Widget
02.01.2020 / Allgemein

Mandela Egbo: Where i am from

Hinter jedem Fußballer steckt ein Mensch. Eine Tatsache, die im schnelllebigen Fußballgeschäft oft zu kurz kommt oder sogar vergessen wird. Dabei lohnt sich der Blick auf ebendiesen Menschen und seine Geschichte meist ungemein. So auch bei Mandela Egbo. Denn der gebürtige Londoner hat trotz seiner erst 22 Jahre eine klare Meinung und einen speziellen Bezug zu Themen, die auch heute noch immer wieder angesprochen werden müssen.

Wenn Mandela Egbo an seine Kindheit zurückdenkt, dann kommen ihm auch die Gute-Nacht-Geschichten in den Sinn, die sein Vater ihm und seiner Schwester regelmäßig vorgetragen hat. „Das waren nicht die typischen Bedtime-Stories“, erklärt der 22-Jährige lächelnd, wenn er an die Minuten vor dem Schlafen zurückdenkt. „Jeden Abend hat uns unser Vater die Gedichte und Zitate von Maya Angelou vorgelesen.“ Die Gedanken und Sätze der Bürgerrechtlerin und einer der wichtigsten Stimmen in der afroamerikanischen Freiheitsbewegung blieben dem kleinen Mandela im Kopf. Schon Egbos Eltern waren vom Werken und Tun Angelous so angetan, dass sie ihre älteste Tochter Maya nach ihr benannten.

„Wir wurden schon in jungen Jahren für Themen wie Ausgrenzung, Diskriminierung oder Rassenhass sensibilisiert“, so Egbo beim Blick auf seine Kindheit, in der auch sein eigener Namensvetter eine große Rolle spielte: „Die Geschichte von Nelson Mandela war etwas, was mir meine Eltern schon sehr früh erzählt und nähergebracht haben. Wir hatten seine Bücher im Haus, es hingen auch Fotos von ihm an der Wand. Und natürlich war es merkwürdig zu hören, warum er eine so lange Zeit im Gefängnis verbringen musste.“

„Wichtig, den eigenen Background zu verstehen“

Für den frühzeitigen Exkurs durch die Geschichte ist der Sommer-Neuzugang der Lilien seinen Eltern auch heute noch dankbar: „Ich finde es wichtig, den eigenen Background zu verstehen. Darauf haben meine Eltern großen Wert gelegt. Damit wir wissen, welche Ereignisse und Ungerechtigkeiten uns in der Geschichte widerfahren sind und welche Menschen für unsere Freiheit gekämpft haben.“

Egbos Familie vereint dabei die Einflüsse aus England und Nigeria. Die Mutter des Außenbahnspielers ist gebürtige Engländern, während ihre Eltern aus dem westafrikanischen Land stammen. Egbos Vater wurde in Nigeria geboren, zog aber bereits mit acht Jahren nach England. Als gebürtiger Londoner kombiniert Egbo die täglichen Erfahrungen in der multikulturellen Metropole mit den Werten, die ihm in seiner Erziehung mitgegeben worden. Wer mit dem früheren Juniorennationalspieler spricht, der unterhält sich mit einem weltoffenen und gebildeten Menschen, der auf viele Dinge eine eigene Sicht hat. Und der daher auch eine klare Meinung vertritt, wenn er über Diskriminierung und Rassismus spricht. „Diese Dinge sind leider noch immer Alltag. Dass wir im Jahr 2020 noch immer diese Diskussion führen, ist unglaublich“, so das älteste von vier Kindern, das sich selbst glücklicherweise nie mit Anfeindungen dieser Art auseinandersetzen musste: „Wir müssen es unter Kontrolle bekommen. Wir gehen schon in die richtige Richtung, aber es ist noch viel zu weit verbreitet, speziell auch durch die sozialen Medien. Diese Gedanken sind noch immer in vielen Köpfen und es herrscht teilweise noch zu große Ignoranz für dieses Thema.“

Deutschunterricht ab Woche eins

Egbo spricht von „einer großen Hoffnung auf ein zukünftiges Ende von Ausgrenzung und Diskriminierung“ und fungiert dabei selbst als bestes Beispiel für gelungene Integration. Mit Ende 17 kam er nach Mönchengladbach, mittlerweile spricht Egbo hervorragendes Deutsch und benutzt dabei gerne auch mal ein Fremdwort und zu jeder Zeit die richtige Grammatik. „Ich habe seit meiner ersten Woche Deutschunterricht genommen“, verrät der U17-Europameister von 2014 und fügt an: „Die Leute sollten sehen, dass ich nicht einfach ein Engländer in Deutschland bin, sondern mich vom ersten Tag an voll integrieren möchte.“

Und Egbo denkt mit Blick auf seinen Integrationsprozess auch an die Leute, die ihn auf diesem Weg begleitet haben: „Wenn wir über die Schattenseiten der Gesellschaft sprechen, müssen wir umgekehrt auch die wunderbaren Menschen nennen, die sehr hilfsbereit sind und mir unheimlich geholfen haben.“

Es sind die Worte eines Mannes, der deutlich reifer wirkt, als es seine 22 Jahre vermuten lassen könnte. Eines Mannes, der seinen Background und Geschichte kennt. Der in vielen Themen eine starke Position einnimmt und mit sich selbst im Einklang ist. Und damit vieles von dem erfüllt, was ihm schon am Kinderbett mitgegeben wurde.

Ähnliche Artikel

Alle anzeigen
„Eine beispielhafte Kooperation“
25.05.2026

„Eine beispielhafte Kooperation“

Seit 2017 besteht eine Städtepartnerschaft zwischen San Antonio und Darmstadt. Seit 2024 kooperiert des SV 98 mit der Spurs Sports & Entertainment, der Betreibergesellschaft des San Antonio Football Club und der San Antonio Spurs. Aus diesen Partnerschaften heraus sind mittlerweile starke Verbindungen gewachsen, die insbesondere von den beteiligten Menschen geprägt werden.

Lilien Team-Marathon geht in die nächste Runde
17.04.2026

Lilien Team-Marathon geht in die nächste Runde

Am 27. September 2026 geht der Lilien Team-Marathon nach seiner erfolgreichen Premiere im vergangenen Jahr in die zweite Runde am Bölle. Laufbegeisterte können sich erneut in Teams von fünf bis zehn Läufer*innen zusammenschließen und gemeinsam eine Marathon- oder Halbmarathon-Distanz absolvieren.

Texanische Lilien
29.03.2026

Texanische Lilien

Nach den ereignisreichen Tagen in San Antonio beendet die Lilien-Delegation ihren Trip nach Texas in Beaumont. Und das Bild, das sich den Südhessen dort bietet, wirkt zunächst wie ein verrückter Traum. Fernab der Heimat und unter der texanischen Sonne trägt ein Verein die Lilie auf der Brust und den Darmstadt-Schriftzug auf dem Rücken.

Marseiler erleidet Kreuzbandriss
23.03.2026

Marseiler erleidet Kreuzbandriss

Die Befürchtungen haben sich bestätigt: Luca Marseiler hat im Heimspiel gegen den FC Schalke 04 einen Kreuzbandriss erlitten. Der 29-Jährige hatte sich die Verletzung ohne Einwirkung eines Gegenspielers in der 23. Minute zugezogen. Marseiler wird den Lilien damit monatelang fehlen. Über das weitere Vorgehen und den Zeitpunkt der Operation wird in den kommenden Tagen entschieden.

Lilien testen gegen Saarbrücken
23.03.2026

Lilien testen gegen Saarbrücken

Am kommenden Donnerstag (26.3.) um 13 Uhr steht für den SV Darmstadt 98 ein Testspiel gegen den 1. FC Saarbrücken auf dem Programm.

Patric Pfeiffer auf internationaler Reise
23.03.2026

Patric Pfeiffer auf internationaler Reise

Patric Pfeiffer ist erstmals für die ghanaische Nationalmannschaft nominiert worden. Der 26-jährige Innenverteidiger steht im Aufgebot für die anstehenden Testspiele, in denen Ghana am Freitag zunächst auf Österreich (27.3./18 Uhr) und am Montag auf Deutschland (30.3./20.45 Uhr) trifft.

FAQs zum verlegten Testspiel gegen San Antonio
20.02.2026

FAQs zum verlegten Testspiel gegen San Antonio

Der SV 98 beantwortet die wichtigsten Fragen zum verschobenen Testspiel der Lilien beim Kooperationspartner San Antonio FC.

USA-Reise: Lilien verschieben Testspiel auf den 29. September
20.02.2026

USA-Reise: Lilien verschieben Testspiel auf den 29. September

Der SV 98 hat sich mit Blick auf die anstehende März-Reise nach San Antonio (Texas) dazu entschieden, das geplante Testspiel gegen Kooperationspartner San Antonio FC auf den 29. September 2026 zu verschieben. Die Delegationsreise mit Vertretern aus Präsidium und Geschäftsführung findet weiterhin statt.

Fruchtbare Stimmungsdiskussion mit 200 Lilienfans und Marcel Schuhen
20.01.2026

Fruchtbare Stimmungsdiskussion mit 200 Lilienfans und Marcel Schuhen

Am gestrigen Montagabend kamen in der ENTEGA VIP-Lounge im Merck-Stadion am Böllenfalltor etwa 200 Lilienfans zusammen, um über die Stimmung am Böllenfalltor zu diskutieren. Der SV 98 bot in erster Linie die Plattform zur Diskussion der Fans untereinander.

Orga-Hinweise zum Weihnachtssingen
20.12.2025

Orga-Hinweise zum Weihnachtssingen

Am Montagabend (22.12.) findet im Merck-Stadion am Böllenfalltor das große Darmstädter Weihnachtssingen statt. Veranstalter ist die SV Darmstadt 98 Stadion GmbH. In dieser Meldung bekommt Ihr alle wichtigen Orga-Hinweise für die von Merck präsentierte Veranstaltung.

„Müssen jedes Jahr versuchen, an unsere Grenzen zu kommen“
28.11.2025

„Müssen jedes Jahr versuchen, an unsere Grenzen zu kommen“

Markus Pfitzner ist seit dem 21. Oktober der neue Präsident des SV Darmstadt 98. Der 56-Jährige besuchte 1978 an der Hand seines Vaters erstmals ein Spiel am Bölle. Von da ab sollte der SVD ein fixer Bezugspunkt im Leben von „Fitze“ werden, wie er im Verein genannt wird. In einem ausführlichen Lilienkurier-Interview (veröffentlicht in der Ausgabe gegen die SpVgg Greuther Fürth) spricht er darüber, wie er seit 1993 viele verschiedene Funktionen im Verein ausgeübt hat, warum Geschlossenheit im Verein so wichtig sind und wie er die Rolle als oberster Vereinsrepräsentant angehen will.

Im März 2026: Lilien reisen nach San Antonio
17.10.2025

Im März 2026: Lilien reisen nach San Antonio

Der SV Darmstadt 98 wird die Länderspielpause im März 2026 für eine Reise nach San Antonio (Texas) nutzen. Die Lilien gastieren vom 22. bis zum 28. März in der Darmstädter Partnerstadt und bestreiten am Mittwoch (25.3.) ein Freundschaftsspiel gegen Kooperationspartner San Antonio FC. Im Vordergrund der Reise stehen insbesondere das Vertiefen der bereits bestehenden Verbindungen zur Stadt und dem SAFC, sowie der Aufbau neuer Partnerschaften und der gegenseitige Wissensaustausch in unterschiedlichen Themenbereichen.