zum 6:1 schießt, fällt der Jubel nicht unbedingt überschwänglich aus. Bei dir sah das am Sonntag anders aus. Dieses Tor war schon eine Art Erlösung für dich, oder?

Braydon Manu: Ich bin eingewechselt worden und wollte unbedingt noch mein Tor schießen. Ich habe es dann versucht, zu erzwingen, wollte es vielleicht sogar zu sehr. In der Nachspielzeit hatte ich es dann eigentlich schon abgehakt, aber plötzlich kam der Ball zu mir und irgendwie ist mein Schuss reingegangen. Das sollte in diesem Moment einfach so sein. Und danach hatte ich meine Emotionen nicht mehr im Griff. Ich habe gelacht und hatte gleichzeitig Tränen in den Augen. Die schwierigen letzten Jahre sind aus mir herausgebrochen.

sv98.de: So sah auch dein Jubel aus: Euphorisiertes Losrennen, gefolgt von einem Kniefall…

Manu: Ich konnte nichts mehr steuern, hatte mich und meinen Körper nicht mehr unter Kontrolle. (lacht)

sv98.de: Die Tränen standen auch nach Abpfiff noch in deinen Augen. Was ging dir kurz nach dem Spiel durch den Kopf?

Manu: Das Gefühl war einfach wunderschön. Geduld und der Glaube an die eigene Stärke werden immer irgendwann belohnt. Für mich kam am Sonntag endlich dieser Moment. Jetzt hoffe ich natürlich, dass noch einige davon folgen. Auch wenn ich nicht immer unbedingt Weinen muss. (lacht)

sv98.de: Das Tor hat dir also vor Augen geführt, dass es sich lohnt, nie aufzugeben?

Manu: Absolut. Egal wie lange der Weg dauert, es lohnt sich, immer weiterzugehen. Geduld braucht es in ganz vielen Situationen im Leben. Irgendwann erreicht man das Ziel oder zumindest einen Meilenstein – und an diesem Punkt weißt du, dass sich die ganze Arbeit ausgezahlt hat.

sv98.de: Gab es trotzdem Momente, in denen du ein wenig verzweifelt bist? Die Liste der Rückschläge während deiner bisherigen Zeit in Darmstadt ist lang…

Manu: Die gab es. Die Vorbereitung auf die aktuelle Saison lief gut für mich, Torsten Lieberknecht kannte ich bereits aus Braunschweig, das hat mir von Beginn an ein gutes Gefühl gegeben. Und dann verletzte ich mich wieder am letzten Tag des Trainingslagers, wie schon in meiner ersten Saison hier. Und zunächst dachte ich auch, dass ich mir etwas gebrochen hätte. Dann kam die Entwarnung, nur eine Prellung und wenig später ist dann der Corona-Test positiv. Da dachte ich mir dann wirklich: ‚Was hast du verbrochen?‘ Aber umso schöner ist es, dass ich nun über den schönen Moment von Sonntag sprechen kann.

sv98.de: Bereits im Sommer hast du klar gesagt, dass du es nach der Leihe nach Halle weiterhin bei den Lilien versuchen möchtest, diese Kapitel noch nicht beendet ist. Fühlst du dich in dieser Entscheidung bestätigt?

Manu: Zu einhundert Prozent. Ich weiß, wozu ich fähig bin, wenn ich Selbstvertrauen habe und meinen Spielwitz auf das Feld bringen kann. Ich hoffe, dass dieser Treffer dafür sorgt, dass der Bann ein wenig gebrochen ist.

sv98.de: Nach deinem Treffer sind alle Jungs nochmal zu dir gekommen, jeder hat sich für dich gefreut…

Manu: Zumal es das 6:1 gewesen ist, da ist so ein Jubel nicht selbstverständlich. Die Jungs haben in diesem Moment auch gesehen, was mir das Tor bedeutet. Da haben sie sich automatisch mit mir gefreut, das war für mich wunderschön und eine tolle Art der Wertschätzung.

sv98.de: Du selbst bist danach auch zum Trainerteam gelaufen. Was wolltest du ihnen damit zeigen?

Manu: Ich hatte mit Ovid und dem Cheftrainer viele Gespräche, in denen ich gemerkt habe, dass sie mir als Fußballer vertrauen und mich auch als den Menschen akzeptieren, der ich bin. Es war überhaupt nicht mein Plan, dort hinzulaufen, aber plötzlich lag ich in Ovids Armen. (lacht) Das war schon auch eine Art, um ihnen Danke zu sagen.

sv98.de: Unabhängig von diesem emotionalen Höhepunkt: Wie hat es sich generell angefühlt, endlich wieder vor Zuschauern in einem Fußballstadion zu spielen?

Manu: Es war wie in eine neue Welt zu kommen. Es war wirklich krass. Die Stimmung am Sonntag war auch wirklich unglaublich, so habe ich es selten erlebt. Natürlich hat das Spiel die Fans mit Sicherheit auch mitgerissen, aber die Atmosphäre war beeindruckend. Und bei mir als Spieler hat es sofort nochmal mehr Kräfte freigesetzt und für große Lust gesorgt, einfach Fußball zu spielen.

sv98.de: Die Stimmung nach dem Sieg dürfte sicherlich gut gewesen sein in der bisherigen Woche. Mit wie viel Selbstvertrauen fahrt ihr nach Hamburg?

Manu: Man merkt, dass die drei Punkte der gesamten Mannschaft gut getan haben. Alleine schon, weil wir für die Moral belohnt worden sind, die das Team auch schon in den ersten Wochen gezeigt hat. So ein Sieg sorgt natürlich für eine breite Brust, wir fahren ohne jede Angst nach Hamburg.

sv98.de: Du selbst hast in der Jugend für den HSV gespielt, später auch bei St. Pauli und dem SC Condor. Gebürtig kommst du aus Itzehoe. Im Profibereich bist du allerdings noch nie auf den HSV getroffen. Wäre ein Einsatz am Sonntag für dich etwas Besonderes?

Manu: Auf jeden Fall. Hamburg ist meine Heimat und ich habe immer auf ein Spiel im Volkspark gewartet. Jetzt hoffe ich, dass es endlich soweit ist und ich zum Einsatz kommen werde und wir als Mannschaft den HSV ärgern können.

sv98.de: Deine Mutter hat ein Restaurant in Hamburg, auch sonst hast du dort sicherlich viele Freunde und Bekannte. Wirst du viele bekannte Gesichter im Stadion sehen?

Manu: Ich hatte viele Anfragen für Karten, das wäre schwer geworden, alle zu erfüllen. Aber mittlerweile sind die Tickets im freien Verkauf, deswegen glaub ich schon, dass Familie und Freunde dabei sein werden.

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