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14.03.2021 / Allgemein

Mit Bausteinen und Extraschichten

Nein, eine wilde Jubeltraube mit einer geballten Ladung Emotionen gab es diesmal nicht. Ein gemeinsamer Kreis, natürlich. Und auch in freudige und zufriedene Lilien-Gesichter konnte man nach Abpfiff des Heimspiel gegen Erzgebirge Aue blicken. Die Natur des Spielverlaufs sorgte dafür, dass der zweite Sieg in Folge zwar nicht so frenetisch gefeiert wurde wie der Erfolg in Paderborn - aber der Erfolg gegen den FCE war nicht minder wichtig.

Foto. Holtzem

Die Lilien waren am Samstag früh auf Betriebstemperatur. Das „knallharte Wegverteidigen“, das Cheftrainer Markus Anfang in der jüngeren Vergangenheit öffentlich forderte, es begann gegen die Veilchen bereits vor dem gegnerischen Tor. Nach vier Minuten trennte Rapp seinen Gegenspieler resolut aber fair vom Ball und leitete so über die Stationen Mathias Honsak und Serdar Dursun die frühe Führung ein (4.). Wie sich herausstellte, war die Szene symptomatisch für die Erzählung des Spiels.

Die Gäste mühten sich zwar und gelangten zumindest in der ersten Hälfte auch zu aussichtsreichen Chancen. Dennoch fiel es ins Auge, mit welcher Giftigkeit und Galligkeit die Lilien ins Angriffs- und Mittelfeldpressing spritzten und so immer wieder Umschaltmomente kreierten. Es passte, dass Markus Anfang – gefragt nach der Gala-Performance vom Dreifach-Torschützen Serdar Dursun – nicht etwa dessen eiskalte Vollstreckerqualitäten anpries. Sondern den enormen Fleiß des Stürmers bei der Arbeit gegen den Ball. 

„Das ist die Basis“

Anfang: “Wenn er so gegen den Ball arbeitet, ist er enorm wertvoll für uns.” Die Defensivarbeit, die die Darmstädter seit Paderborn in den Vordergrund gerückt haben, sie fängt ganz vorne an – bei Dursun. Doch für eine stabile Verteidigung braucht es mehr als nur einen ackernden Angreifer in vorderster Front. Es braucht die ganze Mannschaft. Einer für alle, alle für einen. “Jeder war für jeden da”, betonte Dursun. Er und seine Teamkollegen zeigten dank körperlicher Robustheit, Konzentration, der richtigen Einstellung und dem unbedingten Willen, dass sie verinnerlicht haben, worum es im Abstiegskampf der 2. Bundesliga geht: Es gilt, aus einer gefestigten Defensivbasis heraus zu punkten.

Natürlich gehört in Zweitligaspielen auch das gewisse Quäntchen Glück dazu. Ein 4:1-Sieg wirkt deutlich. Doch hatte Erzgebirge Aue vor allem vor der Pause in Person ihres Goalgetters Pascal Testroet sehr gute Möglichkeiten, die vielleicht in den vergangenen Monaten noch zu Ungunsten der Lilien reingegangen wären. Manchmal braucht es eben das nötige Fortune, solche Situationen zu überstehen. Während dies in der ersten Halbzeit noch so war, verteidigte der blau-weiße Defensivverbund im zweiten Spielabschnitt alles konsequent weg. Die Lilien hätten sehr gut gegen den Ball gearbeitet, erklärte Anfang: “Das ist die Basis, weil wir Ergebnisse brauchen. Auch in den nächsten Wochen und Monaten wird dies der Schwerpunkt bleiben.”

Mit zwei Siegen in Folge würden die Lilien aktuell die Ergebnissäule ein bisschen mehr bedienen. “Die anderen Säulen gehen aber nicht verloren”, sagte Anfang. Welche beiden er damit meint: guter Fußball und die Weiterentwicklung der Spieler. “Diese Säulen wachsen ein wenig langsamer, aber sie wachsen”, so der Darmstädter Coach. Denn den Fokus auf die Defensive zu legen, bedeutet nicht, sich rund um den eigenen Strafraum einzunisten. Beispielhaft dafür, dass der SV 98 die Offensive auf keinen Fall vernachlässigt, sind die sieben erzielten Tore in den vergangenen beiden Spielen. “Wir fokussieren uns auf die Defensive und kommen trotzdem in viele gute Umschaltmomente. Das System tut uns momentan gut”, analysierte Mathias Honsak in einer Medienrunde am Sonntagvormittag (14.3.), der sich am Tag zuvor selbst mit einem Treffer belohnte – dem Tor zum 4:1-Endstand.

Harte Arbeit, Extraschichten

Ein Tor, dass vor allem das Trainerteam der Lilien besonders freute. Schließlich hatten sie gerade in der vergangenen Woche genau dieses Szenario immer wieder trainieren lassen. Nach den Einheiten trommelten sie stets die Offensivspieler zusammen und ließen sie Extraschichten schieben – Pass in den Lauf, dann im Eins-gegen-Eins gegen den Torhüter. Situationen wie sie der SV 98 kürzlich gegen den FC St. Pauli in Person von Honsak noch ungenutzt ließ. “Du wirst nur besser, wenn du an deinen Schwächen arbeitest. Es gibt Selbstvertrauen, wenn du es im Training übst und genau weißt, was im Spiel auf dich zukommt”, verdeutlichte Honsak. Die harte Trainingsarbeit am Böllenfalltor? Sie trug ihr Früchte. Die Nummer 18 der Südhessen bekam gegen Aue kurz vor Ablauf der regulären Spielzeit den Pass in den Lauf, blieb im Eins-gegen-Eins gegen den Torhüter cool und verwandelte eiskalt. Der zweite Sieg in Folge war damit besiegelt. Man könnte das Tor zum 4:1 auch in einen größeren Kontext verpacken: Mit harter Arbeit und Extrashichten raus aus der bedrohlichen Zweitliga-Gefahrenzone.

Doch zwei Dreier in Serie sind den Darmstädter Protagonisten nicht genug. Sie sind auch im Abstiegskampf der 2. Liga nicht genug, auch wenn sie “in so einer Phase extrem wichtig sind”, wie Dursun betonte. Drei Zweitliga-Siege in Folge gab es in dieser Saison für die Südhessen noch nie. Das soll sich in der kommenden Woche im Auswärtsspiel bei Eintracht Braunschweig (20.3., 13 Uhr) – einem direkten Konkurrenten – ändern. Honsak: “Wir wollen vor der Länderspielpause gegen Braunschweig noch einmal alles raushauen, was in uns steckt, und die drei Punkte mitnehmen.” Was es dafür braucht, ist klar. Den Schwerpunkt auf den defensiven Baustein, der in den vergangenen Spielen für Erfolg sorgte. Und Tore. Vielleicht wieder von Serdar Dursun?

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