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10.04.2022 / Allgemein

Mutmacher und Gespür

Als die Darmstädter nach Abpfiff die Bande umkurvten, liefen sie über die Tartanbahn im Max-Morlock-Stadion auf einen immer noch prall gefüllten Gästeblock zu. Der SV Darmstadt 98 hatte gerade mit 1:3 beim 1. FC Nürnberg verloren. Doch auf den Heimweg machte sich von den mitgereisten Lilien-Fans niemand. Zu wichtig war es ihnen, der Mannschaft ihren Respekt und Anerkennung zu zollen. Für das, was der SV 98 zuvor über 90 Minuten leistete. Und vermutlich auch generell in dieser bisherigen Spielzeit. Der blau-weiße Anhang bewies wieder einmal sein besonderes Gespür. Sie klatschten, sie sangen. “We love you, Darmstadt“, tönte es aus dem Block. Die Vereinshymne folgte. Sie demonstrierten eindrucksvoll, dass die Blau-Weißen auf den Rängen und auf dem Platz zusammenhalten. Egal, ob nach Siegen. Egal, ob nach Niederlagen.

Foto: Stefan Holtzem

Dabei verspürte wohl auch die ein oder andere Lilie im Gästeblock einen gewissen Frust aufgrund des Spielausgangs. Kein Wunder, da erging es den blau-weißen Protagonisten unten auf dem Platz nicht anders. “Natürlich sind wir frustriert über das Ergebnis”, betonte Torsten Lieberknecht. Und doch befand sich der Cheftrainer des SV 98 in einem gewissen Zwiespalt. Weil das Ergebnis auf der Anzeigetafel eben nicht das widerspiegelte, was sich in 90 Minuten zuvor ereignete. So bemerkte Lieberknecht: “Ich weiß, dass die Jungs frustriert sind. Ich bin es auch. Auf der anderen Seite bin ich massiv einverstanden mit der Leistung.”

Ein Fakt zum Ankreiden, doch Positives überwiegt

Denn die konnte sich trotz des 1:3-Endresultats durchaus sehen lassen. Eine Leistung, die eine Niederlage nicht verdient hatte. “Wir waren keineswegs die schlechtere Mannschaft. Stattdessen haben wir auswärts Mentalität gezeigt und gegen einen sehr guten Gegner ein gutes Spiel gemacht”, verdeutlichte Luca Pfeiffer. Ein Remis wäre wohl das Mindeste gewesen. Das musste selbst Nürnbergs Trainer anerkennen. “Mit einem Unentschieden wären alle im Stadion einverstanden gewesen”, sagte Robert Klauß. Dass dessen Mannschaft dennoch als Sieger vom Platz ging, lag in erster Linie an zwei Treffern, die aus Darmstädter Sicht so nicht fallen durften. Pfeiffer über den Fakt, den sich der SV 98 an diesem Samstagabend ankreiden lassen musste: “Hier zwei Standardtore zu kassieren, das darf uns nicht passieren.”

Und doch konnten die Südhessen insgesamt deutlich mehr positive Aspekte aus diesem Duell zu ziehen. Eine Partie, die Überschrift eines Top-Spiels absolut verdient hatte. “Alle Protagonisten haben viel Energie auf dem Platz gelassen, das hat Spaß gemacht”, so der Cheftrainer des SV 98. Zusammengerechnet 33 Torschüsse, davon 18 für die Darmstädter. Leichte Ballbesitzvorteile (55:45 Prozent) auf Seiten der Darmstädter und eine exakt ausgeglichene Zweikampfquote. Dazu eine mutige und energiegeladene Leistung der Lilien. Das erkannte auch Lieberknecht samt lobender Worten in Richtung seiner Mannen: “Ich finde es unglaublich und erstaunlich, dass meine Mannschaft den unbändigen Willen zeigt, weiter offensiv zu spielen. Wir haben ein erfrischendes, engagiertes sowie offensiv ausgerichtetes Spiel gemacht. Unser Auftritt macht trotz der Niederlage massiv Mut für das, was in den kommenden Wochen kommt.”

Weiter mittendrin

Schalke, St. Pauli, Aue, Düsseldorf, Paderborn. So lautet das fünf Spiele umfassende Programm der Lilien in diesem spannenden Saisonendspurt. Und ja, die Lilien haben an diesem Wochenende keine weiteren Punkte auf das Saisonkonto überführen können. Nicht mehr und nicht weniger. Holland mit Blick auf diese enorm enge 2. Bundesliga: “Wir haben noch immer eine gute Ausgangsposition und sind mittendrin.”

Auf Rang vier stehend sind die Lilien im Besitz von 51 Punkten. Gerade einmal zwei Zähler trennen sie vom aktuellen Tabellenführer. Dieser trägt den Namen FC Schalke 04 und ist zugleich der kommende Gegner der 98er. Am Ostersonntag (17.4./13.30 Uhr) gastiert die Mannschaft aus Gelsenkirchen im Merck-Stadion am Böllenfalltor. Das nächste Top-Spiel also, für das die Lilien-Fans noch im Nürnberger Gästeblock der Mannschaft die richtigen Worte mitgaben. Bevor das Team erneut die Bande umkurvte, um von der Tartanbahn zurück in Richtung der Katakomben zu gelangen, schrie der blau-weiße Anhang ihnen mit Blick aufs Schalke-Spiel entgegen: “Auf geht’s, Darmstadt, kämpfen und siegen!” Ein Mutmacher und das richtige Gespür.

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