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28.05.2018 / Allgemein

„Man kann es nicht allen Seiten immer recht machen“

sv98.de blickt auf die Lilienkurier-Interviews der Rückrunde zurück: Seit Juli 2016 arbeitet Michael Stegmayer offiziell als Teammanager für den SV 98. Eine Aufgabe, die den 33-Jährigen vor viele verschiedene Herausforderungen stellt. In San Pedro del Pinatar sprach der ehemalige Lilien-Profi über seine Aufgaben im Trainingslager, sein Fazit nach anderthalb Jahren in neuer Funktion und den Ausblick auf die anstehende Restsaison.

Lilienkurier (LK): Den zweiten Winter in Folge verbringen die Lilien in San Pedro del Pinatar. Was sind die Argumente für diesen Ort als Trainingslagerdomizil?
Michael Stegmayer (Stegi): Wir haben im vergangenen Jahr dort bereits perfekte Bedingungen vorgefunden. Die Trainingsanlage mit Top-Plätzen, Kraftraum und Wellnessanlage ist auf höchstem Niveau. Das ist der Hauptgrund bei der Entscheidungsfindung gewesen. Darüber hinaus haben wir dort ein Hotel, in dem wir uns wohlfühlen und extrem kurze Anfahrtswege, die wir mit dem Fahrrad bewältigen können.
LK: Als Teammanager bist du in die Entscheidungsfindung sehr stark eingebunden. Wie weit im Voraus geht die Planung für ein Trainingslager los?
Stegi: Die ersten Gespräche liefen schon im September, weil die Top-Anlagen in Spanien natürlich sehr begehrt sind. Letztendlich haben wir alles im Oktober festgemacht und die Detailplanung dann über den Dezember vollendet.
LK: Wer hilft dir bei den Vorbereitungen?
Stegi: Solange wir in Deutschland sind, kommuniziere ich mit der Agentur, die wiederum die Kommunikation mit Hotel und Sportanlage vor Ort übernimmt. Die Agentur bekommt unsere Anforderungen und Wünsche und leitet diese weiter. Die Anreise plane ich in Abstimmung mit dem Reisebüro, bei einer großen Gruppe wäre die direkte Abwicklung mit der Airline doch sehr schwierig geworden.
LK: Merkst du, dass in diese Dinge schon eine Routine bei dir gekommen ist oder kann man es sich wie beim Kofferpacken vorstellen? Steht die Frage „Hoffentlich habe ich nichts vergessen“ immer im Raum?
Stegi: Eine gewisse Routine hat sich schon entwickelt. Das wird mit jedem Trainingslager mehr, weil ich immer konkretere Vorlagen und Checklisten habe, die es abzuarbeiten gilt. Trotzdem bin ich speziell bei der Anreise auf Spannung, bis endlich alle im Flieger sitzen. Weil man nie weiß, ob alles reibungslos läuft.
LK: Als Spieler hast du unzählige Trainingslager erlebt. War dir damals der organisatorische Aufwand, der dahinter steckt, überhaupt bewusst?
Stegi: Überhaupt nicht. Als Spieler kommst du zur Abreise, steigst in den Flieger, trainierst dort und kommst pünktlich zu den Mahlzeiten. Bestenfalls hattest du dann bei der Rückreise vorher optimale Bedingungen und ein erfolgreiches Trainingslager. Aber du machst dir keine Gedanken über die Abläufe im Hintergrund. Das Entscheidende und schwierige ist, dass die einzelnen Bereiche harmonieren und koordiniert werden müssen. Die kleinen Mosaiksteine – vom Trainerteam angefangen über die medizinische Abteilung, die Zeugwärte oder auch die täglichen Essenszeiten. Letztendlich läuft das bei mir zusammen und in der Summe ist das schon viel Arbeit.
LK: Umgekehrt war es als Spieler körperlich sicherlich anstrengender. Was gefällt dir besser: die heutige Rolle oder die damals auf dem Feld?
Stegi: Ich bin ganz froh, es mittlerweile als Teammanager zu erleben (grinst) Als Spieler war es körperlich sehr anstrengend, allerdings hatte man am Tag auch seine Ruhephasen. Jetzt stehe ich ständig unter Strom, auch in der Mittagspause oder nach dem Abendessen gibt es immer Dinge, die es zu klären gibt. Aber unter dem Strich bin ich zufrieden mit der Teammanager-Rolle.
LK: Was macht ein Trainingslager aus? Natürlich steht das Sportliche im Vordergrund, also die Arbeit auf dem Platz. Aber welchen Faktor hat auch dasständige Zusammensein mit den Mitspielern und dem Betreuerstab?
Stegi: Die Einheiten sind das Wichtigste, weil sich die Spieler in vielen Bereichen dort weiterentwickeln. Aber darüber hinaus müssen die Rahmenbedingungen passen. Die Spieler müssen sich wohlfühlen, um als Mannschaft weiter zusammenzuwachsen. Da gibt es auch Dinge, die wir schwer beeinflussen können, wie beispielsweise das Wetter. Aber Punkte wie Essen, Hotelzimmer oder Wellnessbereich müssen passen. Alles Dinge, die zu einem erfolgreichen Trainingslager beitragen.
LK: Eine Konstante für dich im Wintertrainingslager ist dein Geburtstag (12. Januar). Egal ob als Spieler oder Teammanager, zumeist verbringst du den Ehrentag weit weg von Zuhause…
Stegi: Ich kenne es ja nicht mehr anders. Nur an meinem 30. Geburtstag war ich zuhause, ansonsten habe ich jeden Geburtstag im Trainingslager verbracht. Natürlich wäre ich gerne auch mal bei meiner Familie, aber terminlich ist das leider nur schwer möglich. Ich feiere meinen Geburtstag also zwei Mal. Einmal im Trainingslager und nach der Rückkehr dann mit der Familie.
LK: Genau wie in Darmstadt bist du auch im Trainingslager Ansprechpartner für die Spieler bei Problemen oder Fragen aller Art. Wie sehr hilft es dir da, selbst jahrelang die andere Seite erlebt zu haben?
Stegi: Das hilft mir enorm. Gerade als Teammanager ist ein sehr großer Vorteil, dass ich vor kurzem noch Spieler gewesen bin. Viele Probleme oder Reizthemen kommen gar nicht auf, weil ich weiß, was die Spieler benötigen. Wenn etwas nicht passt, reicht eine kurze Kommunikation mit der Mannschaft, um zu wissen, was den Jungs wichtig ist.
LK: Viele können sich wahrscheinlich nur schwer vorstellen, welche Dinge an dich herangetragen werden. Kannst du ein paar Beispiele für Themen nennen, um die du dich speziell in einem Trainingslager kümmerst?
Stegi: Wenn sich beispielsweise das Essen wiederholt, dann kommt schon die Frage nach ein wenig mehr Abwechslung. Oder die Spieler wünschen sich, dass der Rasen kurz vor dem Training nochmal gewässert wird. Das wird dann natürlich erledigt.
LK: Als Teammanager bist du das Bindeglied zwischen allen Beteiligten. Wie schwer ist es, oftmals zwei Seiten betrachten und verstehen zu müssen?
Stegi: Es ist ein schmaler Grat. Man kann es nicht allen Seiten immer recht machen. Es gibt Wünsche der Spieler und auf der anderen Seite Wünsche des Trainerteams und des Vereins. Ich versuche, möglichst viel Harmonie zu erzeugen. Da muss man meist den besten Kompromiss finden und abwägen, welche Entscheidungen die beste ist.
LK: Mit einigen Spielern hast du noch selbst gekickt. Haben speziell diese Jungs auch das Selbstverständnis, dass du generell auf ihrer Seite sein müsstest?
Stegi: Am Anfang meiner Tätigkeit fiel es mir schwerer, diese Distanz zu wahren, aber inzwischen habe ich einen guten Weg und einen gewissen Abstand gefunden, der aber natürlich nicht zu groß ist. Mit vielen Jungs bin ich wirklich befreundet und das wird durch die neue Position natürlich nicht beendet. In den meisten Fällen kann ich die Themen aber gut einschätzen und professionell lösen.
LK: Als du vor knapp zwei Jahren anfingst, in die neue Position reinzuschnuppern, sprachst du davon, dass du dich auf die bevorstehenden Aufgaben freust. Hättest du geglaubt, dass es so viele sein würden?
Stegi: Ich bin mit der Erwartung in den Job gegangen, dass es sehr umfangreich werden wird. Aber es ist unmöglich vorher genau abzuschätzen, was dann auf einen zukommt. Die Aufgaben werden immer mehr, aber es kommt eine gewisse Routine bei vielen Dingen, die zu Beginn noch viel Zeit in Anspruch genommen haben. Die neuen Aufgaben und Herausforderungen machen den Job dann wirklich interessant. Der Umfang ist enorm, aber mir macht der Job weiterhin großen Spaß.
LK: Du bist der erste Teammanager der Vereinsgeschichte. Dementsprechend gab es kein Handbuch für deine Position oder gewachsene Strukturen. Wie interessant auf der einen und kompliziert auf der anderen Seite ist es, sich selbst den optimalen Weg zu suchen und aufzubauen?
Stegi: Ich empfinde es als reinen Vorteil, dass ich mir alles zwar selbst erarbeiten musste, aber den ganzen Bereich nach meinen Vorstellungen aufbauen konnte. Natürlich gibt es gewisse Richtlinien, an die ich mich halten muss. Primär sind das die Vorstellungen von Verein und Trainerteam, aber ich konnte meine Arbeitsweise so aufbauen, wie ich es für richtig halte. Aber ich versuche mich immer weiterzuentwickeln, weil es immer Optimierungsbedarf gibt.
LK: Seit Dezember trägt Dirk Schuster die Verantwortung. Du hast unter ihm noch gespielt und dann auch die neue Position angetreten. Was zeichnet ihn aus?
Stegi: Das Trainerteam um Dirk Schuster legt unheimlich großen Wert auf die Disziplin. Und zwar vom ganzen Team, nicht nur den Spielern, sondern auch von allen Mitarbeitern drumherum. Alles was gemacht wird, machen wir zusammen. Wenn jeder diese Disziplin mitbringt, kann er auch in Spiegel schauen und sich sagen, ich tue alles dafür, dass wir gemeinsam Erfolg haben. Darüber hinaus sind alle Personen im Trainerteam akribische Arbeiter, die sich sehr detailliert auf das Training und den kommenden Gegner vorbereiten. Zudem herrscht eine große Authentizität, es wird ehrlich miteinander umgegangen und offen die Meinung gesagt, ohne etwas hintenrum zu machen.
LK: Inwiefern ändert sich dich deine Rolle abhängig vom Trainerteam?
Stegi: Im Großen und Ganzen verändert sich die Arbeit nur in Details. Sicherlich hat jeder Trainer seine Vorstellungen, aber das betrifft nur Kleinigkeiten, die abgeändert werden müssen.
LK: Schauen wir noch einmal auf das Sportliche. Über die bisherige Saison wurde genug gesprochen und Platz 16 genügt natürlich nicht den Ansprüchen. Was braucht es gegen Lautern, um endlich wieder einen Sieg zu feiern?
Stegi: Wir haben sehr intensiv an dem augenscheinlichen Problem der vielen Gegentreffer gearbeitet, und über weite Strecken der Testspiele dort schon klare Fortschritte gezeigt. Die Idee des Trainers wird angenommen und die Mannschaft ist hungrig zu zeigen, dass sie besser als der Tabellenplatz ist. Darüber hinaus haben wir auch Neuverpflichtungen getätigt, die uns schon gegen Kaiserslautern vor ausverkauftem Haus dabei helfen werden, mit den Fans im Rücken einen guten Start in 2018 hinzulegen.
LK: Beim letzten Heimspiel gegen die Roten Teufel warst du noch auf dem Platz. Das 3:2 am 31. Spieltag 2014/15 war ein extrem wichtiger Erfolg in Richtung Aufstieg. Erinnerst du dich gern an dieses Spiel?
Stegi: Natürlich. Ich habe in der Rückrunde nur wenige Spiele gemacht, von daher ist es noch gut in Erinnerung geblieben. Wir lagen damals früh hinten, aber haben das Spiel dann gedreht und der Sieg hat uns weiterhin am Aufstieg schnuppern lassen.
LK: Romain Brégerie hat bei seiner Rückkehr gesagt, der Erfolg von damals schweiße bis heute zusammen. Egal, ob man jetzt noch in einer Mannschaft spielt oder es sich verteilt hat. Nimmst du das auch wahr, dass erfolgreiche Spielzeiten einen besonderen Bund schaffen?
Stegi: Auf jeden Fall. Beide Aufstiege und der Klassenerhalt haben eine besondere Bindung geschaffen. Wenn ich auf Spieler von damals treffe, schauen wir uns in die Augen und schon kommen die ganzen Emotionen wieder hoch. Wir haben in den drei Jahren sehr besondere Dinge geschafft, an die wir uns ein Leben lang erinnern werden.
LK: Die Werte des SV 98 kennen wenige so gut wie du. Wie wichtig ist dir, dass sie auch von neuen Spieler adaptiert werden?
Stegi: Grundsätzlich sprechen wir vor der Verpflichtung mit jedem Neuzugang und dabei kommt auch die Geschichte des Vereins zu tragen. Wir achten penibel darauf, wie der Spieler mit den Werten und der Geschichte umgeht, die ihm dabei vorgestellt werden. Das ist ein Teil der Vereins-DANN und wir versuchen schon, die Jungs zu sensibilisieren. Es geht nur mit harter Arbeit, Kampf und Leidenschaft. Das wollen wir den Spielern mitgeben und dann sehen, ob der mögliche Neuzugang diese Dinge im Vorfeld bereits annimmt.
LK: Zum Abschluss die Frage: Auch gegen Lautern wirst du das Geschehen wieder von der Bank verfolgen. Wie schwer fällt es dir nach den Jahren auf dem Feld? Wir würden dich zumindest nicht als seelenruhig bezeichnen, wenn du auf der Bank sitzt…
Stegi: Ruhig bin ich sicherlich nicht. Ich fiebere zu 100 Prozent mit dem Team. Es ist sehr schwer nicht eingreifen zu können, nachdem ich jahrelang auf dem Platz etwas beeinflussen konnte. Das war damals als Auswechselspieler schon schwierig und ist als Teammanager weiterhin der Fall.

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