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12.12.2019 / Allgemein

„Mittlerweile undenkbar, ein Spiel zu verpassen“

Gegen Bielefeld war es soweit. Das Duell mit der Arminia bedeutete für Michael Mark (56) das 750. Punktspiel in Folge am Böllenfalltor. Eine unfassbare Serie, die im August 1977 begann und bis heute nicht gerissen ist. Vor Spiel Nummer 751 am kommenden Montag haben wir mit Michael über seine rekordverdächtige Bilanz, verschiedene Lilien-Erinnerungen und den Wandel der Zeit gesprochen.

sv98.de: Michael, 750 Lilien-Heimspiele am Stück. Da haben wir uns zunächst schon gefragt, ob diese Zahl wirklich stimmt…

Michael Mark: …und ob dieser Mensch normal sein kann. (lacht) Also es waren 750 Punktspiele in Folge seit August 1977, das müsste der der 16. damals gewesen sein. Ein Heimspiel gegen den VfR Bürstadt.

sv98.de: Damals noch als Teenager. Gab es einen Punkt an dem dir bewusst geworden ist, was für eine unglaubliche Serie du dir mittlerweile aufgebaut hast?

Michael: Ich habe irgendwann mal angefangen, ein wenig aufzuschreiben und die Spiele zu notieren, aber mir waren die Gesamtzahlen nie wirklich klar. Es war auch nie das Ziel einen Rekord aufzustellen, das hat sich dann einfach ergeben. Natürlich hat sich meine Lebensplanung schon auch immer nach den Heim- und Auswärtsspielen des SV 98 gerichtet, aber das es sowohl gesundheitlich als auch ehetechnisch so hinhauen konnte, das war natürlich nicht abzusehen. Irgendwann war ich dann bei 250, dann bei 500 und mittlerweile ist es für mich undenkbar, ein Spiel zu verpassen.

sv98.de: Gab es den Moment, an dem du speziell die 750 unbedingt erreichen wolltest?

Michael: Naja, wenn man bei 720 angelangt ist, dann will man die 750 natürlich auch vollmachen. (grinst)

„Der Michael zieht das konsequent durch“

sv98.de: Wie viele Termine mussten verlegt werden oder abgesagt werden, um Heimspiele der Lilien besuchen zu können?

Michael: Durch meine Selbständigkeit im Spiel- und Schreibwarenbereich haben wir normalerweise unseren Urlaub in der Ferienzeit verbracht, was normalerweise sehr gut zu einer Saison passt. Aber ab einem gewissen Punkt wusste beispielsweise auch die Familie meiner Frau, wenn Darmstadt spielt, dann zieht der Michael das konsequent durch. Dann kommt er später oder eben gar nicht. Meine Frau hat früher selbst Fußball gespielt und interessiert sich auch dafür und da ich bei beiden Familien konsequent bin, ist es für sie auch kein Problem.

sv98.de: Viele Lilienfans nennen den Durchmarsch in die Bundesliga als unvergesslichen Moment. Aber du hast noch einiges mehr gesehen…

Michael: Ich habe alle vier Bundesliga-Spielzeiten erlebt und alle vier waren natürlich absolute Highlights. Die beiden Bundesligajahre zuletzt habe ich aber natürlich viel bewusster wahrgenommen als damals als Teenager. Insgesamt gab es unzählige Momente, auch in den schwierigen Zeiten in der Oberliga. Nach so vielen Spielen ist es dann unheimlich schwer, eine Rangliste zu machen oder spezielle Momente hervorzuheben. Aber ich war ja auch eine Zeit lang als Betreuer bei der Mannschaft, habe auch Spiele für die Trainer gefilmt oder den Spielberichtsbogen erstellt. Mich hat auch immer Drumherum interessiert, ich bin sicher nicht der klassische Fan. Direkt bei der Mannschaft zu sein, damals in der Regionalliga, das war natürlich schon etwas ganz Spezielles. Aber ich habe auch sieben Jahre lang das Material rund um die erste Mannschaft besorgt, dann wurde es in der zweiten Liga aber auch zu viel und zu aufwändig. Ich habe es ja immer zusätzlich zu meinem Geschäft gemacht. Das waren sehr intensive Zeiten.

sv98.de: Nach 750 Heimspielen am Stück sind sicher auch viele Bekanntschaften am Bölle entstanden…

Michael: Ich habe damals 1977 ja eine Saison-Dauerkarte für die Haupttribüne gewonnen, diesen Platz habe ich seitdem inne. Da gibt es natürlich Leute, die ich seit Jahren kenne. Freundschaft ist dann vielleicht etwas zu hoch gegriffen, aber wir kennen uns teilweise schon sehr gut.

sv98.de: Aktuell beschäftigt ja weiterhin der Stadion-Umbau den Verein. Wie verfolgst du die stetige Entwicklung?

Michael: Ich finde das gut. Ich hätte natürlich auch weiterhin mit der alten Gegengerade leben können, aber man muss schon mit der Zeit gehen. Ich finde auch die Größe und die Art der Umsetzung gut, das ist alles okay. Trotzdem war natürlich Nostalgie dabei, als die Bagger angerollt sind. Ich bin hier schließlich aufgewachsen und auf dem Marathontor herumgeklettert. Dann ist natürlich etwas Wehmut dabei. Aber Veränderung gehört zum Leben, ich musste auch vor einigen Wochen mit meinem Geschäft umziehen nach 32 Jahren. Das ist dann eben so.

sv98.de: Du hast die ersten Bundeliga-Spielzeiten erlebt, später dann wieder Spiele in der Regional- und Hessenliga verfolgt. Hand aufs Herz: Hast du damals noch an eine erneute Rückkehr in die Bundesliga oder mehrere Jahre in der zweiten Liga geglaubt?

Michael: Ich hatte zu diesem Zeitpunkt ja schon alles mit Darmstadt erleben dürfen. Bundesliga, zweite Liga, Regionalliga – für mich persönlich ist das nicht so bedeutend. Natürlich fühle ich mich in der Bundesliga oder jetzt in der zweiten Liga wohler, aber ich würde immer zu den Spielen gehen, egal in welcher Spielklasse. Die Oberliga war natürlich sehr intensiv, weil wir nur ein kleiner Kreis gewesen sind, der sich sehr gut kennengelernt hat. Ohne diesen Zusammenhalt, der damals entstanden ist, hätte wahrscheinlich auch die Insolvenz nicht auf diese Art abgewendet werden können. Auf den Dorfplätzen war es nicht immer schön, aber für die Entwicklung des Vereins war auch diese Zeit wichtig.

„Das sollten wir wertschätzen“

sv98.de: Du hast Spiele gegen Wehen Wiesbaden II, Viktoria Griesheim oder Waldgirmes gesehen. Wie reagierst du dann heute, wenn andere Fans in der zweiten Liga quasi wöchentlich einen klaren Lilien-Sieg erwarten. Oder hast du dich selbst schnell einer neuen Erwartungshaltung angepasst?

Michael: Theoretisch müssten andere dazu befragt werden, wie ich über den Fußball denke. Aber grundsätzlich erinnere ich die Leute schon daran, wo wir vor 10, 12 Jahren gewesen sind. Und wo wir jetzt in der mittlerweile sechsten Spielzeit sind. Das sollten wir wertschätzen. Auch ich bin natürlich mal enttäuscht und mit der Art und Weise des Fußballs nicht einverstanden, aber wir sind in der zweiten Liga, das ist doch super.

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