Foto: SV 98 30.05.2025 / Allgemein
Mit den SilberLilien auf der Rosenhöhe
An einem wundervollen warmen und sonnigen Mittwochnachmittag im Mai versammelten sich ca. 25 Mitglieder der SilberLilien zu einem besonderen Ausflug. Ziel war die Rosenhöhe: Jener historische Park im Osten Darmstadts, der nicht nur Geschichten aus vergangenen Jahrhunderten erzählt, sondern auch Heimat vieler kleiner Naturwunder ist. Angeleitet wurde die Gruppe von den beiden Menschen, ohne die es die SilberLilien in dieser Form nicht geben würde: Chris und Bernd Hennrich. Die beiden sind nicht nur die Initiatoren der Ü60-Organisation des SV Darmstadt 98, sie sind Herz und Motor einer Idee, die Zusammenhalt schafft, Erinnerungen teilt und den Geist der Lilien-Familie weit über die Tribünen hinausträgt.
„Wusstet ihr, dass es in Darmstadt genau einen Punkt gibt, von dem aus man alle vier Fluchtlichtmasten am Böllenfalltor sehen kann?“ Diese Anekdote sorgte gleich zu Beginn der SilberLilien-Tour auf der Rosenhöhe für gespitzte Ohren. Dass sich dieser Punkt ausgerechnet auf der Aussichtsplattform des Rosariums befindet – einem Ort, den viele wohl eher mit Picknickdecken und Hochzeitsfotos verbinden – war für einige dann doch überraschend.
Vom Löwentor in die Vergangenheit
Am Anfang stehen mehrere steinerne Löwen. Träge blicken sie in den Tag, als hätten sie schon zu viele davon erlebt. Hier am Löwentor beginnt der Spaziergang der SilberLilien. Die Gruppe ist gut gelaunt, es wird geredet, gelacht und gescherzt – man kennt sich eben. Und wer neu ist, wird es in wenigen Minuten nicht mehr sein. Chris und Bernd sind schon bereit, sie haben den Ausflug organisiert, wie so viele andere in den vergangenen Monaten.
Die Rosenhöhe zeigt sich mitten im Frühling noch etwas zurückhaltend. Die Rosen wirken schüchtern, noch ist nicht ihre Zeit zum Blühen gekommen. Das fällt aber kaum auf. Zu viele andere Dinge ziehen die Aufmerksamkeit auf sich: Eine wunderschöne Allee umgeben von vielen Apfelbäumen, die im Wind hin- und herwehen mit einem abgewetzten Weg, den wohl schon viele Generationen unter den Sohlen hatten. Versteckte Insektenpunkte, die zahlreichen kleinen Lebewesen ein Zuhause bieten. Ein Drittel der historischen Bauwerke im Park existiert heute zwar nicht mehr, doch wer aufmerksam durch die Anlage geht, entdeckt überall Spuren der Vergangenheit: alte Fundamente, unscheinbare Treppenstufen oder auch ein altes Teehäuschen.
Ein besonders spannender Zwischenstopp war die Künstlersiedlung – ein bewusst gesetzter Kontrast zur berühmten Mathildenhöhe. Die hier errichteten Häuser boten einst Künstlern ein erschwingliches Zuhause mitten im Grünen.
Organisatoren mit Blick für das Menschliche
Dass solche Orte entdeckt werden, liegt auch an Chris und Bernd Hennrich. Die beiden leiten die SilberLilien und machen das mit spürbarem Engagement und großer Liebe zum Detail. Über einhundert Veranstaltungen im Jahr organisieren sie gemeinsam, dabei wirkt ihr Projekt nicht wie ein durchgetaktetes Ehrenamt, sondern eher wie ein erweitertes Familienprojekt mit Herz und Verstand – inklusive gemeinsamer Frühstücksbesprechung am Küchentisch.
Bernd ist eher der Stratege: Ein Frühaufsteher, der sich um die Buchhaltung und Büroarbeit kümmert. Chris bringt das Gespür für die Menschen und viel Organisationserfahrung mit. Beide sind leidenschaftliche Lilien-Fans, auch wenn sie ihre Spiele meist auf getrennten Wegen verfolgen: Bernd im Stadion und Chris auf heimischer Couch als „Bernds persönlicher Videoassistent“, wie sie selbst schmunzelnd sagt.
Zerbombte Geschichte und blühende Zukunft
Der Park ist mittlerweile ein fest gewachsener Organismus. Manche Bäume scheinen sich in Pose zu werfen, andere ducken sich fast schon schüchtern ins Gebüsch. Ein Ast knackt, jemand bleibt stehen. „Hier war doch mal ein Palais, oder?“ – die Frage wird von einem leicht ironischen Seitenblick begleitet. Die Antwort darauf gibt es von Stadtführer Matthias Lohhammer. Locker, kompetent, mit erhobenem Zeigefinger und immer einem passenden Spruch auf den Lippen. Tatsächlich erinnern nur noch der Standort und das übrig gebliebene Pförtnerhäuschen an das historische Gebäude, das im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde.
Auf den ersten Blick wirkt der Park wie eine gewachsene Landschaft, ist in Wahrheit aber bis ins Detail durchdacht. Jeder Baum wurde einst gezielt gepflanzt, viele von ihnen erzählen ihre ganz eigene Geschichte. Besonders eindrucksvoll war der Aufstieg zur Aussichtsplattform des Rosariums. Leicht bergauf und ein bisschen uneben – kein Problem für die noch sehr fitte Reisegruppe der SilberLilien. Und dann steht man da auf der Rosenhöhe, ca. 180 Meter über dem Meeresspiegel, mit Blick auf den Bismarckturm und die Uni und tatsächlich: Auf alle vier Masten des Böllenfalltors.
Keine Rosen aber trotzdem beeindruckend
Zwar war es für die Rosenblüte noch etwas zu früh in diesem Jahr, doch das tat der Stimmung der Gruppe keinen Abbruch. Stattdessen rückten andere Besonderheiten in den Fokus – wie etwa die über 10.000 Rosenpflanzen aus mehr als 200 Sorten, die in den kommenden Wochen dort erblühen werden.
Zum Abschluss der Tour, die spontan von 90 auf 120 Minuten verlängert wurde, um den Park noch genauer erkunden zu können, führte der Weg an den Grabstätten der ehemaligen Großherzöge vorbei. Hier wurde es ruhiger, viele hielten inne, andere ließen ihre Blicke schweifen. Bis auf die Stimme des Tour-Guides Matthias und Vogelgezwitscher herrschte andächtige Stille.
Silber Lilien bedeutet gemeinsam entdecken
Das besondere an Veranstaltungen wie dieser ist nicht nur das Programm, sondern vor allem das Miteinander. Neue Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden sofort integriert, bekannte Gesichter grüßt man herzlich. Gespräche entstehen ganz natürlich – über Darmstadt, alte Zeiten oder auch hin und wieder mal über den SVD. Manchmal wird diskutiert, manchmal wird gelacht und am Ende nimmt jeder etwas Neues mit nach Hause.
Für Chris und Bernd ist klar: Die SilberLilien sind viel mehr als eine Veranstaltungsreihe. „Wir leben die Lilien-Familie“, sagt Bernd. „Das fängt beim Du untereinander an und reicht bis zur Unterstützung, die wir vom Verein bekommen.“ Chris ergänzt: „Das, was wir aufgebaut haben, funktioniert nur, weil viele mitmachen. Jeder bringt sich mit dem ein, was er kann und das macht die Lilien-Familie aus.“ Genau das ist das Ziel und wahrscheinlich auch der Grund, warum die SilberLilien inzwischen für viele mehr als nur eine Gruppe sind. Es ist ein Ort für Austausch, Neugier und für das gemeinsame Staunen über Dinge, die man beim bloßen Vorbeigehen vielleicht so nie entdeckt hätte.
Wer sind die SilberLilien?
Der SV Darmstadt 98 hat für alle Mitglieder ab 60 Jahren die SilberLilien ins Leben gerufen. Unter diesem Namen werden derzeit über 2.200 Mitgliedern aus dieser Altersgruppe spezielle Angebote unterbreitet.
Was machen die SilberLilien?
Sie haben ein breites Angebot an sportlichen, kulturellen, geselligen und informativen Themen. Dazu gehören bereits bestehende Aktivitäten aus den Amateursportabteilungen und der Fan- und Förderabteilung. Darüber hinaus werden ständig weitere Veranstaltungen, die das Kennenlernen und „Wir Lilien“-Gefühl über den Stadionbesuch hinaus stärken, organisiert.
Ihr wollt noch mehr über die Geschichte von Chris und Bernd Hennrich hören?
Dann schaut auf dem Youtube-Kanal des SV Darmstadt 98 vorbei. In der Rubrik „Lilien-Köpfe“ wurden die beiden SilberLilien ausführlich porträtiert.