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16.04.2018 / Allgemein

Im Kollektiv

Von beiden Seiten gestützt humpelte Baris Atik noch einige wenige Schritte, bevor sich Terrence Boyd kurzerhand für eine andere Lösung entschied, um den verletzten Mitspieler möglichst schonend vom Spielfeld zu bringen. Mit dem rechten Arm griff der Angreifer unter Atiks Oberkörper, mit dem linken umfasste Boyd die Beine seines Teamkollegen. Auf diese Art trug der 1,88 Meter große US-Amerikaner den nur 1,69 Meter großen Dribbler vom Mittelkreis über die Seitenauslinie und ersparte Atik so viele schmerzhafte Meter. Es war eine Szene aus dem Spiel gegen Braunschweig, die symbolisch stand für das geschlossene Kollektiv, in dem der SV 98 bereits seit Wochen auftritt. Und auf dessen Grundlage das gemeinsame Saisonziel weiterhin erreicht werden kann.

"Das hätte auch jeder andere Spieler für Baris gemacht, und das zeichnet uns als Mannschaft auch aus", erklärte Boyd angesprochen auf die Szene in der 66. Minuten, bevor er anfügte: "Der Zusammenhalt in der Truppe, im Verein und mit den Fans ist überragend, das hat man heute wieder gesehen."
Das Wissen, nur mit gebündelten Kräften in der schwierigen Situation bestehen zu können, ist bei den Lilien allgegenwärtig. Seit der Partie gegen Kaiserslautern hängt ein gemeinsames Banner von Mannschaft und Fans mit dem Motto "We fight together" auf der Südtribüne, ein Grafitti mit demselben sprachlichen Inhalt verziert seit zwei Wochen den Kabinengang unter der Haupttribüne. Der starke Bund zwischen Verein und Anhängern und innerhalb des Teams ist ein Hauptgrund dafür, dass die Lilien mittlerweile die Mannschaft mit der längsten Serie an ungeschlagenen Spielen in der 2. Liga sind.
Auch nach den insgesamt 98 Minuten gegen Eintracht Braunschweig hat diese Serie weiterhin Bestand. Und das hochverdientermaßen, da die Lilien für ihre mannschaftlich geschlossene Darbietung gegen die Niedersachsen mit Sicherheit auch mit einem Heimsieg hätten belohnt werden können. "Wir wollten die drei Punkte und so sind wir aufgetreten", fasste Romain Brégerie nach Abpfiff zusammen und sprach in der Folge von einem "etwas frustrierenden" Endergebnis aufgrund der Überlegenheit, die sich er und seine Teamkollegen über die gesamte Spieldauer erarbeitet hatten.
Blick nach vorne
Die Gedankengänge des Innenverteidigers hatte auch Felix Platte am Vortag geteilt, am Montagmittag richtete der Angreifer den Blick aber schon wieder auf die nächsten Aufgaben: "Gestern waren wir schon etwas enttäuscht über den einen Punkt, weil drei möglich gewesen wären. Aber heute, das sieht man der Mannschaft auch an, sind wir alle wieder positiv und ziehen die richtigen Schlüsse aus dem Spiel."
Ruhiges Weiterarbeiten und positive Gedanken, beides sind unverzichtbare Punkte auf dem Weg der Lilien, ebenso wie ein ungeschönter Blick für die aktuelle Situation: "Wir wissen, dass wir Punkte brauchen", machte Platte deutlich, ähnlich, wie es Brégerie bereits am Vortag getan hatte: "Wir wollen Punkte und davon so viele wie möglich. Aber es bringt nichts, zu kalkulieren oder zu rechnen. Unser nächstes Ziel ist Sandhausen."
Zusammenhalt als Faustpfand
Auch die Aufgabe am Hardtwald werden die Lilien wieder im Kollektiv angehen und als geschlossene Einheit, die im Optimalfall von zahlreichen Lilienfans verstärkt wird. Schließlich steht die kürzeste Auswärtsfahrt der Saison bevor. "Wir brauchen ihre Unterstützung und haben auch gestern wieder gesehen, wie sensationell unsere Fans sind", verdeutlichte Platte, verbunden mit der Hoffnung auf ein weiteres gemeinsames Kapitel am kommenden Samstag: "Wir hoffen, dass in Sandhausen wieder eine geile Stimmung herrschen wird."
Auf das Fortbestehen des Wir-Gefühls im Kampf um den Klassenerhalt setzt auch Boyd, insbesondere mit Blick auf das Kräftemessen am anstehenden Spieltag: "Der Zusammenhalt wird auch in Sandhausen mit hoffentlich vielen Lilienfans unser großes Faustpfand sein, wo wir uns mit drei Punkten belohnen wollen."
Den besten Beweis, welche Bedeutung jeder Einzelne im Kollektiv haben kann, hatte Boyd bei Atiks Auswechslung selbst am Vortag angetreten. Und damit einmal mehr vorgelebt, auf welche Eigenschaften es im Endspurt der aktuellen Spielzeit besonders ankommen wird.

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