FAQs zum verlegten Testspiel gegen San Antonio
Der SV 98 beantwortet die wichtigsten Fragen zum verschobenen Testspiel der Lilien beim Kooperationspartner San Antonio FC.
Direkt nach seinem mit Brachialgewalt ins Tor gedonnerten Kopfball drehte Dario Dumic schnurstracks ab. Ziel: Die Trainerbank. Im Schlepptau: Gefühlt fast alle Lilien-Feldspieler. Die verknoteten, aufeinandergetürmten Trikots – Cheftrainer Dimitrios Grammozis irgendwo dort drin – ließen Rückschlüsse auf die schwierigen Wochen zu, die die Lilien gemeinsam durchleben mussten. Aber auch auf den Zusammenhalt und die Einheit in dieser Phase. Auf und neben dem Platz. "Wir mussten in den letzten Wochen viele Rückschläge hinnehmen. Wir haben uns raus gekämpft mit sehr viel Arbeit und Zusammenhalt", berichtete Grammozis, "Zielscheibe" des blau-weißen Stoff-Wollknäuels nach dem entscheidenden 1:0 in der 87. Minute gegen den FC Erzgebirge Aue.
Die 87. Minute war gleichzeitig das erlösende Ende eines zähen Abnutzungskampfes an diesem Freitagabend im Merck-Stadion am Böllenfalltor. Eine Taktikschlacht, in der sich der Gegner auf dem Erzgebirge zumeist tief in der eigenen Hälfte verschanzt hatte. Gegen die tief- und kompakt stehenden Veilchen taten sich die Lilien lange schwer, echte Großchancen zu kreieren – so wie es vermutlich den meisten Zweitliga-Mannschaften bis auf den Hamburger SV und den VfB Stuttgart schwer gefallen wäre.
„Mussten eine Menge Geduld beweisen“
Patrick Herrmann: „Wir mussten heute eine Menge Geduld beweisen, Aue hat enorm tief gestanden. Uns da etwas einfallen zu lassen war sehr schwer, aber letzten Endes haben wir uns zwei, drei Torchancen erarbeitet. Dass das Tor dann nach einem Standard fällt, passt dazu.“ Auf dem Feld erinnerte das Geschehen zeitweise an Rasenschach. Das verlangte wiederum von den Hausherren viel geistige Ausdauer und taktische Disziplin auf dem Platz. Es war ein sich immer wiederholendes Aufbauen und Anlaufen, das zu meist aber vor dem Strafraum der Gäste endete. „Kompliment nochmal an die Mannschaft, die heute trotz weniger Torchancen, immer dran geglaubt hat, am Ende noch ein Tor zu erzielen“, lobte Grammozis die Unermüdlichkeit seines Teams. Denn die Südhessen mussten gleichzeitig den schwierigen Spagat schaffen, Aue nicht zu sehr in die Karten zu spielen und sich locken lassen. Was dann vermutlich passiert wäre, war den meisten der Zuschauer aufgrund der vergangenen Jahre nur allzu präsent, hatte es Rückkehrer und langjähriger Erfolgstrainer Dirk Schuster am Böllenfalltor doch perfektioniert, aus einer stabilen Defensive und blitzschnell vorgetragenen Kontern zum Erfolg zu kommen.
Endlich der Lohn für harte Arbeit
Die Lilien aber hielten sich an ihren Spielplan, verfielen nicht in Hektik oder Aktionismus, sondern spielten konzentriert und diszipliniert weiter – stets auf diese eine Möglichkeit wartend. „Aue hat brutal defensiv gespielt. Es war sehr schwierig, Lösungen zu finden und nach der Pause hatten sie gefährliche Konter, da mussten wir gut aufpassen“, erklärte Matchwinner Dumic, der einige Minuten vor seinem Treffer selbst in höchster Not vor Testroet klärte und anschließend voller Entschlossenheit die Fäuste Richtung Südtribüne reckte. Und Teamkollege Herrmann ergänzte: „Den Sieg würde ich nicht auf Glück reduzieren, wir machen immer ordentliche Spiele, selbst als wir nicht gewinnen konnten. Es ist immer eine Frage der Zeit, bis sich die harte Arbeit in Punkte ummünzt.“ Dieser letzte Satz konnte auf das Spiel am Freitagabend bezogen werden, aber auch auf die schwierigen Wochen zuvor.
„Werden jetzt nicht abheben“
Dennoch: Genauso wenig, wie sich die Lilien während der Sieglosserie aus der Fassung bringen ließen und in Nervosität oder Hysterie verfielen, genauso wenig wollen sie sich nach dem vierten ungeschlagenen Spiel in Folge von vermeintlicher Euphorie um den Verstand bringen lassen. „Wir werden jetzt nicht abheben. Wir müssen jedes Spiel abliefern und werden weiter Gas geben“, sagte Grammozis nüchtern mit Blick auf die kommenden Aufgaben. Zeit hierfür bleibt dabei auch gar nicht, schließlich sind die Lilien bereits am Dienstagabend im Pokal gegen den Karlsruher SC gefordert. Eine Partie, in der die Südhessen vermutlich Geduld, taktische Disziplin uns Konzentration aufbringen müssen. Hoffentlich mit gleichem Ausgang wie an diesem Freitagabend am Böllenfalltor.
Für das Pokalspiel gegen den KSC (Dienstag, 20.45 Uhr) gibt es noch ausreichend Karten.