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08.11.2021 / Allgemein

„Ich liebe an dieser Mannschaft, dass sie so bodenständig bleibt“

Dem FC Chelsea gelang es im November 2014 in der Gruppenphase der Champions League, danach viele Jahre keinem anderen mehr. Erst 2020 schafften es der VfL Wolfsburg und Leipzig, in diesem Jahr folgten der FC Bayern München sowie Borussia Dortmund. Ja, und der SV Darmstadt 98. Nur diesen sechs Teams war es in den vergangenen sieben Jahren vergönnt, in einem Pflichtspiel in der Veltins-Arena vier oder mehr Tore zu erzielen. Mit dem 4:2-Auswärtssieg der Lilien am 13. Spieltag der 2. Bundesliga gelang den Südhessen also etwas, was ganz und gar nicht selbstverständlich war. “Es ist schon selten, dass man hier auf Schalke vier Tore schießt“, wusste auch der zweifache Torschütze Phillip Tietz. Er sagte diesen Satz voller Freude, doch zugleich mit einer gesunden Portion an Demut.

Foto: SV Darmstadt 98

Denn genau das ist es, was den SV Darmstadt 98 in dieser Saison so auszeichnet. Kurz bevor Tietz diesen Satz aussprach, hatten die Lilien soeben beim Bundesliga-Absteiger und einem der größten Aufstiegsaspiranten in dieser Spielzeit gewonnen. Sie sind seit fünf Partien unbesiegt, sammelten dabei vier Siege und ein Remis. Der SV 98 stellt mit 31 Saisontreffern die beste Offensive des Wettbewerbs, schaufelte sich bereits starke 23 Zähler aufs Punktekonto. Und trotzdem: Die blau-weißen Protagonisten, sie heben nicht ab. Ganz im Gegenteil. “Ich liebe an dieser Mannschaft, dass sie so bodenständig bleibt”, verdeutlichte Torsten Lieberknecht auf der Pressekonferenz nach der Partie auf Schalke. Denn der Darmstädter Cheftrainer erkannte: “Wir haben gegen Top-Teams der Liga herausragende Siege eingefahren. Wenn du aber weißt, wie intensiv und mit wie viel Arbeit diese erarbeitet werden mussten, bist du ganz schnell in einer demütigen Haltung.”

Die richtigen Antworten…

Ein hart arbeitendes Team präsentierte sich auch in der Veltins-Arena. Doch lag der SV 98 bereits nach acht Zeigerumdrehungen mit 0:1 im Hintertreffen. Was vor über 50.000 Zuschauern in Gelsenkirchen der einen oder anderen Mannschaft vermutlich Kopfzerbrechen bereitet hätte, war den Lilien aber schlichtweg egal. “Die Köpfe haben wir überhaupt nicht hängengelassen”, erklärte Tietz und ergänzte: “Stattdessen haben wir einfach noch mehr Druck gemacht, offensiver gespielt und besser verteidigt.” Der Lohn? Erst der Ausgleich, dann sogar noch vor der Pause die Führung. Lieberknecht: “Wir werden selbst nach einem Rückstand nicht unruhig, sondern wir wissen, dass die Jungs schon die richtige Antwort geben werden.”

… und eine brutale Mannschaftsleistung

Und das taten die Lilien – sowohl in der ersten als auch in der zweiten Halbzeit. Den Plan, den sich Mannschaft und Trainerteam in der Woche zuvor gemeinsam erarbeitet hatten, setzten sie gnadenlos um. Die Darmstädter, sie spielten mutig nach vorne und verteidigten konsequent – und das gegen eine starke Schalker Truppe mit enormer Qualität. “Es war heute eine brutale Mannschaftsleistung”, lobte Tietz. Teamkollege Marcel Schuhen pflichtete ihm bei und unterstrich genau das, was die Lilien in dieser Saison ein stückweit einzigartig macht: “Wir sind eine Mannschaft, ein geschlossenes Team.” Einer für alle, alle für einen. Egal, ob die Spieler auf dem Platz, auf der Bank oder der Tribüne. Bestens zu sehen nach Benjamin Gollers Jokertor zum 4:2 (übrigens wieder so eine perfekte Antwort auf den zwischenzeitlichen Anschlusstreffer der Schalker). Denn als der Ball im Netz einschlug und der Deckel damit endgültig drauf war, sprinteten sie los. Ob die Auswechselspieler oder sogar Keeper Schuhen: Sie alle strömten in den Sechzehner der Hausherren, um dort um den Torschützen eine große Jubeltraube zu bilden.

“Ich spüre einfach diese Lust der Jungs, zusammenzuarbeiten und zu trainieren, Spiele anzugehen sowie alles aus sich herauszuholen”, freute sich Lieberknecht, für den der Dreier in der Veltins-Arena ein weiterer Entwicklungsbaustein in einem noch langen Prozess war. Schließlich weiß er: “Der nächste Gegner heißt St. Pauli, es wird nicht einfacher.” Erst auf Schalke, dann also nach der zweiwöchigen Länderspielpause gegen den Spitzenreiter der 2. Bundesliga. Ein Highlight folgt auf das nächste. Und die Lilien, sie werden auch das kommende Heimspiel (20.11./13.30 Uhr) im Merck-Stadion am Böllenfalltor wieder voller Vorfreude und einer gesunden Portion an Sachlichkeit und Seriosität angehen.

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