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05.09.2022 / Allgemein

Lernprozess

Deutsch, Mathe, Englisch sowie Geschichte, Sport und Co. Mit Ranzen oder Tasche bepackt ging es an diesem Montagmorgen (5.9.) wieder los. Sechs Wochen Sommerferien? Vorüber. Für die hessischen Schüler*innen hat das neue Schuljahr begonnen. Ein neuer Stundenplan, zahlreiche Hausaufgaben, viele Klausuren und Tests warten auf sie. Die Ferien im deutschen Profifußball dagegen, sie sind schon längst rum. Seit acht Wochen befinden sich die Mannschaften der 2. Bundesliga im neuen Sportjahr 2022/23. Hausaufgaben gibt es auch hier reichlich, Prüfungen ebenfalls - Woche für Woche. Lernen, lernen, lernen: Das heißt es ab heute wieder in den hessischen Klassenzimmern, das heißt es aber auch wöchentlich am Merck-Stadion am Böllenfalltor.

Foto: Stefan Holtzem

Die wöchentliche Prüfung haben die Lilien derweil hinter sich, eine schwierige war es. Die Lilien hatten sich jedoch gut darauf vorbereitet. Und das mussten sie auch. Schließlich wartete mit Arminia Bielefeld eine knifflige Aufgabe, die die Blau-Weißen in den vergangenen fünf Aufeinandertreffen nie lösen konnten. Und in dieser Saison trafen die Südhessen dann zusätzlich auch noch auf eine ostwestfälische Mannschaft, die erst im vergangenen Mai nach zwei Jahren der Zugehörigkeit zur Beletage des deutschen Profifußball in die 2. Bundesliga abgestiegen war. Ein qualitativ richtig gut besetzter Kader, dazu ein neuer Fußballlehrer an der Seitenlinie. Und das Ergebnis der Klausur am Sonntagmittag (4.9.) am Bölle? Eine Punkteteilung, ein 1:1.

Die klar bessere Mannschaft

„Aufgrund des Spielverlaufs ist es ein glücklicher Punktgewinn für uns“, sagte Daniel Scherning, Bielefelds Cheftrainer, nach Abpfiff der Partie. Recht hatte er. Denn die Lilien waren – gepusht durch die eigenen Fans – am Bölle das tonangebende Team. Das waren sie am letzten Wochenende gegen Heidenheim schon, so also auch gegen die Ostwestfalen. „Wir haben grundsätzlich ein gutes Spiel gemacht“, erklärte Tobias Kempe und fügte an: „Wir waren über 90 Minuten die klar bessere Mannschaft.“ Die Zahlen zum Spiel untermauerten die Aussagen des Darmstädter Routiniers. Eine Ballbesitzverteilung von 58 zu 42 Prozent zugunsten der Lilien, die bessere Zweikampfquote (53 zu 47 Prozent) sowie deutlich mehr Pässe gespielt (408 zu 299).

Wenn also selbst der gegnerische Trainer das Remis aus seiner Sicht als „glücklich“ einstufte und dazu in den 90 Minuten seine Grundordnung mehrfach verändern musste, was heißt das dann? „Das ist ein Lob für uns“, erwiderte Torsten Lieberknecht. Denn seine Mannschaft setzte schließlich über weite Strecken der Partie genau das um, was sie sich zuvor vorgenommen hatte. Phillip Tietz hob vor allem die Defensivarbeit hervor: „Unsere Abwehr war überragend, hat clever verteidigt und kaum Torchancen des Gegners zugelassen.“ Zudem erspielten sich die Lilien auch nach ihrer frühen Führung, die laut Lieberknecht „sensationell herausgespielt“ war, eine Vielzahl an Tormöglichkeiten. Doch ließen sie diese ungenutzt. Und so kam es, wie es in solchen anspruchsvollen Prüfungen im Fußball schon mal vorkommen kann: Die Konzentration ließ kurz vor Beendigung nach. Der ganz späte Ausgleich in der vierten Minute der Nachspielzeit war die Folge.

Arbeit an Lösungsansätzen

Es fühle sich so kurz nach Abpfiff sehr bitter an, meinte Tietz. „Der späte Gegentreffer tut natürlich weh“, ärgerte sich auch Kempe: „Leider wurde es brutal bestraft, dass wir in dieser Szene nicht wach gewesen sind. Da waren wir unachtsam und zu weit aufgerückt, das darf uns nicht passieren.“ Die einfachste Lösung lag dabei allerdings schon zuvor auf der Hand, wie Lieberknecht erkannte: „Wir haben es vermissen lassen, den Deckel aus unserer Vielzahl an Chancen draufzumachen. Nur das 2:0 hat heute einfach gefehlt“. Doch weil der SV 98 seine Möglichkeiten eben nicht ausnutzte, brachte er sich um den verdienten Lohn von drei Heimpunkten. Trotzdem blieben die Darmstädter mit dem Unentschieden auch im siebten Pflichtspiel in Serie ohne Niederlage, 14 Zähler nach sieben Ligaspielen machen einen beachtlichen Zwei-Punkte-Schnitt. Besonders ärgerlich aber dennoch. „Gerade weil es nach Heidenheim das zweite Spiel in Folge war, in dem wir eine Führung aus der Hand geben“, monierte Tietz.

Daher gilt es nun, aus dieser Prüfung die nötigen Schlüsse zu ziehen. Eine Arbeit von vorne bis hinten so richtig in den Sand gesetzt haben die insgesamt hervorragend gestarteten Südhessen in dieser Saison noch nicht – wohl aber aber gibt es Teilaufgaben, die die Note 2 in eine 1 umwandeln würden. „Wir sind in einem Lernprozess“, betonte Tietz und ergänzte: „Auch aus diesem Duell können wir lernen.“ Auf dem Stundenplan der Lilien steht daher die Analyse der Bielefeld-Partie: die positiven wie negativen Dinge auswerten, die nötigen Hausaufgaben mit größter Sorgfalt erledigen. Gerade mit Blick auf die nächste komplexe Aufgabe auswärts beim 1. FC Kaiserslautern (11.9./13.30 Uhr). Das Zweitliga-Sportjahr 2022/23 umfasst insgesamt 34 solcher Prüfungen, sieben sind bislang absolviert. Weiterhin, Woche für Woche heißt es daher für die Mannen des SV Darmstadt 98: Lernen, lernen, lernen.  

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