FAQs zum verlegten Testspiel gegen San Antonio
Der SV 98 beantwortet die wichtigsten Fragen zum verschobenen Testspiel der Lilien beim Kooperationspartner San Antonio FC.
Seit dem 1. Februar arbeitet Christopher Busse als Athletiktrainer beim SV 98. Doch welche Aufgaben umfasst diese Position überhaupt? Und wo liegen die Unterschiede zur Rolle des Rehatrainers, die seit etwas mehr als einem Jahr von Florian Bauer ausgefüllt wird? Wir haben mit Chris und Flo über die tägliche Arbeit, ihre Vergangenheit in anderen Sportarten und die Wichtigkeit von ständiger Kommunikation gesprochen.
sv98.de: Chris, zunächst noch einmal: herzlich willkommen bei den Lilien. Wie hast du dich eingelebt?
Chris: Vielen Dank. Die ersten Wochen in einem neuen Verein sind immer ein stückweit eine Findungsphase. Darin befinde ich mich noch, aber es läuft bislang sehr gut und es wurde mir von allen Seiten sehr einfach gemacht. Es macht Spaß, täglich mit den Jungs zusammenzuarbeiten und nun geht es darum, verschieden Dinge und Abläufe zu optimieren.
sv98.de: Es hilft sicherlich, dass du die Arbeit bei einem Fußballverein bereits kennst…
Chris: Definitiv. Das war auch durchaus ein Faktor, warum sich Torsten und der komplette Verein eine Zusammenarbeit mit mir vorstellen konnten. Gewisse Abläufe und Gegebenheiten im Profifußball muss man erst kennenlernen, da hilft mir die Erfahrung aus Cottbus und aus den letzten Jahren bei Union natürlich weiter.
sv98.de: Flo, für dich ist der SV 98 der erste Arbeitgeber im Profifußball, mittlerweile bist du seit etwas mehr als einem Jahr bei uns. Wie fällt das bisherige Fazit aus?
Flo: Ich habe zuvor ja jahrelang im Handball gearbeitet und der Unterschied in der ganzen Maschinerie ist schon enorm. Es gibt viel mehr Personen, die um die Mannschaft herum aktiv sind, entsprechend sind die Abläufe und Aufgaben klarer strukturiert. Aber ich kann sagen, dass ich mich nach einem kurzen Findungsprozess sehr schnell eingewöhnt habe und dann aus sportlicher Sicht ein ziemlich erfolgreiches Jahr 2021 miterleben durfte. Natürlich war es nochmal eine Umstellung, im Sommer ein neues Trainerteam kennenzulernen, aber die Zusammenarbeit macht großen Spaß und ich bin froh, den Schritt in den Fußball gegangen zu sein.
sv98.de: Seit dem 1. Februar seid ihr nun Teamkollegen beim SV 98. Chris, du als Athletiktrainer, Flo, du als Rehatrainer. Ohne zu tief ins Detail zu gehen: Welche Aufgaben umfasst der jeweilige Bereich?
Chris: Generell ist es so, dass der Athletiktrainer für die Fitness der gesamten Mannschaft verantwortlich ist, insbesondere für die Spieler, die gesund sind und voll am Trainingsbetrieb teilnehmen können. Da geht es um die Entwicklung der einzelnen Spieler im athletischen Bereich, speziell auch bei den jüngeren, die noch viel Entwicklungspotenzial besitzen, aber auch um die generelle Frische im Laufe einer Trainingswoche, damit alle am Wochenende bestmöglich performen können. Und der Rehatrainer arbeitet eher individuell mit den verletzten oder angeschlagenen Spielern, die nicht komplett im Training mitwirken können. Trotzdem überschneiden sich beide Bereiche schon, speziell, wenn wir, wie aktuell, glücklicherweise kaum Verletzte haben. Dann unterstützt mich Flo im Athletiktraining und umgekehrt würde ich helfen, wenn wir viele angeschlagene Spieler hätten.
sv98.de: Flo, inwiefern entlastet Chris dich damit oder hat seine Einstellung eher Auswirkungen auf das Aufgabengebiet von Kai Peter Schmitz, der zuvor ja den Großteil der Aufgaben im Athletikbereich übernommen hat?
Flo: Kai hat sich sicherlich am meisten darüber gefreut. (lacht) Es war schon so, dass er zuvor wirklich regelmäßig absolute Mammut-Tage hatte, weil er sich sowohl um die Datenanalyse als auch um das Athletiktraining und individuelle Trainingspläne gekümmert hat. Da hat er sich über die Jahre einige Themengebiete angesammelt und entsprechend groß ist die Entlastung durch Chris, der jetzt die Aufgaben im Athletikbereich übernommen hat. Das heißt aber nicht, dass ich mich nicht über seine Ankunft gefreut habe. (grinst) Aber an meinem Aufgabengebiet hat sich dadurch nicht so viel verändert.
sv98.de: Chris, bei Union Berlin hast du zuletzt selbst die Rolle als Rehatrainer innegehabt. Warum jetzt die Rückkehr zum Athletiktrainer? Diese Position hast du nämlich schon bei Energie Cottbus bekleidet.
Chris: Ich möchte mich in beiden Bereichen weiterentwickeln, weil ich beide Rollen extrem spannend und interessant finde. Nach dreieinhalb Jahren als Rehatrainer bei Union kenne ich die Abläufe in diesem Bereich sehr detailliert und wollte nun wieder in den athletischen Bereich wechseln und bin froh, dass ich hier die Chance dazu bekommen habe.
sv98.de: Zumal du beide Thematiken studiert hast…
Chris: Genau. Ich habe zunächst Sporttherapie und Prävention studiert, was eher auf das Rehatraining abgezielt hat. Allerdings war dort alles eher auf Rehasport ausgelegt und wenig sportartspezifisch und ich habe für mich gemerkt, dass ich gerne im Leistungssport arbeiten würde. Dementsprechend habe noch einen Master in den Sportwissenschaften mit dem Schwerpunkt Trainingswissenschaften gemacht, wo es darum geht, Leistungssportler auf sehr hohem Niveau noch ein paar Prozent besser zu machen. Dieses Studium würde ich eher im athletischen Bereich verorten, entsprechend fühle ich mich mit beiden Rollen sehr wohl.
sv98.de: Flo, hilft es mit jemanden zu arbeiten, der selbst große Expertise in diesem Gebiet hat?
Flo: Eine größere Expertise hilft natürlich immer. Es bringt uns in diesem Bereich sicherlich weiter, wenn noch jemand seine Ideen und Ansätze einbringt. Es wäre ja bescheuert, wenn ich dieses Know-how nicht nutzen würde. Letztendlich steht über allem, dass die Spieler davon profitieren und ihre Leistung bringen können.
sv98.de: Interessanterweise habt ihr beide Vergangenheit in Hallensportarten. Flo, du warst eigentlich immer im Handball unterwegs, zunächst als Spieler, dann auch als Cheftrainer. Und Chris, du warst erfolgreicher Basketballer, bis du aufgrund einer Verletzung deiner Karriere beenden musstest. Warum mittlerweile der Job im Profifußball?
Chris: Ich habe es immer als Vorteil angesehen, das Wissen und die Abläufe aus einer anderen Sportart gut zu kennen und in den Fußball mitnehmen zu können. Da lässt sich durchaus einiges übertragen und anwenden. Ich habe mich mit 18 beim Übergang zu den Profis schwerer verletzt und mich dann dazu entschieden, ein Studium anzugehen, mit dem ich später selbst Sportlern im Verletzungsfall helfen könnte.
Flo: Ich habe parallel zu meinen Tätigkeiten im Handball die letzten 10 Jahre als Rehatrainer bei Theresport gearbeitet, die ja ein Kooperationspartner der Lilien sind und habe dadurch schon regelmäßig mit Spielern trainiert, die nicht am Trainingsbetrieb teilnehmen konnten. Und dann habe ich mal zu Kai Peter gesagt, dass er sich melden soll, wenn ein Rehatrainer im Verein gesucht wird. Und irgendwann hat er sich gemeldet. (lacht) Grundsätzlich hatte ich immer das Ziel, bei einem Verband oder in einem Verein zu arbeiten. Dementsprechend musste ich nicht lange überlegen.
sv98.de: Grundsätzliches Interesse für Fußball war immer vorhanden?
Flo: Als Handballer wärmt man sich meist mit Fußball auf. (schmunzelt) Als Ballsportler guckt man schon generell auf andere Sportarten und interessiert sich auch dafür.
Chris: Die erste Sportart, die ich im Verein betrieben habe, war sogar Fußball. Da habe ich allerdings schnell gemerkt, dass es nicht unbedingt das ist, was ich langfristig machen sollte. (lacht) Danach habe ich dann diverse Sportarten ausprobiert und bin dann beim Basketball hängengeblieben. Aber mittlerweile gucke ich sogar nur noch Fußball, wenn nicht gerade die NBA-Finals laufen.
sv98.de: Speziell bei verletzten Spieler begleitet ihr den Weg zurück auf dem Platz und in das vollständige Mannschaftstraining. Wie schwer ist es, zwischen der Ungeduld des Spielers und vielleicht auch des Trainerteams zu stehen, das den Akteur natürlich auch so schnell wie möglich gerne wieder dabei haben würde?
Flo: Je schwerer die Verletzung ist, desto einschichtiger und verständnisvoller ist das Trainerteam. (lacht) Da weiß es direkt, die nächsten Monate muss ich nicht mit diesem Spieler planen. Bei diesen Verletzungen wächst dann eher die Ungeduld des Spielers. Aber ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass es extrem wichtig ist, zu Beginn einen ordentlichen Rehaplan inklusiver der zeitlichen Abläufe vorzulegen, damit der Spieler weiß, wie sein Fahrplan aussieht. Schwieriger wird es bei kleineren Verletzungen, wo dann schon häufig die Nachfrage kommt, ob es bis zum Wochenende reicht. Da geht es dann darum, dass ein Spieler nicht nur irgendwie auflaufen soll, sondern eben auch in der Lage sein muss, eine Leistung bringen zu können, die der Mannschaft weiterhilft.
Chris: Du bist nicht nur Trainer, sondern es geht auch darum, die verschiedenen Perspektive zu managen. Nicht nur von Spieler oder Trainerteam, sondern auch von Physios, Ärzten oder auch Beratern. Und wenn du diesen ordentlichen und durchdachten Plan hast, den du allen Seiten gut vermitteln kannst, dann macht das vieles leichter. Der Vorteil hier ist, dass wir ein Teil des Trainerteams sind und wir uns jeden Tag besprechen, damit immer alle genau wissen, wie die Situation bei einem Spieler ist.
sv98.de: Eines wird auf jeden Fall deutlich: Eine gute Kommunikation ist nicht zu ersetzen…
Flo: Auf jeden Fall. Wir haben hier die „Luxussitaution“, dass alle Spieler frühzeitig da sind und wir schon vor den Einheiten ein paar Themen durchsprechen können. Durch gute Kommunikation kann man vieles vielleicht schon im Vorfeld abfangen.
Chris: Kommunikation ist der entscheidende Faktor. Das muss mit einem gewissen Verständnis und Vertrauen einhergehen, damit jeder weiß, mit wem worüber gesprochen werden muss. Ansonsten fallen Sachen hinten runter und das sollte nicht passieren.
sv98.de: Bei den Spielern gibt es die unterschiedlichsten Typen. Hofft man auf den proaktiven Charakter, der ganz offen über kleinere Probleme spricht? Das fällt im Konkurrenzkampf sicherlich nicht immer leicht, weil man als Folge eventuell Trainingseinheiten verpasst, oder?
Chris: Das darf nicht sein. Es darf keine Angstkultur herrschen, sondern es muss ein offenes Verhältnis herrschen und die Jungs hier wissen auch, dass der Trainer sehr zugänglich für dieser Art von Ehrlichkeit und Selbstreflektion ist. Da wird keiner direkt für das Wochenende gestrichen, weil er mal eine Einheit verpasst. Wichtig ist, dass immer ein offenes Ohr für die Spieler da ist, gleichzeitig aber auch realistisch eingeschätzt wird, ob eine Pause tatsächlich notwendig ist. Da haben sowohl wir als auch die medizinische und physiotherapeutische Abteilung einen gewissen Erfahrungsschatz, um so etwas gut einschätzen zu können und das Trainerteam hat oft auch ein gutes Gefühl dafür, wann ein Spieler eine Pause benötigen könnte.
sv98.de: Eure Bereiche haben sich extrem weiterentwickelt in den letzten Jahren. Welche technischen Gadgets nutzt ihr für eure Arbeit und wie sehr helfen euch diese Daten bei der Planung und im täglichen Training. Und zeigen sie euch dann vielleicht auch, wann ein Spieler mal eine Pause vertragen könnte?
Flo: Wir arbeiten mit dem System von „Catapult“, das pro Trainingseinheit ca. 1000 Daten pro Spieler übermittelt. Da können wir natürlich nicht alles überprüfen, aber es gibt wichtige Faktoren anhand derer eine genauere Trainingssteuerung vorgenommen werden kann. Ansonsten haben wir Kraft- und Sprungtests vor der Runde, anhand derer wir die Trainingspläne für die Saison erstellen, bei denen durch die aktuellen Daten ein permanentes Monitoring stattfindet.
sv98.de: Im Fußball wird gerne über Zielsetzungen gesprochen. Lautet euer Ziel immer „Möglichst wenig Verletzte“ oder gibt es sogar messbare Zielsetzungen wie Ausfalltage, Rehazeit bis zum Comeback oder Werte (Kraft, Geschwindigkeit) auf die man hintrainieren kann?
Chris: Man kann nicht alles verhindern, aber natürlich ist es das große Ziel, so wenige Ausfälle wie möglich zu haben. Das hilft dem gesamten Team und hält auch die Trainingsqualität hoch. Dazu kommen andere Faktoren wie Laufleistung oder Sprintfähigkeiten, die wir gerne verbessern möchten. Auch Laktat- oder Kraftwerte sind wichtig, speziell bei den jüngeren Spielern, bei denen noch viel Potenzial in diesen Bereichen besteht. Bei den älteren Spielern geht es dann eher um das Halten des Niveaus und möglichst gute und schnelle Regeneration. Da sind dann auch messbare Ziele dabei, die wir uns als Trainerteam durchaus setzen.
sv98.de: Und zum Abschluss: Inwiefern geht euer Job auch über das reine Training noch hinaus? Beispielsweise bei Themen wie Ernährung oder Schlaf? Ist man damit bei euch ebenfalls an der richtigen Stelle?
Chris: Bis zu einem gewissen Grad, ja. Wir sind und sollten auch dafür die ersten Ansprechpartner dafür sein und können auch weiterhelfen. Aber ich sage auch klar, dass ich kein ausgebildeter Ernährungsberater bin und sehr gerne den Kontakt zu Leuten vermittle, die darauf spezialisiert sind. Am Ende ist es wichtig, dass man dem Spieler ein gewisses Repertoire an Experten bieten kann, die bei verschiedensten Themen weiterhelfen können. Da sind wir nicht zu stolz, auch andere Personen mit einzubeziehen. Schlussendlich muss es den Jungs weiterhelfen. Im Leistungssport geht es immer um die letzten Prozentpunkte, dafür braucht es dann häufig auch Spezialisten.