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01.10.2022 / Allgemein

Leidenschaft und Leidensfähigkeit

251 Tage sind eine lange Zeit. Insbesondere im schnelllebigen Profifußball. Umso bemerkenswerter ist es, in dieser gewaltigen Spanne kein einziges Heimspiel zu verlieren. Der SC Paderborn hat genau das geschafft. 11 Partien auf heimischen Geläuf waren die Ostwestfalen unbesiegt, bevor der SV 98 am Freitagabend in ihrem Wohnzimmer gastierte. Um diese Serie zu beenden. Und die eigene gleichzeitig zu verlängern.

Foto: Holtzem

5:0, 4:2, 7:2, 1:0, 3:0. Allein durch die Ergebnisse der vorherigen Paderborner Heimspiele wurde schon im Vorfeld klar, was die Lilien am 10. Spieltag erwarten dürfte. Ein Gastgeber voller Gier auf Tore. Ein Team, das sich in einen Rausch spielen kann. Eine Mannschaft, gegen die es eine Leistung auf höchstem Niveau braucht.

„Paderborn ist sehr spielstark, sehr variabel, teilweise unberechenbar“, fasste Marcel Schuhen nach Abpfiff zusammen, was zuvor alle Zuschauer über 90 Minuten hinweg beobachten konnten. Speziell in den ersten 10 Minuten fegte ein Sturmlauf des SCP über die Darmstädter hinweg, eine Fortsetzung der beeindruckenden Ergebnisreihe schien nicht unwahrscheinlich. 0:1 aus Darmstädter Sicht stand es nach drei Minuten, in der sechsten Spielminute entschied Benjamin Cortus zurecht auf Strafstoß für die Paderborner. Es folgte, was Torsten Lieberknecht später „einen der wichtigsten Momente“ taufen sollte. Marvin Pieringer trat zum Elfmeter an, Marcel Schuhen parierte. „Wenn das 0:2 fällt, dann kann es unangenehm werden“, so Schuhen auf die Szene angesprochen, die seine Farben so richtig ins Spiel kommen ließ. Statt 0:2 stand es nur drei Minuten später 1:1. „Wenn du hier bestehen willst, brauchst du diese Momente“, erklärte Christoph Zimmermann und ergänzte: „Danach haben wir das Spiel sozusagen gegen den Ball kontrolliert.“

Die Lust am Kicken der Kunst des Verteidigens untergeordnet

Denn die Südhessen taten nun das, was sie sich dank der umfangreichen Analyse im Vorfeld vorgenommen hatten. Sie ließen sich ein wenig zurückfallen und verringerten den Raum hinter der eigenen Kette, um die Tiefenläufe des Kontrahenten einzudämmen. Zwar sind die Lilien eine Mannschaft, die selbst gerne Fußball spielt, es zeichnet sie aber auch aus, dass sie ebendiese Lust am Kicken bei Bedarf auch der Kunst des Verteidigens unterordnen können. So wie an diesem Freitagabend. Mit den Begriffen „Leidenschaft und Leidensfähigkeit“ gab Schuhen der Darmstädter Leistung später eine passende Überschrift. Bei ungewohnten 34 Prozent Ballbesitz mussten die Akteure im orangefarbenen Dress viele Meter abspulen, ständig fokussiert bleiben und durchweg Zweikämpfe bestreiten. 53 Prozent der Duelle entschieden die Lilien für sich – wohlgemerkt gegen das bis dato zweikampfstärkste Team der Liga. Ein Beweis dafür, wie konzentriert die komplette Mannschaft im Defensivverbund agierte. „Das war nicht schön, aber hier kannst du nur mit so einer Willensleistung gewinnen“, fasste Zimmermann zusammen, der sich besonders darüber freute, dass er über eine geschlossene Teamleistung sprechen durfte: „Mit Ausnahme der ersten 10 Minuten könnte ich jeden Spieler heute über den grünen Klee loben. Und es ist schön zu sehen, dass auch jeder, der reinkommt, sofort funktioniert. Das ist überhaupt nicht selbstverständlich. Auch die Einwechselspieler haben es überragend gelöst.“

Es warten tolle Aufgaben 

Dinge, die es braucht, um eine Serie von 251 Tagen zu beenden. Und gleichzeitig nun selbst auf zehn ungeschlagene Pflichtspiele in Folge zurückblicken zu können. „21 Punkte aus 10 Spielen, dazu im Pokal eine Runde weiter, damit sind wir schon zufrieden“, verriet Schuhen, um dann direkt hinterherzuschieben: „Aber jetzt kommen noch ganz tolle Aufgaben bis zur Winterpause. Darauf freuen wir uns sehr.“

Mit den Spielen gegen Düsseldorf, in Karlsruhe und dem Pokalduell gegen Bundesligist Mönchengladbach stehen gleich drei Highlights im Terminkalender für die kommenden Tage. Spiele, die unterschiedliche Facetten erfordern werden. Dinge, die der SV 98 im bisherigen Saisonverlauf bereits gezeigt hat. Angefangen von der eigenen Offensivpower bis hin zu Leidenschaft und Leidensfähigkeit.

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