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07.06.2020 / Allgemein

Nicht normal

Pausenlos rannten die Regensburger auf den Kasten der Gäste zu, trotz riesiger Feld- und Chancenüberlegenheit wollte dieser verflixte Ball einfach nicht ins Tor. Die Lilien hingegen, die sich fast über 90 Minuten tief in der eigenen Hälfte verschanzt hatten, ja verschanzen mussten, zeigten sich maximal effektiv gegen diese dominant auftretenden Oberpfälzer : drei Chancen, drei Tore. Endstand 3:0 für die Südhessen. Rund zwei Jahre später - 25 Monate, um genau zu sein - traten die Lilien erneut beim Jahn an. Und es schien, als hätte der Fußballgott ein gutes Gedächtnis bei diesen damals vom Glück geküssten Darmstädter gehabt. Denn die Retourkutsche folgte am gestrigen Samstagnachmittag (6.6.). Diesmal waren es die Lilien die sich ungläubig die Haare rauften, während die Hausherren sich beim Blick auf die Anzeigetafel wohl kurz zwicken mussten. "Diese Duelle sind nie ganz normal", fasste es Regensburgs Chefcoach Mersad Selimbegovic passend zusammen.

Und auch sein Darmstädter Pendant war sich bewusst, dass die 0:3-Niederlage seiner Mannschaft in Regensburg fernab der Normalität zustande kam. Grammozis: „Das Ergebnis ist deutlich. Doch es spiegelt den Spielverlauf nicht wider.“ Der SV 98 machte in den 90 Minuten in Regensburg vieles richtig. „Wir waren über das gesamte Spiel hinweg spielerisch gut in der Partie“, erklärte Kapitän Fabian Holland. Defensiv standen die Lilien über weite Strecken sicher, ließen nur ganz wenige Torchance zu. Offensiv kreierten die Südhessen dagegen immer wieder Torchancen, hatten gute Möglichkeiten. Ein Blick in die Statistik verdeutlicht dies: 21:7 Torschüsse, 541:228 gespielte Pässe, 70:30 Prozent Ballbesitz, 6:3 Ecken. Alle Werte zugunsten des SV Darmstadt 98, nur das Ergebnis nicht. Weil der SV 98 zwar vieles richtig machte, in den entscheidenden Situationen jedoch die falschen Entscheidungen traf. Und das mussten sich die Gäste hinterher ankreiden lassen, das wussten sie.

Es gibt solche Tage…

…an denen einfach nichts geht. „Haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß“, ist ein oft zitierter Satz von Andreas „Andi“ Brehme. Ein Spruch, der das Darmstädter Spiel in Regensburg aber beschreibt wie kein Zweiter. „Wir hätten noch zehn Stunden weiterspielen können, aber vermutlich trotzdem kein Tor erzielt“, haderte Grammozis. Und das, obwohl die Torchancen ja schließlich da waren. Doch es fehlte an der letzten Konsequenz vor dem Kasten. Auch die nötige Präzision ließen die Lilien in den entscheidenden Pässen und Abschlüssen vermissen. Es war eines der beiden Mankos in dieser Partie. „Uns hat im Spiel nach vorne die Schnelligkeit und Zielstrebigkeit gefehlt, um die Torchancen effektiv nutzen zu können“, sagte Holland. 

Dabei spielte der Spielverlauf dem SV 98 doch eigentlich in die Karten. Zwar lagen die Lilien zwischenzeitlich mit 0:2 im Hintertreffen. Aber die Regensburger dezimierten sich zuerst selbst. Dann zeigte der Schiedsrichter wenige Minuten später auf den Punkt – Elfmeter, die Riesenchance zum Anschlusstreffer. Doch Tobias Kempe, ein sonst so sicherer Schütze, der zuvor 13 seiner 14 Zweitliga-Elfer souverän verwandelte, vergab.  „Wenn wir den Anschlusstreffer erzielen, hätten wir bei noch 30 zu spielenden Minuten die Möglichkeit gehabt, einen Punkt mitzunehmen“, war sich Grammozis sicher. Doch dieses Spiel in Regensburg war nicht normal. Ein gebrauchter Tag eben.

„…dann verliert man so ein Spiel auch mal mit 0:3“

Weil die Lilien nämlich nicht nur offensiv die nötige Zielstrebigkeit vermissen ließen, sondern sich auch hinten anfällig zeigten – insbesondere bei Standardsituationen. „Die Gegentore fallen insgesamt zu einfach. Leider waren in den entscheidenden Situationen nicht wach genug“, erklärte Holland: „Und dann verliert man so ein Spiel auch mal mit 0:3“. Ein Tag, an dem brutal effektive Regensburger aus wenigen Tormöglichkeiten das Maximale rausholten. Und ein Tag, an dem sich die Lilien vorwerfen lassen müssen, es der Jahn-Elf bei den Treffern zu einfach gemacht zu haben. Dennoch: Das Quäntchen Glück – wie der Knie-Treffer von Max Besuschkow verdeutlichte – war auf Seiten des Jahn. Es sind eben die Kleinigkeiten, die in so vielen Spielen der 2. Bundesliga den Unterschied machen. Nach zuletzt drei ungeschlagenen Partien in Folge dieses Mal aber nicht zugunsten des SV 98.

Für die Lilien gilt daher: abhaken, aufstehen, weitermachen. Eine lange Woche liegt vor den Darmstädtern, ehe sie am Sonntag (14.6./13.30 Uhr) Hannover 96 am heimischen Böllenfalltor empfangen. “Jedes Spiel hat einen anderen Charakter. Wir müssen jetzt fokussiert bleiben, unter der Woche gut arbeiten und dann wollen wir zuhause gegen Hannover gewinnen”, richtet Serdar Dursun selbstbewusst den Blick nach vorne. Der normale Ablauf, die normale Vorbereitung. Doch ob auch die Partie normal verlaufen wird? Wird der Spielverlauf das Ergebnis widerspiegeln? Die 90 Minuten im Merck-Stadion am Böllenfalltor werden es zeigen.

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