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18.01.2021 / Allgemein

Mit eigenen Mitteln

Eckball - Tor. Eine seit Jahren erprobte Lilien-Variante, die schon unzählige Jubelschreie zur Folge hatte. Früher war es die perfekt geölte Variante „Kempe auf Sulu“. Und auch heutzutage, in der die Lilien nicht mehr ausschließlich auf den ruhenden Ball angewiesen sind, sondern spielerisch einen enormen Schritt nach vorne getan haben, flutschen Kempes Standard-Hereingaben noch häufig ins Tor. Auch am Sonntag schlug der Ball gleich mehrfach nach Standards im Tor ein  - allerdings in dem des SV 98. Nicht ein Mann in Blau-Weiß schlug die Kugel in die Mitte, kein südhessischer Akteur verlängerte, keine Lilie nickte ein. Stattdessen war es der Führungstreffer für den 1. FC Heidenheim.

Foto: Holtzem

Eine erste Standardsituation, sie war der Dosenöffner. Eine zweite Standardsituation war es dann, die die Weichen in der frostigen Voith-Arena endgültig auf Sieg stellte. Für die Gastgeber, die dank zwei ruhender Bälle eine bis dato ausgeglichene Partie zu ihren Gunsten drehten. Genau so, wie es eigentlich auf dem Matchplan des SV 98 beschrieben war. Schon in der Trainingswoche hatten die Lilien vermehrt den Fokus auf ruhende Bälle gelegt. Schließlich wollten die Lilien nach eigenen Standards gegen kompakt agierende Heidenheimer zum Torerfolg kommen. Ein probates Mittel gegen eine Mannschaft, die zuvor seit 20 Zweitliga-Heimspielen ungeschlagen war. „Wir haben deswegen extra fünf Standardspieler aufgestellt, weil wir diese Situationen für uns nutzen wollten“, erklärte Markus Anfang seine Herangehensweise.

Höhns Kopfball von der Linie gekratzt

Dass diese Taktik erfolgsversprechend war, zeigte die Kopfballchance von Immanuel Höhn nach 30 Zeigerumdrehungen. Eine Großchance der Lilien, die erste dicke Möglichkeit überhaupt in diesem Spiel – nach einer Ecke, natürlich. Doch anstatt dass der Ball im Netz der Heidenheimer einschlug, löschte der spätere Torschütze Christian Kühlwetter die brandgefährliche Situation mit seiner Abwehr per Kopf wenige Zentimeter vor der Torlinie. „Wir hatten vor der Pause gute Ansätze, da können wir auch 1:0 in Führung gehen“, betonte Fabian Holland, der später mit ansehen musste, wie die Gastgeber zwei Standardsituationen eiskalt ausnutzten. Anstelle der erhofften Lilien-Standardtore jubelten die Heidenheimer nach ruhenden Bällen. Mit der eigenen Herangehensweise auf die Verliererstraße gebracht worden.

Erst Kühlwetter per Kopf, dann Mainka mit dem Fuß. „Natürlich kann immer mal einer reinfallen, aber nicht auf diese Art und Weise. Da müssen wir viel wacher sein“, machte der Lilienkapitän deutlich. Gerade, weil sich der SV 98 auf solche Situationen vorbereitet hatte. Die Blau-Weißen wussten, was auf sie zukommt. „Wir wussten, dass sie die Bälle so spielen. Und dann kommen sie auch noch genau so, wir kriegen sie aber nicht verteidigt. Das ist extrem bitter“, zeigte sich Holland frustriert. Weil Thomalla später noch nach einem Konter traf, blinkte auf der Anzeigetafel ein deutliches Ergebnis auf. 0:3 unterlagen die Lilien bei der Mannschaft, die in der vergangenen Saison in der Relegation nur knapp den Aufstieg in die 1. Bundesliga verpasste. Ein Ergebnis, das sich die Lilien aufgrund der mangelnden eigenen Durchschlagskraft anzukreiden hatten, das aber viel zu deutlich ausfiel.

„Wir sind gewarnt und müssen unsere Punkte holen“

Dennoch bleibt es bei einem verlorenen Spiel – das dritte in Folge. „Das ist nicht zufriedenstellend und nicht das, was wir uns vorgestellt haben“, konstatierte Immanuel Höhn in einer digitalen Medienrunde am Montagmittag (12.1.). Sportlich ist 2021 bislang noch nicht das Jahr des SV 98. „Die Ergebnisse sprechen aktuell nicht für uns, auch wenn wir gelobt werden, dass wir ordentlich Fußball spielen“, erklärte Anfang. Seine Mannschaft findet sich nach 16 Spieltagen mit 18 Punkten in der unteren Tabellenhälfte wieder. Doch die Liga ist eng beieinander. „Wir sind gewarnt und müssen unsere Punkte holen“, so Anfang, der zusammen mit seinem Team weiter an die eigenen Stärken sowie die Art und Weise des Darmstädter Fußballs in dieser Saison glaubt.

Das Ziel: mehr Konstanz

„Wir wollen während des Spiels nicht nur verhindern, wir wollen was gewinnen. So müssen wir die Spiele angehen. Dann kommen wir auch unten raus“, betonte er. Auch Höhn unterstrich: „Entscheidend ist, dass wir von der Art und Weise, wie wir Fußball spielen, überzeugt sind. Nur müssen wir mehr Konstanz in unsere Leistung bringen – die gesamte Mannschaft und jeder Einzelne.“

Das soll sich bestenfalls zum Abschlussspiel der Hinrunde einstellen. Am kommenden Sonntag (24.1., 13.30 Uhr) empfangen die Darmstädter das Team von Holstein Kiel. Eine spielstarke Mannschaft, die mitten im Kampf um die Aufstiegsplätze steckt und kürzlich den FC Bayern München aus dem DFB-Pokal warf. Höhn: „Die 2. Liga macht aus, dass jeder jeden schlagen kann.“ Nur müssen die Lilien wieder das an den Tag legen, was sie vor der Weihnachtspause ausgezeichnet hat. Das wird die Aufgabe für das Heimspiel gegen Kiel sein. Und trotz der drei Niederlagen in Serie blickt der Innenverteidiger der 98er optimistisch und selbstbewusst nach vorn. Höhn sagt: „Wir haben die Qualität, jede Mannschaft der Liga zu schlagen. Das wollen wir am Sonntag zeigen.“

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