FAQs zum verlegten Testspiel gegen San Antonio
Der SV 98 beantwortet die wichtigsten Fragen zum verschobenen Testspiel der Lilien beim Kooperationspartner San Antonio FC.
Am 27. Januar 2022 jährt sich erneut die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau und damit auch der Erinnerungstag an die unzähligen Opfer der Shoa und des Nationalsozialismus. Aus diesem Anlass blicken wir noch einmal auf das Leben von Dr. Karl Heß, der beim SV 98 in der Zeit der Weimarer Republik als Vorsitzender aktiv war und mit Beginn der NS-Diktatur aufgrund seines jüdischen Glaubens vertrieben wurde. Er steht stellvertretend für zahlreiche deutsch-jüdische Sportler, Trainer, Vereinsvorsitzende, Manager und Sport-Förderer, die dem Rassenwahn und Antisemitismus der Nazis zum Opfer fielen.
Ein Leben für die Lilien: Der deutsch-jüdische Darmstädter Rechtsanwalt Dr. Karl Heß, geboren am 13. Januar 1900, amtierte in der Zeit der Weimarer Republik seit 1924 als stellvertretender Vorsitzender und von 1928 bis 1933 als Vorsitzender des SV Darmstadt 1898. Geboren und aufgewachsen in Darmstadt, legte er 1918 das Abitur am Alten Realgymnasium ab. Es folgten ein Jurastudium in Gießen und die Promotion in Heidelberg. 1926 ließ sich Dr. Karl Heß als Rechtsanwalt in Darmstadt nieder.
Weil Karl Heß Deutscher jüdischen Glaubens war, verhängten die Nazis mit Beginn der NS-Diktatur gegen ihn ein Berufsverbot, vertrieben ihn aus seiner Darmstädter Heimat: Er musste 1933 aus Deutschland fliehen – zuerst nach Südfrankreich, dann Anfang 1934 nach Rio de Janeiro in Brasilien. Im Exil bestritten er und seine Frau den Lebensunterhalt für die Familie über zwanzig Jahre lang mit einem kleinen Geschäft. Erst später konnte Karl Heß wieder in seinem eigentlichen Beruf als Rechtsanwalt arbeiten und leitete die Zweigstelle der United Restitution Organisation in Rio de Janeiro. In dieser Funktion vertrat er Entschädigungsforderungen von Nazi-Verfolgten und Holocaust-Opfern.
Trotz seiner Verfolgung und Vertreibung hielt Karl Heß nach der Befreiung Deutschlands von der Nazi-Diktatur weiter enge Verbindungen nach Darmstadt und zum SV Darmstadt 98. 1955 besuchte er erstmals wieder die alte Heimatstadt, wagte 1963 zusammen mit seiner Frau die Rückkehr nach Darmstadt. Bis 1968 fand der gelernte Jurist Arbeit im Rechtsamt der Stadt. Sein Credo formulierte Heß 1965 so: „Ich bin nicht als Jude zurückgekommen, sondern als jüdischer Deutscher, der Hitler nicht den Triumph lassen wollte, ihm seine Heimat geraubt zu haben.“
Nach seiner Pensionierung blieb er zunächst in Darmstadt, verließ seine südhessische Heimat jedoch 1973 erneut, um seinen Lebensabend bei der Familie seines Sohns in Porto Alegre (Brasilien) zu verbringen, wo er am 15. April 1975 starb und seine letzte Ruhestätte fand. Karl Heß hat in den Jahren der Weimarer Republik als Sportfunktionär und begeisterter Fußballfreund die Entwicklung seines SV Darmstadt 98 maßgeblich mitgeprägt. Er steht stellvertretend für zahlreiche deutsch-jüdische Sportler, Trainer, Vereinsvorsitzende, Manager und Sport-Förderer, die dem Rassenwahn und Antisemitismus der Nazis zum Opfer fielen.
Eine Gedenktafel gegen das Vergessen und der am 15. Januar 2017 eingeweihte Karl Heß-Platz vor dem Merck-Stadion am Böllenfalltor sollen an das Lebenswerk von Dr. Karl Heß erinnern, aber auch an das von den Nazis begangene Unrecht.