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31.07.2020 / Allgemein

„Ich werde direkt reinfetzen“

Anfang März brach sich Immanuel Höhn den Außenknöchel im linken Fuß. Pünktlich zum Start in die Vorbereitung meldet sich der 28-Jährige nun zurück und sprach mit uns über die Tests der ersten Woche, Konkurrenz auf seiner Position und das eigene Selbstvertrauen.

sv98.de: Höhni, bereits zum Abschluss der vergangenen Saison warst du teilweise auf dem Trainingsplatz zu sehen, hast individuell trainiert und kleine Teile der Einheiten auch mit dem Team absolviert. Wie sieht es jetzt bei dir aus?

Höhn: Damals war ich bereits in den Entzügen der individuellen Belastungen, jetzt konnte ich auch in der Pause nochmal gut arbeiten und bin komplett schmerzfrei. Die freie Zeit hat gutgetan. Sowohl für den Kopf als auch für den körperlichen Zustand. Da bin ich nochmal zwei große Schritte nach vorn gegangen.

sv98.de: Du bist also bereit für das Mannschaftstraining?

Höhn: Genau, für mich geht es morgen auf den Platz. Darüber bin ich natürlich sehr glücklich.

sv98.de: War das erste Training immer dein Ziel oder bist du dem Plan sogar voraus?

Höhn: Der Vorbereitungsstart war auf jeden Fall mein Ziel und ich war mir auch sicher, dass es klappen wird. Ich hatte ja sogar den Traum, vielleicht in der vergangenen Saison am Ende nochmals eingreifen zu können, das wäre aber zu früh gewesen. Ein genauer Heilungsverlauf ist immer schwer vorherzusehen und es ging einfach darum, für die neue Saison fit zu sein. Das hat funktioniert.

sv98.de: Konntest du denn auch ein wenig Urlaub machen oder stand die freie Zeit noch ganz im Zeichen der endgültigen Gesundung?

Höhn: Sowohl als auch. Ich hatte auch einige Tage Urlaub. Das war auch extrem wichtig nach den Monaten ohne freie Zeit. Es wird zwar oft behauptet, dass ein verletzter Spieler mehr Zeit für andere Dinge habe, aber das ist Humbug. Man verbringt viel Zeit in der Reha und bei Ärzten, da ist man im Alltag stärker eingeschränkt als ein gesunder Spieler. Deswegen tat der Urlaub sehr gut, um ein wenig Abstand zu gewinnen. Aber auch da gab es die Pläne, an die wir uns halten mussten.

sv98.de: Unter anderem hast du in der Sommerpause auch deinen tauchschein gemacht. Ein längeres Vorhaben von dir oder eher eine spontane Eingebung?

Höhn: Das war schon länger geplant, hat sich aber jetzt ein gutes Jahr gezogen. Da kam auch die Verletzung dazwischen, da musste ich jetzt etwas nachholen.

sv98.de: Mittlerweile ist die Urlaubszeit vorbei. In dieser Woche seid ihr mit verschiedenen Tests in die Vorbereitung gestartet. Nicht unbedingt die schönsten Tage für einen Fußballer…

Höhn: Wir wissen, dass diese Tests dazugehören. Ändern kann man es sowieso nicht, deswegen ziehen wir das alle natürlich durch. Speziell für die athletische und medizinische Abteilung sind diese Grundwerte sehr wichtig, um zu wissen, wo wir stehen. Das ist schon sehr vernünftig, aber natrülich freuen wir uns alle auf den Platz.

sv98.de: Wie interessiert bist du an deinen Werten und welche Schlüsse könnt ihr auch daraus ziehen?

Höhn: Speziell die individuellen Zusatzeinheiten, die jeder Spieler absolviert, orientieren sich sehr stark daran. Da bekommt man ein gutes Feedback und kann die eigenen Pläne anpassen, weil klar ist, woran jeder Spieler arbeiten kann und vielleicht auch muss.

sv98.de: Vergleicht ihr die Werte im Team?

Höhn: Im Spaß macht man das während der Tests ganz gerne. Aber im Nachgang spielt das keine Rolle mehr. Es geht eher um kleine Sticheleien und das Necken während der verschiedenen Übungen. Es ist ja auch nicht so, dass wir die Werte danach in die Kabine hängen und schauen, wer der Beste gewesen ist.

sv98.de: Sehr groß dürfte hingegen die Vorfreude auf den Samstag und das erste Training sein. Bei dir nochmal im speziellen? Schließlich gab es seit Anfang März kein normales Mannschaftstraining für dich…

Höhn: Ich freue mich unheimlich auf den Platz und den normalen Fußballalltag. Es war eine schwierige und harte Zeit und ich sehr glücklich, dass ich jetzt wieder gesund bin.

sv98.de: Wirst du trotzdem mit einer gewissen Vorsicht in die erste Einheit gehen? Hat man die Verletzung vielleicht doch noch irgendwo im Hinterkopf?

Höhn: Nein. Ich werde direkt reinfetzen. (lacht) Ansonsten macht es auch keinen Sinn. Ich habe in den letzten Wochen den nötigen Abstand zur Verletzung bekommen und gemerkt, dass der Fuß stabil ist. Mit diesem guten Gefühl gehe ich morgen auf den Platz.

sv98.de: Erstmals wird Markus Anfang die Einheit leiten. Ihr habt ihn in dieser Woche ein wenig kennengelernt, wie ist der erste Eindruck?

Höhn: Man kann sich sehr gut mit ihm unterhalten, wie mit dem gesamten Trainerteam. Es macht Spaß, sich mit ihm über Fußball auszutauschen, aber wir haben auch schon über zwei, drei andere Themen geredet. Er hat auf jeden Fall die Woche genutzt, um mit allen Spielern ein paar Worte zu wechseln und sich ein wenig kennenzulernen. Und jetzt freuen wir uns alle auf die gemeinsame Arbeit auf dem Platz.

sv98.de: Ansonsten bist du auf nicht all zu viele neue Gesichter gestoßen. Mit Lukas Mai gibt es bislang nur einen externen Neuzugang. Du hast schon einige Umbrüche hier miterlebt. Schön, dass nun ein Großteil der Mannschaft bestehen bleibt?

Höhn: Erstmal ist es sehr wichtig, dass wir zum Auftakt eine vernünftige Gruppengröße beisammenhaben. Im Fußball gibt es immer Veränderungen, das ist ganz normal. Auf Ab- und Zugänge stellt sich jeder ein. Aber es ist super, dass das Grundgerüst weiterhin vorhanden ist.

sv98.de: Offen kommuniziert wurde von Beginn an die Suche auf der Innenverteidigerposition, auf der du ja auch Zuhause bist. Mit Mai ist ein Neuer da, Augen und Ohren sind aber weiterhin offen. Verfolgst du diese Suche genau oder bist du da ganz entspannt?

Höhn: Es wäre schwierig gewesen, mit zwei Innenverteidigern in die Saison zu gehen. Deswegen war es ganz klar, dass wir noch zwei Leute brauchen werden. Mit Lukas ist der erste da und wir brauchen auch noch einen zweiten. Wir brauchen vier spielfähige Innenverteidiger auf dem Platz. Und die Zeiten sind vorbei, in denen ich die Gerüchteküchen beobachte und mir Gedanken mache, wer kommen könnte. Konkurrenz gibt es immer und das ist auch wichtig. Aber ich bin selbstbewusst und bin sicher, dass ich meine Spiele machen werde.

sv98.de: Ein Selbstvertrauen, das du nach der letzten Saison auch haben kannst Bis zu deiner Verletzung hast du mit Ausnahme von einer Partie alle Spiele absolviert, immer auf der Position in der Innenverteidigung. Dieser klare Stammplatz auf deiner Lieblingsposition war in Darmstadt nicht immer gegeben. Lässt dich das mit breiter Brust in die Vorbereitung gehen?

Höhn: Natürlich nehme ich dieses Selbstvertrauen mit. Ich weiß, dass ich der Mannschaft in der Vorsaison helfen konnte und das will ich wieder tun. Auf dem Platz stehen und dem Team mit meiner Leistung helfen.

sv98.de: Auch hast du die Rolle als Lautsprecher in der Viererkette angenommen, sehr viel kommuniziert und gelenkt. Ist das etwas, was mit den Jahren immer stärker geworden ist, wie du dich mit 28 automatisch auch in der Rolle eine Führungsspielers siehst?

Höhn: Über die Jahre und den Erfahrungen verändert sich das schon, dazu kommt das Standing, das man als Spieler in einer Mannschaft hat. Ich glaube schon, dass die Jungs mittlerweile auf das vertrauen, was ich sage und mir auch zuhören. Deswegen versuche ich, in jedem Training und Spiel Kommandos zu geben und auch eine Führungsrolle zu übernehmen.

sv98.de: Zumal auch viele junge Spieler im Kader stehen, die sicherlich den ein oder anderen Rat gebrauchen können…

Höhn: Ich stehe immer für Fragen bereit und bin da für die Jungs. Ich weiß selbst, wie man sich fühlt, wenn man als junger Spieler zu den Profis aufrückt und da freut man sich, wenn einer der erfahrenen Spieler sich Zeit nimmt und Hilfe anbietet. Da versuche ich weiterzugeben, was mir früher beigebracht worden ist.

sv98.de: Macht ihr euch so früh in der Vorbereitung schon Gedanken über Ziele für die Saison?

Höhn: Sicherlich hat jeder persönliche Ziele, ich auch. Und natürlich gibt es auch Ziele, die wir als Mannschaft erreichen wollen. Aber wir standen noch nicht einmal zusammen auf dem Platz, deswegen ist es jetzt der falsche Zeitpunkt, um konkret zu werden. Wir müssen uns als Mannschaft mit dem Trainerteam kennenlernen, gemeinsam entwickeln und die Spielphilosophie verinnerlichen. Und intern werden wir uns dann mit Sicherheit unsere Ziele setzen, die es auch braucht, wenn man erfolgreich sein möchte.

 

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